Marion von Kuczkowski, die 1999 als eine der ersten Deutschen den Powerseller-Status bei eBay erhielt, war lange Jahre so etwas wie die Vorzeige-Powerfrau auf der Plattform. Inzwischen ist eine neue Generation Frauen in die Fußstapfen der Unternehmerin getreten, die nun andere zu eBay-Millionären coacht. Allen voran Mütter zeigen, dass Kinder und Klicks gerade im E-Commerce zusammenpassen. Die neuen „Mompreneure“ schreiben denn auch ganz eigene Erfolgsgeschichten. Etailment stellt zusammen mit dem Netzwerk MomPreneurs sieben Mütter im Online-Handel genauer vor.


Sylva Kairies, FILIPPA & FLORENTINE, 2 Kinder (Hamburg)

Foto: Sylva Kairies
Foto: Sylva Kairies

Silva Kairies hat sich mit ihrem Online-Shop „Filippa & Florentine“ ganz dem Handel mit hochwertigen und nachhaltigen Tüchern aus Kaschmir, Wolle und Seide verschrieben. Für ihren Traum von der Selbstständigkeit hat sie sogar ihren Job im Marketing eines internationalen Konzerns an den Nagel gehängt. Die Idee zum eigenen Shop – der nach den beiden Töchtern von Sylva Kairies benannt ist – kam ihr während eines Spaziergangs in der Schwangerschaft mit ihrem Lieblingskleid aus Kaschmir. Für ihren Shop plant sie bereits den nächsten Schritt: Die Gründerin möchte einen stationären Laden eröffnen und ihre Ware anbieten. Ihr Tipp an alle Mütter, die mit den Gedanken einer Selbständigkeit spielen: „Es lohnt sich an die eigenen Träume zu glauben“.

Andrea Gönner, GARNWELT, 3 Kinder (Riedlingen)

Andrea Gönner (Foto: eBay)
Andrea Gönner (Foto: eBay)
Aus der Not eine Tugend und letztendlich eine Erfolgsstory machen: So könnte sich die Geschichte von „Garnwelt“ zusammenfassen lassen. Vor wenigen Jahren stand das Unternehmen noch kurz vor der Pleite, die Produktion von Strickwaren musste aufgegeben werden. Bei eBay sollten lediglich Restbestände feinster Garne abgewickelt werden. Was dann passierte: Das Geschäft explodierte in kürzester Zeit, die Gönners hatten direkten Zugang zu ihrer neuen Zielgruppe – und ein halbes Jahr später kam bereits das erste Ladengeschäft dazu. Heute gilt Garnwelt als einer der führenden Online-Anbieter für Handarbeitszubehör, beschäftigt im Winter bis zu 50 Mitarbeiter, größtenteils Mütter mit Kindern, und verzeichnet einen Umsatz von knapp vier Millionen Euro jährlich.

Anna Yona, WILDLING SHOES, 3 Kinder (Gummersbach)

Foto: Anna Yona
Foto: Anna Yona
Schuhe, mit denen Kinder immer und überall wie barfuß laufen können – das ist die Idee hinter dem Label „Wildling Shoes“. Laut Gründerin Anna Yona werden 98 Prozent aller Kinder zwar mit gesunden Füßen geboren, aber viele leiden schon nach wenigen Jahren unter ersten Verformungen und Muskelschwächungen. Grund dafür sei vor allem unpassendes Schuhwerk. Deshalb hat Anna zusammen mit ihrem Mann einen Schuh entwickelt, der Kinderfüße nicht einengt und mit dem Kinder ganz natürlich laufen können. Für die Finanzierung ihres Unternehmens setzten die beiden unter anderem auf Crowdfunding-Plattformen. Ihr Ratschlag an alle Gründerinnen: „Nimm dir die Zeit, die es braucht, um deine Geschäftsidee richtig zu durchdenken.“

Annette Albrecht-Wetzel, PIPPA & JEAN, 2 Kinder (Frankfurt am Main)

Annette Albrecht-Wetzel (Foto: Annette Albrecht-Wetzel, Theodossios Theodoridis)
Annette Albrecht-Wetzel (Foto: Annette Albrecht-Wetzel, Theodossios Theodoridis)

