Bain & Company legt zweite Studie zur E-Business Start-Up-Szene in Deutschland vor. Danach ist nicht einmal jedes zwanzigste junge E-Business-Unternehmen profitabel.

Bain & Company legt zweite Studie zur E-Business Start-Up-Szene in Deutschland vor. Danach ist nicht einmal jedes zwanzigste junge E-Business-Unternehmen profitabel. Eine lange Durststrecke steht bevor, denn die B2B und B2C-Start-Ups werden die Gewinnschwelle nach eigener Einschätzung im Durchschnitt nicht vor dem 4. Quartal dieses Jahres erreichen. Und selbst dieses Szenario hält Dr. Franz-Josef Seidensticker, Managing Director Deutschland der Unternehmensberatung Bain & Company für reichlich optimistisch: "Das von den B2B- und B2C-Firmen erwartete Umsatzwachstum für 2001 ist aus der Marktperspektive unrealistisch. Um so wichtiger für das Überleben werden Partnerschaften mit der Old Economy - bis hin zur Übernahme von Internet-Start-Ups durch etablierte Unternehmen.".

Probleme haben die E-Business-Unternehmen mit der langen Anlaufphase mit hohen Investitionen in die Markterschließung und die Infrastruktur (z.B. Logistik). Des Weiteren mussten rund 60% der befragten B2B- und B2C-Anbieter ihre ursprünglichen Wachstumserwartungen im Herbst 2000 herunterschrauben, weil sie die Probleme der Markterschließung und des Fulfillments wie etwa die Auftragsabwicklung von Online-Shops oder die Anbindung von E-Märkten an die IT-Systeme der Teilnehmerunternehmen unterschätzten. Verschätzt haben sich die Unternehmen auch mit dem angepeilten durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 400 (B2B) bzw. 500% (B2C).

Schwierigkeiten entstehen auch deshalb, weil die Kapitalgeber zunehmend auf Distanz gehen. Im zweiten Quartal des Jahres 2000 vereinigten B2C-Startups nur noch 35% der Beteiligungsinvestitionen in der deutschen Internetgründerszene auf sich, im Vierteljahr davor waren es noch satte 60%. Etwas besser lagen die B2B-Plattformen, die ihren Anteil von 29 auf 34% steigern konnten. Grund dafür war, dass die elektronischen Marktplätze als neue Hoffnungsträger galten. Laut der Studie leiden besonders E-Commerce-Neugründungen unter der Zurückhaltung der Investoren.

Konsequenz ist, dass die Online-Shops, Internet-Auktionshäuser und -Communities sowie die B2B-Handels- und Beschaffungsplattformen bei ihren ehrgeizigen Planungen auf erweiterte Geschäftskonzepte, strategische Partnerschaften mit etablierten Unternehmen, Fortschritte bei der Internationalisierung und darauf setzen, dass sich die enormen Anlaufinvestitionen auszahlen. "Unausgesprochen steckt dahinter die Hoffnung, dass das eigene Unternehmen zu den Überlebenden des unvermeidlichen Shake-Outs im E-Commerce gehören wird. Dieser Traum kann aber nicht für alle in Erfüllung gehen", gibt sich Seidensticker skeptisch.

Besser sieht die Situation für die jungen Web-Enabler aus, also die Lieferanten der Werkzeuge (vor allem Software). Gegen Ende 2000 waren schon 8% profitabel, verglichen mit 2 Prozent im B2C- und 5% im B2B-Segment. Die Web-Enabler wollen schon im zweiten Quartal in die Gewinnzone vorstoßen. Die Gründe für das bessere Abschneiden liegen auf der Hand: Web-Enabler können relativ früh Beratungs-, Service- und Softwareerlöse generieren und haben nicht mit langen Anlaufzeiten zu kämpfen. Ihrem Konzept liegt offenbar auch eine realistischere Planung zugrunde. Zwei Drittel von ihnen haben ihre Umsatzziele für das Jahr 2000 erreicht oder gar übertroffen. Für 2001 wird ein Umsatzplus von durchschnittlich 150% vorhergesagt.

Mit einem Blick in die Zukunft lässt sich voraussagen, dass Investoren - vor allem die dominierenden Venture-Capital-Gesellschaften - bereit sein werden, weiteres Geld in bestehende Internet-Beteiligungen zu stecken, um die Zeit von mindestens sechs Monaten zu überbrücken, die für eine Neupositionierung und die Prüfung von Exit-Alternativen zum Börsengang nötig ist. Allerdings können mit einer langfristigen Unterstützung nur noch sehr gut positionierte und geführte E-Business-Unternehmen rechnen, die klar auf dem Weg in die Gewinnzone und damit zur Börsenreife sind. "Generell müssen die Internet-Start-Ups in der zweiten oder dritten Finanzierungsrunde einen deutlichen Abschlag in der Bewertung hinnehmen, die zum Teil unter der Erstrunden-Bewertung liegt.", führt Roman Zeller, Bain-Partner und Leiter der E-Commerce-Aktivitäten in Deutschland, aus. "Das heißt, die Gründer müssen heute erheblich mehr Anteile abgeben, als dies vor einem Jahr der Fall war." (AP)


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