Er weiß, wovon er spricht. Auf unserem Branchenkongress verkündete Rainer Borchert, Industry Head Retail bei Google, dass ab Mai 2016 das mobile Suchvolumen in Deutschland den Suchtraffic auf dem Desktop überholen wird. Händler, die noch keine mobile Strategie haben, sind spät dran. Wer meint, dass das nur eine Sache für die "Großen" ist, irrt. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass 2016 das Jahr des Mobile Commerce sein dürfte.

Diesen Schluss legen zumindest die Ergebnisse zahlreicher Studien nahe, die eindrucksvoll zeigen, welche Auswirkungen die Nutzung von Smartphones bereits auf den Handel hat und haben wird.

Hoher Anspruch - Apps und Mobile gehören für junge Leute dazu

Junge Leute nutzen das Smartphone auch direkt am POS zur Recherche
Junge Leute nutzen das Smartphone auch direkt am POS zur Recherche
In diesem Oktober hat Dynatrace eine Umfrage unter mehr als 5.000 Besitzern eines Smartphones und Tablets in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durchgeführt. 60 Prozent der Befragten im Alter zwischen 18 und 34 Jahren werden demzufolge bereits in diesem Jahr Weihnachtseinkäufe über ihr mobiles Gerät erledigen.

Die jungen Menschen zeigen sich allerdings ungeduldig. Denn 81 Prozent der Smartphone/Tablet-Nutzer unter den 18- bis 34-Jährigen brechen den Vorgang ab oder kaufen woanders ein, wenn eine mobile Site Fehler meldet oder eine App nicht wie erwartet funktioniert.

Ein Verhalten, das ich aufgrund meines heimatlichen Labors (Da kommt was auf Sie zu - Beobachtungen aus dem digitalen Jugendzimmer) bestätigen kann. Ein Dienst oder App muss auf Anhieb funktionieren oder es folgt gnadenlose Missachtung, wenn es nicht reibungslos und schnell geht. Schließlich mangelt es ja nur selten an Alternativen.

Knapp mehr als die Hälfte dieser Zielgruppe bevorzugt übrigens die App gegenüber der mobilen Site (54 Prozent). Begründung: Sie empfinden die App als einfacher zu bedienen, die reagiere auch schneller als eine mobile Site.

Die Nutzer mobiler Geräte sind gerade auch an einer Vielzahl an Informationen des lokalen Händlers interessiert. Quelle: Google
Die Nutzer mobiler Geräte sind gerade auch an einer Vielzahl an Informationen des lokalen Händlers interessiert. Quelle: Google

Das Smartphone wird zum Shopping-Begleiter - am POS und davor

Natürlich werden die mobilen Geräte nicht nur in den eigenen vier Wänden genutzt, sondern immer mehr zu einem universellen Shoppingbegleiter. In der Dynatrace-Studie geben immerhin 62 Prozent der jungen Nutzer an, dass sie das Gerät auch direkt im Laden verwenden, um Preise zu vergleichen, Produktbewertungen zu recherchieren oder Gutscheine herunterzuladen.

Das Smartphone spielt inzwischen auch vor dem Kauf eine wichtige Rolle. In einer Umfrage von Adobe gaben 36 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Mobil­geräte zur Entschei­dungs­find­ung vor Käufen her­anziehen

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage von Google, in der das Nutzungsverhalten von 5.000 Teilnehmern untersucht wurde. Inzwischen informieren sich 4 von 5 Nutzern mit einer Suchmaschine über lokale Händler und deren Angebote.

Das tun 88 Prozent der Smartphone-Nutzer und 84 Prozent der Besitzer eines Tablets. Gesucht wird nach einer Vielzahl an unterschiedlichen Informationen:

  • Öffnungszeiten (danach suchen Smartphone-Nutzer stärker als Tablet-Besitzer)
  • Wegbeschreibungen zum (nächsten) POS
  • Adresse des Geschäfts
  • Verfügbarkeit eines Produkts vor Ort

Daraus abgeleitet ergibt sich das Minimum an Informationen, die ein Händler seinen Kunden im Internet offerieren sollte.

Wie mein Eigenversuch in meiner Heimatstadt ergab, gibt es in dieser Hinsicht gerade bei kleineren Händlern und abseits der Großstadt einigen Nachholbedarf.

Wer sich mit mobilem Gerät lokal informiert hat, kauft dann häufig auch unmittelbar vor Ort ein
Wer sich mit mobilem Gerät lokal informiert hat, kauft dann häufig auch unmittelbar vor Ort ein

Und das ist fahrlässig, wie die Google-Studie ebenfalls zeigt. Denn 18 Prozent der Nutzer, die eine lokale Suche ausgeführt haben, kauften innerhalb eines Tages vor Ort ein!

Wer nun denkt, dass das Smartphone nur unterwegs genutzt wird, um sich konkret vor einem Kauf zu informieren, täuscht sich. Das Gerät ist ein universeller Begleiter des Konsumenten. Das gilt sowohl für die örtliche Nutzung als auch für die Art der Informationen.

Gesucht wird lokal in den eigenen vier Wänden, unterwegs, am POS und auch auf der Arbeit (immerhin von 33 Prozent der Smartphone-Nutzer).

Die Kunden setzen ihre mobilen Geräte auch für Inspiration ein (denken Sie nur an verlockende Produktfotos auf Instagram oder Pinterest), zur aktiven Recherche, während des Einkaufs und teilweise auch noch danach.

Angesichts dieser vielen beeindruckenden Zahlen dürfte kein Zweifel mehr daran bestehen, dass eine mobile Strategie gerade auch für kleinere Händler spätestens jetzt erforderlich ist.

Die Studie von Dynatrace können Sie hier herunterladen.

Die Ergebnisse der Google-Untersuchung aus dem Jahr 2014 sind ebenfalls als PDF verfügbar.