Bei "Lautlos durch Deutschland" ist der Name Programm: Das Start-up-Unternehmen verkauft batteriebetriebene Zweiräder und Autos - mit wachsendem Erfolg.

Mit Vorurteilen kennt sich Beres Seelbach ganz gut aus. Denn voreingenommene Meinungen rund um Elektrofahrzeuge hört er eigentlich jeden Tag: Er brachte die Idee der Elektromobilität von einem Studienaufenthalt in China mit.

"In China ist es verboten, die Luft in den riesigen Städten auch noch durch benzinbetriebene Zweiräder zu verpesten", erläutert Seelbach. "Also dachten wir, dass es doch auch in Deutschland klappen müsste, mobil zu sein und dabei ohne fossile Brennstoffe auszukommen."

Zusammen mit seiner Studienkollegin Manuela Dannenberg und dem Autohändler Sven Strube gründete er deshalb vor rund zwei Jahren die "Lautlos durch Deutschland" GmbH.

Die Jungunternehmer mieteten einen 60 Quadratmeter großen Laden und brachten dort zunächst elektrobetriebene Zweiräder unters Volk. Mit Erfolg und stetig wachsender Aufmerksamkeit: Im März dieses Jahres weihte die frühere Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast einen 300 Quadratmeter großen Showroom mitten in Berlin ein, in dem die Händler nun auch Elektroautos präsentieren.

Konzept E für ganz Deutschland

Darüber hinaus ist das "Konzept E" nicht mehr nur auf die Hauptstadt beschränkt: Elf Partner von Flensburg bis Niederbayern haben sich mittlerweile von der Idee der abgasfreien Mobilität begeistern lassen und sind Franchisenehmer von Lautlos durch Deutschland geworden.

Die Elektrofahrräder werden immer beliebter und auch Elektroroller setzen sich langsam durch. Aber bei den Elektroautos herrscht noch viel Aufklärungsbedarf“, berichtet Seelbach. "Obwohl die Medien viel über die E-Autos berichten sind noch viele Verbraucher verunsichert. Deshalb kann man noch nicht wirklich von einem Markt sprechen."

Verbraucher wissen noch zu wenig

Das liegt auch an dem Halbwissen vieler Verbraucher rund um die batteriebetriebenen Zwei- und Vierräder. "Elektrofahrzeuge sind in der Anschaffung tatsächlich etwa 30 bis 40 Prozent teurer, aber im Unterhalt deutlich günstiger", räumt Seelbach mit einem Missverständnis auf. "Ein Elektroroller verbraucht auf 100 Kilometer beispielsweise nur Strom für etwa 50 Cent."

Auch beim Thema "tanken" wird der Jungunternehmer nicht müde, mit Vorurteilen aufzuräumen: "Für die Akkus genügt eine ganz normale Steckdose, man braucht selbst für ein Elektroauto keine Sondereinrichtung oder einen Starkstromanschluss. Und ein Fahrradakku wiegt nur drei bis vier Kilo, den kann man also problemlos mit in die Wohnung nehmen und dort aufladen", erläutert Seelbach.

Reichweite besser als man denkt

Auch was die Reichweite angeht brauche der Fahrer keine Angst haben, plötzlich irgendwo liegenzubleiben: "Moderne Elektroautos schaffen problemlos 100 Kilometer, und das Stromtankstellennetz in Deutschland wird immer dichter."
 
Für eine Reise durch die Republik muss der Fahrer eines Elektroautos allerdings doch Zeit mitbringen: Das Aufladen dauert auch beim schnellsten Ladegerät mindestens eine Stunde. Das erklärt, weshalb man bei der Stromtankstellensuche im Internet meist auch die Option "Imbiss in der Nähe" anklicken kann.

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 09/2010 des Wirtschaftsmagazins  Der Handel  erschienen - hier geht es zum Probeexemplar.