1928 wurde die Fernsehtechnik in Deutschland vorgestellt. 85 Jahre später sollen auf der Funkausstellung Smart-TVs die Konsumenten begeistern.

Vor 85 Jahren, am 31. August 1928, gab das Reichspostzentralamt den Start für das "neue und künftige Telekommunikations-System" Fernsehen frei. Auf der 5."Grossen Deutschen Funkausstellung Berlin" vom 31. August bis 9. September 1928 wurden die ersten Fernseh-Entwicklungen dann gezeigt, meldet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu).

Dem Naturwissenschaftler Manfred von Ardenne gelang Weihnachten 1930 die weltweit erste vollelektronische Fernsehübertragung mit Kathodenstrahlröhre. Im August 1931 führte er auf der 8. "Grossen Deutschen Funkausstellung" in Berlin sein vollelektronisches Fernsehverfahren vor und erschien damit sogar auf dem Titelblatt der amerikanischen Zeitung "New York Times".

Erstes regelmäßiges TV-Programm

Am 22. März 1935 wurde im Berliner Haus des Rundfunks dann das erste regelmäßige öffentliche Fernsehprogramm der Welt eröffnet. Die Mischung aus Live-Programm aus dem Studio und Filmausschnitten konnte die Mehrzahl der Zuschauer damals allerdings nur in den sogenannten Fernsehstuben ausgewählter Postämter verfolgen.

Der Krieg forderte eine Zwangspause, aber bereits 1950 gab es vom Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) aus Hamburg wieder erste Fernsehbilder. Auf der "Fernsehstraße" der Industrieausstellung in Berlin stellten zwölf Firmen 40 unterschiedliche Fernsehgeräte vor. Am 25. Dezember 1952 startete dann das ständige Programm mit einem Fernsehspiel.

Das langsame Ende der Röhre

Danach ging es Schlag auf Schlag: 1954 wurden Kabel-Fernbedienungen eingeführt, 1956 konnte schon eine halbe Million Zuschauer das Programm empfangen, die Halbleitertechnik löste die Röhre als maßgebliches Bauelement ab. 1957 wurde die Millionengrenze der angemeldeten Fernseher in Deutschland überschritten.

1963 wurde das PAL-Farbfernsehen patentiert und das ZDF begann zu senden. Ein Jahr später waren 10 Millionen Geräte angemeldet und auf der 25. Großen Deutschen Funkausstellung startete Willy Brandt 1967 das Zeitalter der bunten Fernsehbilder.

1970 begründete ein Patent zweier Schweizer Physiker die Ära der Flüssigkristall-Bildschirme, die inzwischen die altgediente Bildröhre fast abgelöst haben. Seit 1975 ist eine Fernbedienung für TV-Geräte serienmäßig. 1977 wurde der Videotext von ARD und ZDF eingeführt.

Satellit und digital

Ein zweiter Tonkanal erlaubte ab 1981 die Übertragung von Stereosendungen. Zeitgleich mit dem Kabel-Pilotprojekt starteten 1984 auch die ersten privaten Programme. Zusammen mit den 1985 präsentierten Geräten für den direkten Empfang von Satelliten-Fernsehen waren dies die Voraussetzungen für die heutige Programmvielfalt.

Im November 1990 wurde die Nationale HDTV-Plattform Deutschland gegründet, die heutige Deutsche TV-Plattform – mit dem Ziel, die Einführung des hochauflösenden Fernsehens HDTV in Deutschland zu koordinieren. Dieses Projekt endete zunächst in der analogen Sackgasse.

1993 wurde das europäische DVB-Projekt ("Digital Video Broadcasting") gegründet, um einen technischen Standard für digitales Fernsehen festzulegen; 1996 startete der erste Regelbetrieb in Deutschland. Mittlerweile ist der DVB-Standard mit seinen Spezifikationen für Kabel, Satellit und die terrestrische Übertragung – sowohl für Fernsehen in Standard-Auflösung (SDTV), als auch für das hochauflösende Fernsehen HDTV – weltweit im Einsatz.

Fernseher werden smart

Inzwischen gehört ein Fernsehgerät zum Standard in deutschen Haushalten: In 40 Prozent der Haushalte steht ein TV, weitere 40 Prozent haben zwei Geräte, 13 Prozent besitzen drei und sieben Prozent haben vier oder mehr TV-Geräte, hat die gfu ermittelt. Flache Bildschirmtechnologien haben die Röhre im Wohnzimmer verdrängt, denn acht von zehn Deutschen haben einen flachen Fernseher.

Aktuell erobern Smart-TVs die Wohnzimmer. Die TV-Geräte empfangen nicht nur klassisches Fernsehprogramm, sondern haben auch einen Internetanschluss. In knapp 14 Millionen deutschen Haushalten – also rund jedem dritten – steht inzwischen ein solcher vernetzter Fernseher als hauptsächlich genutztes Gerät, meldet die gfu. Allerdings nutzen viele Konsumenten die Fernseher-Internetkombination noch nicht: 60 Prozent der Smart TV-Geräte sind derzeit nicht an das Internet angeschlossen.

Umsatzeinbrruch im 1. Halbjahr

Doch das soll sich schnell ändern, denn mit den neuen hochauflösenden und vernetzten Geräten will sich die Unterhaltungselektronikbranche von kommender Woche an auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) gegen den aktuellen Umsatzeinbruch bei Fernsehgeräten stemmen. "Die IFA wird die Trendwende einleiten", ist gfu-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Joachim Kamp überzeugt.

Im ersten Halbjahr 2013 hatte die gesamte Unterhaltungselektronik-Branche nämlich ein Minus von drei Prozent verkraften müssen, weil der Fernseher-Markt um ein Viertel einbrach. Dieser Rückgang war stärker als von der gfu erwartet, nachdem 2012 die Fußball-EM und die Abschaltung des analogen Signals für ein starkes erstes Halbjahr gesorgt hatten. Der Branchenverband hofft daher, dass mehr Konsumenten ihre Fernseher mit dem Internet verbinden, um die Möglichkeiten der Vernetzung zu nutzen, und hat eine Kampagne ins Leben gerufen, um das Smart-TV bekannter zu machen. Zudem erhofft sich die Branche von TV-Geräten mit sogenannter Ultra HD-Auflösung für "überwältigende Bildschärfe" Umsatzsteigerungen.

Dreidimensionales Fernsehen spielt unterdessen derzeit nur eine untergeordnete Rolle. "Das ist nichts, was abendfüllend ist", ist Kamp überzeugt. "Keiner sitzt dreieinhalb bis vier Stunden mit einer Brille davor." Die gfu gehe aber davon aus, in diesem Jahr drei Millionen 3D-fähige Fernseher zu verkaufen.

5 Milliarden Euro Umsatz

Kamp erwartet, dass sich der Unterhaltungselektronik-Markt insgesamt dreht und im Gesamtjahr um 1,3 Prozent auf 28,1 Milliarden Euro wächst. Für das Jahr 2013 rechnet der Branchenvertreter mit rund acht Millionen verkauften TV-Geräten. Dies entspricht einem Umsatz von rund fünf Milliarden Euro.

Auf der IFA präsentieren vom 6. bis 11. September 2013 mehr als 1.400 Aussteller technische Neuheiten, darunter auch Hausgeräte. Mehr als 240.000 Besucher werden in den Berliner Messehallen erwartet.