Gestern wurde bekannt, dass Karstadt im aktuellen Geschäftsjahr mindestens 40 Millionen Euro Gewinn machen wird. Das wäre jedoch deutlich weniger, als das angebliche Honorar des Insolvenzverwalters.

Für Klaus Hubert Görg dürfte sein Job als Insolvenzverwalter von Karstadt und dem Arcandor-Konzern überaus lukrativ sein. Laut "Süddeutscher Zeitung" wird das Schlusshonorar des Kölner Rechtsanwalts mehr als 50 Millionen Euro betragen.

Die Zeitung beruft sich dabei auf Informationen aus Verhandlungskreisen und will darüber hinaus erfahren haben, dass sogar über ein Honorar in Höhe von 55 Millionen Euro spekuliert wird.

Görg äußerte sich zu diesen Schätzungen erwartungsgemäß nicht. Seit er vor einem Jahr das Mandat für den insolventen Arcandor-Konzern übernommen hat, arbeiten etwa 20 hochbezahlte Fachleute aus dem Team der Kanzlei Görg an dem Fall.

"Versorgung der Insolvenzverwalter"

Die Höhe des Honorars bemisst sich am Wert der Insolvenzmasse - und die ist bei Karstadt mit seinen 120 Filialen und 25.000 Mitarbeitern hoch. Laut  Vergütungsstaffelung steht einem Insolvenzverwalter bei einer Insolvenzmasse ab 50 Millionen Euro 0,5 Prozent dieses Betrages zu.

Es gibt Kritiker dieses Vergütungssystems. Der Koblenzer Hochschullehrer und frühere Insolvenzrichter Professor Hans Haarmeyer sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Statt die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen, versorgt die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens offenbar weitgehend und flächendeckend nur die Insolvenzverwalter und die mit ihnen verbundenen Strukturen."

Der Rechtswissenschaftler moniert, dass viele Insolvenzverwalter "Heerscharen von teuren Beratern" in die Firmen schicken würden, die von ihnen betreut werden. Der Grund: mangelnde eigene Kenntnisse.

Rechnung erst nach Ende des Verfahrens

Friedrich von Kaltenborn-Stachau wundert sich, dass so früh das angebliche Honorar von Görg bekannt geworden ist. "Die Vergütung wird vom Insolvenzverwalter beantragt und vom Insolvenzgericht geprüft und festgesetzt - aber erst unmittelbar vor Beendigung des Verfahrens", sagt der Hamburger Fachanwalt für Insolvenzrecht zu derhandel.de Und das Insolvenzverfahren von Karstadt ist noch nicht abgeschlossen.

Nach Auffassung des Hamburger Juristen ist die Größenordnung des Honorars, wenn diese denn zutreffen sollte, bei einem Insolvenzverfahren des Umfangs und der Komplexität von Karstadt und Arcandor nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Geschäfte laufen besser als gedacht

Gestern wurde bekannt, dass die Geschäfte bei Karstadt schneller besser laufen als erwartet. Im aktuellen Geschäftsjahr, das im September endet, rechne man mit "stabilen Umsätzen" und einem "mittleren zweistelligen Millionengewinn", sagte Görgs Karstadt-Beauftragter Rolf Weidmann der "Wirtschaftswoche". Nach dpa-Informationen soll sich der Gewinn auf rund 40 bis 60 Millionen Euro belaufen.

Seit gut zwei Wochen verhandelt der potenzielle Karstadt-Investor Nicolas Berggruen mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet über die künftigen Mieten des Warenhauses. Bis zum 16. Juli müssen sich beide Seiten einigen, denn an diesem Tag will das Essener Amtsgericht über den Insolvenzplan entscheiden. Sollte über die Mieten keine Einigung erzielt werden, droht der Warenhauskette die Zerschlagung.