Die Umsätze im deutschen Einzelhandel sind 2008 real um 0,4 Prozent gesunken. Es hätte schlimmer kommen können. Der HDE erwartet für das zweite Halbjahr 2009 etwas schwierigere Zeiten.

"Zweifellos wird 2009 ein schwieriges Jahr für den Einzelhandel. Die Wirtschaftskrise wird die Branche treffen - aber wann, wie hart und wie lange, ist ungewiss," sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) Stefan Genth an diesem Dienstag in Berlin. Der Branchenumsatz 2009 dürfte sich nominal "in einem Korridor von Null bis minus ein Prozent" bewegen.

Ab dem zweiten Halbjahr 2009 rechnet Genth mit einer etwas schlechteren Umsatzentwicklung. "Der Abwärtstrend könnte nicht so stark ausfallen, wie viele vermuten, weil Unternehmen und Arbeitsmarkt heute besser aufgestellt sind als in der Rezession nach 2001. Deshalb dürfte sich der nominale Einzelhandelsumsatz 2009 insgesamt in einem Korridor von Null bis minus ein Prozent bewegen."

Realer Umsatzrückgang

Die angespannteren Zeiten belegen auch die neuen Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt: Der Umsatz im Einzelhandel ging 2008 real um 0,4 Prozent zurück. Nominal stiegen die Erlöse um 2,1 Prozent, wie die Statisiker am Dienstag in Wiesbaden nach vorläufigen Daten berichteten.

Aber: Ein kräftiger Umsatzeinbruch wegen der Krise zum Jahresende blieb damit aus.

2007 waren die Jahresumsätze im Einzelhandel nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer noch nominal um 1,3 Prozent und real um 2,3 Prozent gesunken. Im Dezember erzielten die Händler nominal 0,6 Prozent mehr und real 0,3 Prozent weniger Erlöse als im Dezember 2007.

Kritik an der Bundesregierung

Für den HDE ist das Konjunkturpaket der Bundesregierung enttäuschend. "Es hat auch unsere Hoffnung auf die dringend notwendige Reparaturarbeit an der Unternehmenssteuer enttäuscht", klagt Genth. Der Gewerbesteueranstieg werde es vielen Händlern fast unmöglich machen, dem Sog der Krise zu widerstehen.

Das zeige eine Studie, die der HDE gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen PriceWaterhouse Coopers erstellt hat. Von den befragten Handelsunternehmen sehen sich 77 Prozent durch die Unternehmenssteuerreform schlechter gestellt.

Es sei vor allem die verbreiterte Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer, die Handelsunternehmen in einem Ausmaß treffe. In Einzelfällen liege sogar Substanzbesteuerung vor. "Wir fordern nachdrücklich, den Finanzierungsanteil für Immobilienmieten so schnell wie möglich von 65 auf 25 Prozent abzusenken", sagte Genth.