Die Otto Gruppe hat den "Carbon Footprint" von drei Textilien ermitteln lassen. Das Ergebnis: Oft schlagen Herstellung und Gebrauch zu Buche, nicht einmal so sehr der Transport.

Die Otto Gruppe wollte es einmal genauer wissen und hat für drei unterschiedliche Textilien den sogenannten Carbon Footprint ermitteln lassen. Dieser gibt alle Treibhausgase über den gesamten Lebensweg eines Produktes an, also von den Rohstoffen über Herstellung, Transport, Distribution, Gebrauch und Entsorgung. 

Neben dem wichtigsten Klimagas CO2 hat das beauftragte Beratungshaus Systain  sämtliche Treibhausgase erfasst wie etwa Methan, das bei der Nutzung von Erdgas entsteht, oder Lachgas, das beim Einsatz von mineralischem Dünger im Baumwollanbau auftritt. Methan besitzt die 25-fache Klimawirkung von CO2, Lachgas sogar die rund 300-fache. Die Angabe des Carbon Footprints erfolgt daher in Kilogramm CO2-Äquivalenten (CO2e).

Beispiel 1: Damenlongshirt

Das erste untersuchte Kleidungsstück war ein Longshirt weiß, 100 Prozent Baumwolle, Größe 40-42, Nettogewicht 222 Gramm. Die Baumwolle kommt aus USA, die Herstellung erfolgte in Bangladesch, den Vertrieb übernimmt OTTO. 

Das in Bangladesch hergestellte Damenlongshirt besitzt einen Carbon Footprint von 10,75 kg CO2e. Das entspricht dem 50-fachen des Eigengewichtes. Herstellung und Gebrauch besitzen mit jeweils fast einem Drittel die höchsten Anteile an den Gesamtemissionen des Longshirts.

Beim Baumwollanbau geht die Hälfte der Treibhausgasemissionen auf Lachgase durch den Düngermitteleinsatz zurück, die andere Hälfte auf Energieverbrauch insbesondere bei der Bearbeitung der Felder und beim Entkörnen der Saatbaumwolle.

Transport per Schiff überraschend geringe Werte

Trotz der Distanz von rund 35.000 km, die das Longshirt auf dem Weg von der Baumwollproduktion in den USA über Bangladesch nach Deutschland zurückgelegt hat, machen die Transportemissionen mit 290 Gramm CO2e einen überraschend geringen Anteil aus. Kommt das fertige Textilteil hingegen nicht per Schiff sondern mit dem Flugzeug von Bangladesch nach Europa, würden die Transportemissionen auf 4 kg CO2e steigen.

Deutlich CO2-intensiver ist hingegen die Distribution in Deutschland: durch Versand, Lagerung und Retouren entstehen 870 Gramm CO2e. Ohne die Rücksendungen liegt der Carbon Footprint für die Anlieferung zu Hause bei etwa 400 Gramm, wobei ein Drittel auf das Warehousing und zwei Drittel auf Transporte zurückgehen.

In der Produktionskette in Bangladesch entstehen 3 kg CO2e. Der Großteil entfällt auf die Stromerzeugung auf dem Gelände der Produzenten. Sie sind aufgrund der instabilen Stromversorgung im Land gezwungen, ihren Bedarf mittels Generatoren selbst zu decken. Dabei nutzen sie meist klimafreundliches Erdgas, das aufgrund großer Lagerstätten in Bangladesch reichlich vorhanden ist.

Für die Herstellung eines dunklen Longshirts wurde ein Carbon Footprint von 3,4 kg CO2e ermittelt, bedingt durch die längere Färbezeit. Bei einer anderen Färberei, die in dem Projekt untersucht wurde, verdoppelte sich sogar der Carbon Footprint beim Färben von dunklen Stoffen.

Ungewöhnlich ist der hohe Emissionswert der Näherei: Knapp 600 Gramm der 880 Gramm CO2e gehen in der Konfektion auf das abschließende Bügeln. Bei genauerer Untersuchung des Nähereibetriebes zeigte sich, dass es dort großes Potential zur Steigerung der Energieeffizienz gibt.

Gebrauchsphase treibt Werte hoch

Einen erheblichen Einfluss auf den Carbon Footprint des Textils besitzt dann die Gebrauchsphase. Es wurde davon ausgegangen, dass das Teil 55 mal gewaschen wird, bevor es entsorgt wird. Trockner und Bügeln sind anteilig angerechnet, entsprechend der statistischen Verteilung von elektrischen Trocknern und der durchschnittlichen Nutzungsquote in Deutschland.

Wird jeder Waschgang in den Trockner gesteckt und anschließend gebügelt, verdreifacht sich der Carbon Footprint in der Gebrauchsphase von 3,3 kg CO2e auf 10,7 kg CO2e. Darüber hinaus wirken sich Beladung der Geräte, Energieeffizienz und Waschtemperatur auf den Carbon Footprint aus. Eine energieeffiziente A++ Waschmaschine verursacht ein Drittel weniger CO2e -Emissionen als ein übliches Gerät im Haushalt, beim Trockner verringert das effizienteste Gerät die Emissionen um fast die Hälfte. Eine Waschtemperatur von 40°C statt 60°C reduziert den Carbon Footprint beim Waschen um 45 Prozent, 30°C statt 40°C um 40Prozent.

Zudem beladen viele Haushalte die Geräte oft nur unzureichend und verschenken dadurch wertvolle Energie. Die Beispielrechnungen zeigen, wie der Product Carbon Footprint den Konsumenten Handlungsmöglichkeiten veranschaulicht. Darüber hinaus wirken sich Beladung der Geräte, Energieeffizienz und Waschtemperatur auf
den Carbon Footprint aus. Eine energieeffiziente A++ Waschmaschine verursacht ein Drittel weniger CO2e -Emissionen als ein übliches Gerät im Haushalt, beim Trockner verringert das effizienteste Gerät die Emissionen um fast die Hälfte.

Weitere Beispiele: Kapuzenjacke und Kinderstrickjacke

Darüber hinaus wurden die Footprints von zwei weiteren Produkten ermittelt: Zum einen von der Kapuzen-Sweatjacke ‚Cotton made in Africa’, Farbe fuchsia,  100% Baumwolle, Größe 40, Nettogewicht 446 Gramm; Baumwolle aus Benin, Verarbeitung in Türkei, Vertrieb durch den BAUR Versand. Zum anderen der der
Kinderstrickjacke, rot, 100 Prozent Acryl, Größe 152-158, Nettogewicht 266 Gramm; Herstellung der Synthetikgarne in China, Verarbeitung in Bangladesch, Vertrieb durch OTTO.

Für die Kapuzenstrickjacke ‚Cotton made in Africa' in der Farbe fuchsia wurde ein Carbon Footprint von 13,42 kg CO2e ermittelt, für die Kinderstrickjacke aus Acryl 13,67 kg CO2e.

Lesen Sie bitte hier weiter zur Vergleichbarkeit und Methodik

Norbert Jungmichel, Systain