Der Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl zieht in einem Interview eine ernüchternde Bilanz für das Unternehmen und mahnt Perspektiven an. Die Zukunftsfähigkeit sämtlicher Häuser wird geprüft.

Nicht nur das Schlussquartal 2013 war mau, die Perspektiven für das laufende Jahr sind nicht besser. Karstadt bleibt ein Problemfall - und der Aufsichtsrat beginnt zu mahnen. "2014 wird noch nicht profitabel sein, aber wir müssen eine klare positive Perspektive sehen", fordert nun Stephan Fanderl, Vorsitzender des Kontrollgremiums der Karstadt Warenhaus GmbH. "Es müssen in diesem Jahr erhebliche Ergebnisverbesserungen erkennbar sein. Ein Geschäftsjahr wie 2013 wollen wir uns nicht noch einmal leisten", sagte der ehemalige Rewe-Vorstand der Tageszeitung "Die Welt".

Die hohen Investitionen in den vergangenen zwei, drei Jahren in Filialen, Systeme und Warensteuerung hätten keine großen Effekte erzielt, auch das Weihnachtsgeschäft habe unter Planung gelegen. Lediglich die Umsätze bei Herren-, Damen- und Kindermode sowie bei Schuhen seien gestiegen. "Die anderen Warenwelten haben noch Luft nach oben", kritisierte der Aufsichtsratsvorsitzende - um ein wenig überraschendes Zwischenergebnis mitzuteilen: "Wir verdienen mit den Warenhäusern kein Geld."

Stammkunden verunsichert, junge Neukunden nicht begeistert

Warum, weiß Fanderl auch. "Wir haben versucht, Karstadt mit neuen Marken im Modebereich wesentlich jünger zu gestalten. Die Vermutung liegt nahe, dass viele Stammkunden in diesem Einkaufserlebnis ihr Karstadt nicht wiedergefunden haben. Zugleich haben wir jüngere Kundengruppen nicht so schnell gewonnen, wie wir gehofft hatten. Folglich haben wir Frequenz verloren – es kommen weniger Kundinnen und Kunden in unsere Häuser." Zudem hätten sich die Streiks vor Weihnachten negativ aufs Unternehmen ausgewirkt.

Immerhin hat der Kontrollchef auch positive Ansätze ausgemacht. "Wir können heute ziemlich genau messen, wie viele Besucher unserer Häuser dort auch tatsächlich einkaufen. Dieser Anteil steigt, ebenso der durchschnittliche Einkaufsbetrag. Doch per Saldo bleibt ein Umsatzminus."

Hoffen auf Eva-Lotta Sjöstedt

Fanderl setzt nun auf Eva-Lotta Sjöstedt, die neue Warenhauschefin, die derzeit auf Besichtigungstour in den einzelnen Filialen ist. Zu deren Hauptaufgaben würde gehören, schnell eine Perspektive zu entwickeln, wie die Karstadt-Warenhäuser wieder profitabel gemacht werden können. "Ganz wichtig ist auch eine Erhöhung der Kundenbindung. Wer ist der klassische Karstadt-Kunde, und wie bedienen wir ihn besser? Und: Wie schaffen wir es, zugleich neue Kundengruppen anzusprechen?"

Auch die Ankurbelung des bisher mauen Onlinegeschäfts ist für Fanderl eine vordringliche Aufgabe für das neue Management.

Der Aufsichtsratschef gibt sich aber auch selbstkritisch. Denn das Streichen der unprofitablen Mulitmedia-Abteilungen, was 2013 die Umsätze negativ beeinflusste, stuft Fanderl als riskante Entscheidung ein. "Ob wir sie heute noch einmal so treffen würden, weiß ich nicht", sagte er der "Welt".

Dass er mit dieser Kritik damit den bisherigen Karstadt-Geschäftsführer Andrew Jennings treffen wolle, mochte Fanderl nicht zugeben. Stattdessen lobt er die neuen Ansätze, die der Brite ins Unternehmen gebracht habe, ohne aber genauer zu werden.

Welche Häuser haben noch Zukunft?

Über mögliche Schließungen äußerte sich der Aufsrichtsratschef nicht. Schon vor Wochen wurde davon gesprochen, dass die Filiale in Stuttgart dicht gemacht werden soll. "Zu Stuttgart ist keine Entscheidung des Managements gefallen, das ist nach wie vor so. Alles andere ist Spekulation und kommentiere ich nicht. Grundsätzlich gilt, dass das neue Managementteam an der Profitabilität jedes einzelnen Standorts arbeiten muss."

Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern werde sich das Management anschauen, welche dieser Filialen "wir zügig wieder auf eine positive Bahn bekommen und welche Häuser trotz aller gemeinsamen Bemühungen nicht zu drehen sind". Hier sei die Frage unabweisbar, ob sie grundsätzlich oder in der bisherigen Form weiter betrieben werden können. Der gesamte Prozess sei ergebnisoffen. In zwei, drei Monaten soll ein Plan über die Zukunft der jeweiligen Häuser fertig sein.

Generell sei Karstadt ein großartiges Unternehmen, versicherte Fanderl. "Aber es reicht nicht, wenn nur wir das wissen. Wir müssen zeigen, was in uns steckt."