Früher jettete Annette Albrecht-Wetzel für Ihren Job bei Unilever um die Welt, reiste nach New York oder Mailand. Doch nach der Geburt ihrer Kinder stellte sie auf einmal fest: Familie und Job lassen sich nicht miteinander vereinbaren. Über gute Kontakte in der Gründerszene wurde schließlich „Pippa&Jean“ aus der Taufe gehoben. Die Marke steht für individuellen Designerschmuck und Accessoires. Ihre eigenen Erfahrungen mit der Selbstständigkeit gibt die Frankfurterin gern weiter: Bei Pippa&Jean können sich auch andere Frauen als Style Coach selbstständig machen. „Ich habe also sozusagen gegründet, um Frauen das Gründen zu erleichtern. Neben mir als Gründerin stehen mehr als 1.400 weitere Frauen, die sich diesen Traum ebenfalls erfüllt haben und heute als Style Coach für Pippa&Jean unterwegs sind.“

Bettina Leisten Rodriguez, KIDS-COMFORT, 2 Kinder (Übach-Palenberg)

Bettina Leisten Rodriguez (Foto: eBay)
Bettina Leisten Rodriguez (Foto: eBay)

Der Schritt in die Online-Welt begann für Bettina Leisten Rodriguez mit dem privaten Verkauf gebrauchter Markenkleidung für Kinder. Heute ist ihr Unternehmen „Kids-Comfort“ der wahrgewordene Traum vom eigenen Business. Das Bemerkenswerte: Kids-Comfort behauptet sich mit 15 Mitarbeitern erfolgreich im umkämpften Markt für Kinderartikel – und das auch weltweit. 2005 startete der Verkauf bei eBay. Mittlerweile gehört auch ein 4.000 m² großes Ladengeschäft sowie ein eigener Online-Shop zum Angebot von Kids-Comfort. Trotz allen Erfolgs gehören für Bettina auch Rückschläge zum Geschäft und vor allem das Durchhaltevermögen zählt. Sie sagt: „Es ist alles Kopfsache. Ich habe mein Ziel nie aus den Augen verloren und Tag für Tag daran gearbeitet. Bis heute.“

Annedore Linder, ANNDORA, 1 Kind (Halle an der Saale)

Annedore Linder (Foto: eBay)
Annedore Linder (Foto: eBay)

„Anndora“ steht für den erfolgreichen Online-Handel mit Artikeln aus den Bereichen Haus, Garten und Freizeit. Als studierte Landwirtin ohne Berufserfahrung und Mutter fiel Annedore Linder der Berufseinstieg schwer. Begonnen hat Ihre Selbstständigkeit Ende der 90er mit dem Verkauf gebrauchter Babykleidung über eBay, heute beschäftigt sie 19 Mitarbeiter. Zum Unternehmen gehören ein 5.000 m² großes Lager für das Sortiment und knapp 400 m² Bürofläche. Annedore Linder betreibt damit heute einen der umsatzstärksten eBay Shops aus Sachsen-Anhalt. Die wichtigsten anndora-Artikel sind große Holz-Sonnenschirme, die in den Außenbereichen von Hotels und Restaurants zum Einsatz kommen. Zukünftig fokussiert die Unternehmerin den Ausbau der Eigenmarken und plant für 2017 sogar eine Kollektion mit Skibekleidung.

Nina Böing, KINDHOCHDREI, 1 Kind (Berlin)

Nina Böing (Foto: Esther Eisenhardt)
Nina Böing (Foto: Esther Eisenhardt)

Mit Kindhochdrei hat Nina Böing einen Shopping Service für Kinderkleidung ins Leben gerufen. Der Clou an dem so genannten Curated Shopping: Nach dem Ausfüllen eines Online-Fragebogens und einem kurzen Telefonat stellt Kindhochdrei drei Outfits für den Nachwuchs zusammen. Ganz entspannt können die Mamas dann zuhause ihre Favoriten aussuchen und was nicht gefällt, wird zurückgeschickt. Das spart Zeit: Die lange Suche in Online-Shops nach Kinderkleidung entfällt. „Ich komme aus einer Unternehmerfamilie, und obwohl ich die damit verbundenen Auf‘s und Ab‘s erlebt habe, stand für mich schon früh fest, dass ich auch mein eigener Chef werden wollte“, erklärt die Inhaberin. Potentiellen Gründerinnen empfiehlt sie, eine Idee erstmal sacken zu lassen und darüber zu recherchieren. Wenn der Glaube unerschütterlich bleibt, sei der richtige Zeitpunkt zum Starten gekommen.