Das Neueste aus der Welt des E-Commerce: Jeden Morgen kurz vor 9 

Neckermann: Neckermann ist am Ende. Die Geschäftsleitung musste gestern aus insolvenzrechtlichen Gründen das Handtuch werfen. Mit einem Investor gibt es noch letzte Gespräche. Das unrühmliche Ende ist nicht nur das Ergebnis falscher Sortimente und die Folge des Festhaltens am verlustreichen Kataloggeschäft, sondern auch das Ergebnis eines völlig verschnarchten Marketings und grottiger Werbekreationen.

Zalando:Was Zalando so stark macht? Neben einer klaren Positionierung, Marketing-Millionen und dieser Versandkosten-Nummer? Touchpoints, Marketing-Mix. Jetzt kommt das Zalando Magazin für Männer. Vorsicht GQ und Co! Das Mutter-Magazin hat schon eine Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren. Auch das beweist, Kataloge sind nicht tot. Sie müssen nur neu erfunden werden. Auch das Männer-Heft ist mehr als nur ein besserer Katalog. Ach ja: Die neue Lust am eigenen Lifestyle-Magazin zeigt demnächst auch Otto.

Was den Kleiderkreisel umtreibt, wo Amazon grüner wird und warum die nächsten Pleiten ala Neckermann schon bevorstehen. Dies und mehr nach dem Klick.

Kleiderkreisel:  Die Kleidertauschplattform Kleiderkreisel hat sich einen Relaunch gegönnt. Eher Retro-Chic und dankenswerterweise nicht im Look derzeit aller neuer Mode-Websites. Auf der Plattform können 310.000 Mitgliedern über 1,8 Millionen Produkte kaufen und tauschen. Collaborative Consumption eben. Das bietet die Plattform immer öfter auch offline. Lokale Tausch-Parties von und mit der Community. Tupperware-Partys für Mode - quasi. "Wir haben das Konzept „Kreisel im Viertel“ entwickelt, bei dem die User lokale Events selbst organisieren können und wir sie mit einem Budget, Versicherungen, Event-Materialien, einem Fotografen und Hilfe bei der Vermarktung unterstützen“, erzählt Gründerin Sophie Utikal.

Arvato:  Die Bertelsmann Tochter Arvato baut ihre Dienstleistungen für Online-Händler mit einem erweiterten Leistungsspektrum ab 2013 aus. Bereits jetzt folgte der Namenswechsel von Arvato Online Services in Arvato E-Commerce, meldet die LebensmittelZeitung.

Nonabox: Sarah Mettler, Mitgründerin und Ex-CMO des Möbel-Shoppingclubs Monoqi, bietet mit Nonabox Artikel für Schwangere und Babies im Abo. Unterstützt wird Nonabox vom Medieninvestor Bertelsmann Digital Media Investments. Hm. Da ist Bertelsmann mal wieder später dran. Vorbilder wie PetiteBox und Co laufen nur noch auf Sparflamme. Aber: "Nonabox hat in Spanien und Italien bereits unter Beweis gestellt, dass sein Geschäftsmodell ein tragfähiges Subscription-Angebot mit einer klar definierten, attraktiven Zielgruppe zusammenbringt", zitiert Gründerszene  Tobias Schirmer, Principal bei BDMI. Na dann.

Kochzauber: Das Abo-Essen-Modell Kochzauber, seit Februar 2012 unterwegs mit einem Seed-Investment von Project A Ventures, bietet als erster Anbieter nun gluten- und laktosefreie Koch-Boxen. Weil das vielen Menschen wichtig ist, sei das hier erwähnt.

Sanicare:  Sanicare, die größte deutsche Versandapotheke, ist zahlungsunfähig. Das berichtet der Branchendienst Apotheke Adhoc. Sanicare beliefert 50 Kliniken sowie mehrere hundert Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen. Insgesamt erwirtschaftete die Gruppe 2011 Umsätze von rund 520 Millionen Euro. In der Branche wurde schon länger über Finanzprobleme spekuliert.

Amazon: Amazon wird grün und startet mit Vine einen Online-Shop mit schadstoffarmen und biologisch hergestellten Produkten oder Artikeln aus dem Fair-Trade-Segment.

Amazon II: Das Amazon-Logistikzentrum in Pforzheim hat jetzt seine Arbeit aufgenommen. Es bietet 900 langfristige Arbeitsplätze und zusätzlich bis zu 2.000 saisonale Arbeitsplätze. Größe: 110.000 Quadratmeter. (per mail)

Xing:  Klingt praktisch und sieht wie ein Versuch aus, etwas mehr zu sein als ein Telefonbuch deluxe: Xing-Nachrichten können Premium-Mitglieder nun mit Dateianhängen von bis zu 100 MB versenden.

Zahl des Tages:  Händlern fehlt es an einer sinnvollen Integration ihrer Vertriebskanäle: Produktsortiment, Preisgestaltung, Serviceleistung oder Zuständigkeiten sind meist nicht aufeinander abgestimmt. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint und des IIHD | Institut für internationales Handels- und Distributionsmanagement in Zusammenarbeit mit dem Magazin "Der Handel" unter 69 europäischen Handelsunternehmen. Weniger als ein Viertel aller Handelsunternehmen besitzen wirksame Cross-Channel-Commerce Strategien. Bei 36 Prozent der befragten Unternehmen ist der kanalübergreifende Vertrieb kein Thema im Top Management.

Stattdessen überwiegt die Trennung von Filial- und Onlineprozessen sowie -strukturen: 60 Prozent der Unternehmen haben für jeden Vertriebskanal ein eigenes Management. Knapp jedes Zweite sieht in der Verzahnung keine Priorität oder plant dies frühestens ab 2015.

Hier sitzen also die nächsten Neckermänner. Der Kunde wartet doch nicht auf euch. Wer übrigens jetzt noch händeringend versucht, Kanalexzellenz in einem Kanal erst einmal überhaupt ein bisschen hinzubekommen, wird in den kommenden Jahren lernen, dass in einer Marktwirtschaft Verlierer Teil des Spiels sind.

Grafik des Tages: Was kostet SEO?

Lesetipp des Tages: Na. Berlin hat vielleicht Sorgen: Ist die Berliner Retail-Szene noch authentisch? 

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