Auch 2012 gab es Verlierer und Gewinner in der deutschen Wirtschaft. Doch nicht nur aus Handelssicht ist der Absturz von Anton Schlecker außergewöhnlich. Nebenbei ist auch ein Internetstar gestrauchelt.

Noch 2011 war der Jubel um Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kaum zu bremsen, es gab keinen Rückblick, der ihn nicht als Aufsteiger des Jahres sah. Das sieht 2012 ganz anders aus. Die Gewinner und Verlierer des zu Ende gehenden Wirtschaftsjahres:

GEWINNER

MARTIN WINTERKORN (65): Der Volkswagen-Chef kann sich im Erfolg sonnen. Viele Konkurrenten müssen ihre Produktion drosseln - bei der VW-Gruppe legen alle Marken mit Ausnahme von Seat zu. Spätestens 2018 will der promovierte Physiker die Wolfsburger vor General Motors und Toyota an die Weltspitze führen.

THOMAS RABE (47): Noch nicht einmal ein Jahr im Job, landet der Bertelsmann-Chef einen Coup: Der Medienkonzern und das britische Verlagshaus Pearson legen ihre Buchverlage - Random House und Penguin Group - zusammen. Es entsteht der größte Publikumsverlag der Welt.

AXEL HEITMANN (53): Vom ersten Tag an ist er Vorstandschef bei Lanxess, nun hat er das Chemieunternehmen in die erste Börsenliga Dax geführt. Erst 2004 vom Bayer-Konzern abgespalten, gehört Lanxess damit zu den wichtigsten 30 Unternehmen in Deutschland.

ANSHU JAIN (49): Der Investmentbanker galt jahrelang als "Kronprinz" und übernimmt im Juni die Führung der Deutschen Bank. Die Vorbehalte gegen den gebürtigen Inder sind groß, seine Sparte kämpft mit Altlasten. Jain startet eine Charmeoffensive, verordnet der Bank mit Co-Chef Jürgen Fitschen (64) einen "Kulturwandel". Fitschens Jahresende fiel freilich weniger erfreulich aus: Wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Bank aufgenommen.

PETER TERIUM (49): Der neue RWE-Chef beendete den Pro-Atom-Kurs seines Vorgängers Jürgen Großmann und krempelt Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern um. RWE verdient nach dem Atomausstieg wieder besser - bei Konkurrent Eon läuft es noch nicht so gut. Nur die hohe Verschuldung muss der Niederländer noch angehen.

MICHAEL FREGE (53): Der Insolvenzverwalter wird voraussichtlich steinreich, weil er die deutsche Lehman-Tochter abwickelt. Wieviel vom möglichen Rekordhonorar von 800 Millionen Euro bei ihm hängenbleibt, steht noch nicht fest. Auch an der Neckermann-Pleite verdient er.

MARISSA MAYER (37): Als das weibliche Gesicht von Google war Marissa Mayer bekannt, doch die Karriere bei dem Suchmaschinen-Riesen stockte. Dann warb Yahoo sie als Chefin ab. Der geschäftliche Erfolg lässt zwar auf sich warten, doch Mayer hat sich ein dickes Gehaltspaket von bis zu 120 Millionen Dollar gesichert.

VERLIERER

ANTON SCHLECKER (68): Der schwäbische Selfmademan baut aus dem Nichts sein Drogeriemarkt-Imperium auf, führt es mit harter Hand - und steuert es in den Ruin. Als der Familien-Patriarch Macht an seine Kinder abgibt, ist es schon zu spät. Der gelernte Metzger und einstige Milliardär haftet als eingetragener Kaufmann mit seinem gesamten Vermögen. 25.000 Menschen verlieren infolge der Pleite ihre Jobs.  Der Kabarettist Lars Reichow erfand schon mal einen Titel für die Memoiren  des gefallenen Firmenmagnats: "Vom reichen Schlecker zum armen Schlucker".

THOMAS ENDERS (53): Die von ihm angeschobene Mega-Fusion der
Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems platzt. Der EADS-Chef hat den politischen Widerstand vor allem in Deutschland unterschätzt. Der gescheiterte Deal schwächt die Position von "Major Tom", wie Enders gern genannt wird.

PETER LÖSCHER (55): Als Chef von Deutschlands Vorzeigekonzern Siemens muss der Österreicher schwere Fehler eingestehen. Die Kosten laufen aus dem Ruder, die Gewinne sind unter Druck. Das Solargeschäft entpuppt sich als Fehlinvestition. Peinlich: Die geplatzte Auslieferung der ICE-Züge an die Deutsche Bahn.

ULF M. SCHNEIDER (47): Der Konzern-Lenker muss bei Fresenius mit der gescheiterten Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum eine erste Niederlage einstecken. Trost bietet die Erfolgsgeschichte zum 100. Jubiläum des Medizinkonzerns aus Bad Homburg.

KARL-FRIEDRICH STRACKE (56): Der Ingenieur und Automanager räumt den Chefposten beim Autobauer Opel. In 15 Monaten an der Spitze der Adam Opel AG hat Stracke sein Ziel klar verfehlt, den defizitären Autobauer zurück in die Gewinnzone zu führen.

MARK ZUCKERBERG (28): Wohl selten hat ein Börsengang eine derartige Aufmerksamkeit erregt wie bei Facebook. Auf die Euphorie folgt der Kurseinbruch. Gründer, Chef und Hauptaktionär Mark Zuckerberg stürzt in der "Forbes"-Rangliste der reichsten Amerikaner von Rang 14 auf 36 ab. Sein Vermögen schmilzt von 17,5 auf 9,4 Milliarden Dollar.

BOB DIAMOND (61): Der Libor-Skandal um die britische Großbank Barclays kostet den US-Amerikaner in London den Job. Die von ihm geführte Bank hatte über Jahre gefälschte Zinssätze gemeldet. Diamond, einst einer der mächtigsten Banker der Welt, wurde zu einer Symbolfigur für unsaubere Geschäfte in der Londoner City.