Werden Webshops wie von Nestle zur Konkurrenz für den Handel?
Werden Webshops wie von Nestle zur Konkurrenz für den Handel?
Facebook: Wissenschaftler durften Facebook-Nutzer ohne deren Wissen als Versuchskaninchen nutzen. Für die Studie zweier US-Universitäten wurde der Newsstream von rund 300.000 Nutzer so manipuliert, dass ein Teil der Nutzer nur negativ gestimmte Beiträge der Freunde zu sehen bekam. Andere Nutzer wurden lediglich positiv gestimmte Beiträge angezeigt. Das Ergebnis überrascht wenig. Stimmung im Netzwerk wirkt ansteckend, sagt die Studie, die mit Unterstützung der US-Army zustande kam, berichtet The Atlantic.
Der Aufreger: Nutzer wurden damit unfreiwillig zu Laborratten in einem Experiment, dass zwar angesichts der AGB legal, aber ethisch fragwürdig ist.  "Mir scheint ziemlich klar, dass mit dem Experiment wissenschaftliche Standards verletzt worden sind", meint etwa der Darmstädter PR-Professor Thomas Pleil
Ein verharmlosender Vergleich mit A/B-Tests in Webshops und andernsorts oder Werbung gar greift meiner Ansicht nach hier nicht. In Webshops erwartet der Kunde schließlich, dass versucht wird, seine Einkaufsstimmung zu beeinflussen. Facebook und der Newsstream aber sind Kommunikationswerkzeuge. Hier sorgen schon die unsichtbaren und unkontrollierbaren Relevanz-Filter der Algorithmen für Schluckauf.

Jetzt lesen: Nestlé verkauft im Web günstiger als der Handel, Frankreich bekommt Anti-Amazon-Gesetz.


Nestlé:
Erinnern Sie sich an die Beruhigungspillen, die Markenhersteller gerne erzählen, wenn sie einen Webshop starten? (Nur für das Image, nur für die Mafo, nicht günstiger als im Handel) Die kompletten Sätze hat jede PR-Abteilung auf der F5-Taste. Warum ich so weit aushole? Laut Aargauer Zeitung verkauft Nestlé seine Top-Marken wie Nesquik, Smarties oder Thomy teilweise günstiger als bei Le Shop und Coop@Home. Die Handelsketten sind alles andere als amüsiert, versuchen aber den Ball noch flach zu halten. Erst kürzlich hatte in Deutschland Procter & Gamble einen eigenen Webshop eröffnet. ( Botschaft an den Handel auch damals: Vertraue mir. ) Übrigens: Mit den gleichen Sprüchen waren Markenhersteller einst mit Shops in den Fußgängerzonen gestartet.

Hawesko: Das Hanseatische Wein & Sekt Kontor Hawesko (Hawesko, Tvino und Weinlet) will in zwei Jahren 50 Prozent des Handelsumsatzes im Web machen. Derzeit steuert Hawesko auf einen Anteil von 40 Prozent zu, so Nikolas von Haugwitz, Geschäftsführer der Hawesko, gegenüber der Lebensmittel Zeitung


Yatego: Spötter meinen, bald gibt es so viele Anbieter lokaler Marktplätze wie es Städte in Deutschland gibt. Bis es so weit ist, will auch Yatego ein Stück vom Kuchen haben und erprobt mit Yatego Local in Fürstenfeldbruck und Landshut eine Marktplatz-Version im Pinterest-Look für Menschen, die noch etwas für den Einkauf auf der heimischen Scholle geben. Location Insider


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Pinspire: Der Pinterest-Klon der Samwer-Brüder ist nun engültig offline, hat Deutsche Startups entdeckt. Die Bilder-Pinnwand war aber schon seit dem Start ein kreativer und wirtschaftlicher Zombie voller Peinlichkeiten.

Digitale Welt:


Amazon: Mit einer Lex-Amazon springt Frankreich den Buchhändlern zur Seite. Ziel des neuen Gesetzes: Bücher im Online-Handel teurer machen als in stationären Geschäften. Der Hebel: Online-Händler dürfen verbilligte Bücher nicht mehr kostenlos versenden. MHP Books

Fancy: Die Social-Commerce-Plattform Fancy ist auf der Suche nach weiteren Geldgebern. Einst bei Apple auf dem Radar, dann von Hollywoood-Star Will Smith ("Man in Black) und American Express unterstützt. Business Insider munkelt, die neue Finanzierungsrunde könne Fancy auf eine Bewertung von 1,2 Milliarden Dollar heben.


Nike: Nike macht online weltweit 767 Millionen US-Dollar Umsatz. Plus 42 %, aber noch bescheidene 3 % vom Gesamtumsatz. Internet Retailer


Amazon II: In Großbritannien hätte Amazon gerne von Verlagen eine Unterschrift unter einen Vertrag, der ihnen erlaubt, Bücher, die bei einem Verlag nicht mehr vorrätig sind, on demand nachzudrucken. Außerdem möchte Amazon, dass Bücher nirgendwo billiger angeboten werden dürfen als bei Amazon. Der Standard

Digitale Praxis:

Buecher.de: Buecher.de nutzt nun die Empfehlungsmarketing-Software Likomi der Axonic GmbH aus Karlsruhe. Kernmodell: Jeder neue „Facebook-Like“ oder -Post wird mit einem Geschenk, einem Rabatt oder einer karitativen Spende belohnt. Zuneigung (Ironie on) kaufen, das war in Social Media ja seit jeder die nachhaltigste Lösung (Ironie off). Gleichwohl verspricht Likomi Umsatzsteigerungen und mehr virale Reichweite. Relevant


Digitales Wissen:

Adobe: Informationen über aktuelle Trends im Digital Marketing und im E-Commerce gibt's am 15. Juli beim Adobe Digital Marketing Breakfast in München. Ich erzähle dort etwas über die Trends im Handel. Mal sehen wie düster mein Blick in die Glaskugel wird und welche Rettungsanker tatsächlich vorzeigbar sind. 


Asda: Sein Abbild als Spielzeug-Figur in 3D (Shapie) gibts für Kunden der Supermarktkette Asda in Manchester für 60 Pfund. Kunden werden dafür mal eben vor einem 3D-Scanner postiert. Channel Partner

Digitale Trends & Fakten:


3D-Druck: In zehn Jahren drucken wir unsere Klamotten selbst. Das sagt Technik-Orakel Ray Kurzweil, technischer Leiter bei Google. Motherboard (Auf Wiedervorlage in zehn Jahren)

Zahl des Tages:
25 Millionen Bundesbürger haben schon einmal ein "Selfie" geschossen. Das weiß der Branchenverband Bitkom.


Grafik des Tages: Alles noch viel schlimmer? Die Tabellen-Serie von Business Insider zeichnet ein düsteres Bild von der Zukunft des Handels.


Lesetipp des Tages: Verlage contra Amazon - Drama fürs Theater? Hier ein bitterböses Stück in fünf Akten.


Beliebtester Beitrag am Vortag: Wochenrückblick: Fußball-WM, Amazon und Personalfragen

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