So gewaltig das Insolvenzverfahren für Karstadt war, so horrend fallen auch die Honorare aus. Insolvenzverwalter Görg bekommt über 30 Millionen Euro, das ist der fünffache Regelsatz. Und das ist noch moderat gerechnet.

Im Karstadt-Insolvenzverfahren erhalten der Insolvenzverwalter und der Gläubigerausschuss zusammen rund 34 Millionen Euro. Den größten Batzen streicht  Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg ein: 32.309.987,50 Millionen Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer.

Die zwölf Mitglieder des Gläubigerausschusses bekommen zusammen rund zwei Millionen Euro. Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung bestätigte am Donnerstag entsprechende Schreiben des Essener Amtsgerichts und des Insolvenzverwalters.

Fünffacher Regelsatz "ist gerechtfertigt"

Die Festsetzungen des Amtsgerichts über die jeweiligen Vergütungen liegen derhandel.de vor. Demnach berechnet sich Görgs Honorar wie folgt: Die Insolvenzmasse von Karstadt betrug 980,5 Millionen Euro. Davon stehen dem Kölner Rechtsanwalt im Rahmen der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung 0,5 Prozent zu - das entspricht rund 5,4 Millionen Euro.

Aber: "Im Hinblick auf Umfang und Schwierigkeit der Geschäftsführung im vorliegenden Verfahren ist die Festsetzung des fünffachen Regelsatzes und damit auf den Betrag von 25.151.250 Euro gerechtfertigt", schreibt das Amtsgericht.

In seiner Berechnungsgrundlage für das Honorar hatte Görg beim Gericht sogenannte Erhöhungstatbestände im Insolvenzverfahren reklamiert, auch dieses Schreiben liegt derhandel.de vor. Erhöhungstatbestände waren für Görg unter anderem: vollumfängliche Fortführung des Geschäftsbetriebs von Karstadt, Schließungen von 13 Filialen und Beendigung von 1.200 Arbeitsverhältnissen.

Für Görg betrug die Summe der Erhöhungsfaktoren 880 Prozent - was letztlich einem Honorar von über 47 Millionen Euro entsprechen würde. Diese Summe war bereits im Juni dieses Jahres genannt worden. "Unter Berücksichtigung sämtlicher Gesamtumstände des Verfahrens soll der Vervielfältiger auf den fünffachen Satz der Regelvergütung beschränkt werden", schrieb Görg Ende September ans Gericht. Seine Forderung: 32.309.987,50 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Viel Geld für den Betriebsratschef

Unter den Mitgliedern des Gläubigerausschusses sind unter anderem Vertreter von Banken, Versicherungen, Betriebsrat, Bundesagentur für Arbeit, Pensionssicherungsverein oder dem Land. Der Karstadt-Gesamtbetriebsratchef Hellmuth Patzelt bekommt 178.500 Euro inklusive Mehrwersteuer. Katja Wilken-Klein, Chefin der Essener Arbeitsagentur stehen 150.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer) zu. Das entsprechende Schreiben des Gerichts liegt derhandel.de vor.

Nach früheren Angaben von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg betragen die Gerichtskosten zehn Millionen Euro. Die Gesamtkosten bezifferte Görg für Karstadt auf 50 Millionen Euro. Das Geld wird aus der Insolvenzmasse bezahlt. Das Insolvenzverfahren hatte 16 Monate gedauert. Zum 1. Oktober war die Warenhauskette von Investor Nicolas Berggruen übernommen worden.

Auch nach der Aufhebung des Karstadt-Verfahrens bleibt Görg weiter Insolvenzverwalter für mehr als 40 Einzelgesellschaften des ehemaligen Arcandor-Konzerns. Als größere Verfahren gelten noch Quelle oder die Dachgesellschaft Arcandor.

Steffen Gerth mit Material von dpa