Im neuen Mainzer Fußballstadion wird mit der kontaktlosen Geldkarte gezahlt. Es ist das zweite Stadionprojekt der Sparkassen, die mit der NFC-fähigen Geldkarte auch im Handel noch große Pläne haben.

Das Bundesligaspiel FSV Mainz 05 gegen Bayer Leverkusen am vergangenen Sonntag war in doppelter Hinsicht eine Prämiere. Erstmals zogen die Fußballfans zu einem Pflichtspiel in die neu errichtete Coface Arena. Und zum ersten Mal kam die neue "05 Fankarte" zum Einsatz, mit der die Stadionbesucher ihr Bier und das obligatorische Würstchen nun kontaktlos bezahlen können.

"Die neue Karte hat Vorteile für die Fans, und wir freuen uns, dass uns die Sparkasse das Vertrauen geschenkt hat, dieses Projekt gemeinsam mit uns umzusetzen", sagte Harald Strutz, Präsident des FSV Mainz 05 auf einer Pressekonferenz vor Spielbeginn.

50.000 Fankarten für das kontaktlose Zahlen im Stadion

Insgesamt 50.000 "05 Fankarten" wurden von der Sparkasse Mainz ausgegeben, die Hälfte davon als Saisonkarten. Technologiepartner für die Abwicklung der Zahlungen an den Verpflegungsstationen und im Fanshop ist der Netzbetreiber Telecash. Die Karten dienen gleichzeitig als Eintrittkarten und müssen an GeldKarten-Ladestationen oder im Stadion mit Guthaben aufgeladen werden.

Neben dem Einsatz in der Mainzer Arena können die Fankarten auch an allen bundesweit rund 600.000 GeldKarten-Akzeptanzstellen verwendet werden. Der durchschnittliche Aufladebetrag betrug beim rheinhessischen Bundesligaclub zum Saisonauftakt 50 Euro pro Karte.

"Wir konnten die Umsätze pro Stadionbesucher in der vergangenen Saison verdoppeln", erläuterte Wolfgang Holzhäuser, Schatzmeister von Bayer Leverkusen. "Der Zahlungsprozess vereinfacht sich von sieben auf drei Schritte, was zu einer deutlichen Beschleunigung führt". Der gestrige Gegner der FSV Mainz setzt die Karte bereits in der zweiten Spielsaison ein. "Es gab zwar einige Kinderkrankheiten zu überstehen, aber jetzt läuft das System rund", so Holzhäuser.

Mainz 05 und Bayer Leverkusen gegen den VfB Stuttgart

Seit 2008 können Fans und Besucher des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena kontaktlos zahlen. Dort basiert das System allerdings auf der PayPass-Technologie des Kreditkartenanbieters Mastercard. Dank der Mainzer Fankarte sind die Sparkassen mit ihrer GeldKarten-Technik zumindest in den Fußballstadien in Führung gegangen. Für die Akzeptanz von kontaklosen Zahlungen mit PayPass entschieden sich im deutschen Einzelhandel allerdings jüngst  auch die Aral-Tankstellen und die Douglas Gruppe.

Foto: Hanno Bender
Foto: Hanno Bender
"Kontaktloses Bezahlen ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Wegen der hohen Geschwindigkeit und des Komforts für Kunden und Händler steigt die Nachfrage von allen Seiten", sagte Bernd M. Fieseler, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), in Mainz.

Die Sparkassen verfolgen ambitionierte Pläne, um der bislang im Einzelhandel bedeutungslosen Geldkarte ein neues Leben im Bereich der Kleinbetragszahlungen einzuhauchen. In den kommenden vier Jahren sollen alle 45 Millionen Sparkassen EC-Karten mit der NFC-Technologie für das kontaktlose Zahlen ausgerüstet werden.

Pilotregion mit 750.000 NFC-Karten

Im ersten Quartal 2012 soll zudem in der Region Hannover, Braunschweig, Wolfsburg mit 750.000 Karten und Händlerpartnern wie Edeka ein breiter Feldtest durchgeführt werden. (Dazu auch unser Interview mit dem DSGV-Kartenexperten Wolfgang Adamiok.) Auch eine große Mineralölkette ist nach Informationen von derhandel.de Partner des Pilotprojekts.

"Mit der SparkassenCard kontaktlos haben wir die Möglichkeit, für breite Teile der Bevölkerung das Bezahlen zu beschleunigen und den Bargeldanteil im Handel entscheidend zu reduzieren", so Fieseler.

Für Händler sollen die Transaktionen mit der neuen SparkassenCard, die bis 20 Euro kontaktlos im Vorbeigehen erfolgen können, je nach Betragshöhe 1, 2 oder 3 Cent kosten, zuzüglich einer Transaktionsgebühr für den jeweiligen Netzbetreiber, die nach den Vorstellungen der Sparkassen bei 0,75 Cent liegen soll.

Bildquelle: S-CARD Service
Bildquelle: S-CARD Service
Ein Problempunkt der Geldkarten-Technologie war bislang vor allem die notwendige Aufladung, die als eines Haupthindernisse für den breiten Durchbruch der Zahlungslösung gilt. Künftig soll die Aufladung in Sekundenschnelle an den Kassen im Handel erfolgen. Durch eine Abonnement-Lösung soll das Guthaben im Bedarfsfall automatisch auf einen vom Karteninhaber festgelegten Mindestbetrag aufgeladen werden.

Aufladeabo gilt als praxisfern

Dennoch gibt es Kritik und viel Skepsis von Seiten des Handels und der EC-Cash-Netzbetreiber an den Plänen der Sparkassen. Eine zusätzliche Ladeschale kostet Geld und benötigt Platz an den durchoptimierten Kassen des Handels. Zudem muss jedes Terminal eine eigene Händlerkarte besitzen, um Geldkarten-Transaktionen abwickeln zu können.

Auch das angedachte Aufladeabo erntet Kritik, da es angesichts zahlreicher bonitätsschwacher Kunden praxisfern sei. "Am Ende des Monats will der Kunde beim Bäcker vielleicht nur 2 Euro ausgeben und dafür nicht 20 Euro vom Konto abgebucht bekommen", sagt ein Skeptiker. Als problematisch gilt auch, dass die deutsche Kreditwirtschaft das Projekt "kontkatlose Geldkarte" nicht gemeinsam vorantreibt.

"Ich bin mal gespannt, was die Kritiker in einem Jahr sagen", erwidert DSGV-Kartenexperte Wolfgang Adamiok jedoch selbstbewusst auf solcherlei Einwände.

Für die Mainzer war die Doppel-Prämiere im neuen Stadion am Sonntag jedenfalls ein voller Erfolg: 2:0 schickte sie Bayer Leverkusen nach Hause.