Angestellte von Edeka-Märkten des Aufsichtsratschefs Peter Simmel sollen laut Medienbericht von Privatdetektiven bespitzelt worden sein. Der Handelskonzern verspricht schnelle Aufklärung.

Detektive hätten heimlich Hausbesuche bei krankgemeldeten Mitarbeitern vorgenommen und nach Schichtende die Privatautos der Angestellten kontrolliert, berichtet das Magazin "Focus" unter Berufung auf interne Geschäftspapiere.

Der Edeka-Händler und Aufsichtsratschef Peter Simmel betonte am Sonntag, dass er die Widerlegung der Vorwürfe "aktiv und transparent" angehen werde. Gegenüber "Focus" hatte Simmel die Vorwürfe zurückgewiesen. Demnach gab es nur in einem einzigen Fall eine Wagenkontrolle.

Die Simmel AG betreibt 32 Supermärkte in Sachsen, Thüringen und Bayern. Für das Unternehmen arbeiten 1.000 Menschen. Der Umsatz lag 2008 bei 106 Millionen Euro.

Autos kontrolliert, Mitarbeiter bedrängt

Laut dem Magazin sollten die beauftragten Detektive pro Woche zwanzig Autos kontrollieren. Das gehe aus Verträgen und Arbeitsanweisungen hervor, heißt es in dem Bericht.

Wenn Mitarbeiter sich weigerten, den Wagen zu öffnen, hätten sie gedroht, die Polizei zu rufen und darauf hingewiesen, dass dieses sicherlich arbeitsrechtliche Konsequenzen haben würde, sagte ein Detektiv dem Bericht zufolge.

Die Hamburger Edeka-Zentrale nahm die Vorwürfe nach eigenen Angaben zur Kenntnis und wollte die darin erhobenen Behauptungen "schnellstmöglich" aufklären. Die Prüfung der Vorgänge habe bereits begonnen

Erinnerungen an Lidl-Affäre werden wach

Im vergangenen Jahr war aufgedeckt worden, dass der Discounter Lidl Mitarbeiter mit Kameras überwachen ließ. Außerdem wurde in diesem Frühjahr bekannt, dass Lidl systematisch über Krankheiten von Beschäftigten Buch geführt hat. Die Vorgänge führten zu personellen Konsequenzen in der Führungsebene des Unternehmens.

Am kommenden Donnerstag will die SPD im Bundestag einen Entwurf für ein Gesetz zum Arbeitnehmerdatenschutz einbringen. Angesichts zahlreicher Bespitzelungsfälle in Großunternehmen soll es regeln, welche Daten Arbeitgeber von ihren Beschäftigten erheben, verwenden und weitergeben dürfen, sagte Fraktionsvorsitzender Frank-Walter Steinmeier.