Der Headhunter Dirk Friederich sucht seit 15 Jahren Führungskräfte für Handelsbetriebe. Im Interview sagt er, der Kampf um Talente sei in der Branche mittlerweile deutlich spürbar.

Wie erleben Sie den Wettbewerb um Mitarbeiter?
Die Abwerbeversuche nehmen zu, und die Firmen haben dabei immer mehr Erfolg.

Die Einzelhändler werben sich untereinander Führungskräfte ab?
Ja, aber nicht nur. Meine Auftraggeber bitten ausdrücklich darum, dass ich mich auch in der Industrie nach Personal umschaue.

Sind Sie dabei erfolgreich?
Durchaus. Weil ich viele gute Leute davon überzeugen kann, dass eine Führungsaufgabe im Handel komplexer ist als in der Industrie.

Aber in der Industrie wird meist besser bezahlt, oder nicht?
Ab dem mittleren oder oberen Management ist Geld nicht mehr das wichtigste Argument. Erstens zahlt der Handel auch sehr gut, und zweitens wollen gute Leute vor allem eine berufliche Herausforderung. Sie wollen Verantwortung übernehmen und etwas auf den Weg bringen. Kann das alles ein Handelsunternehmen bieten, wird es selten Probleme haben, erstklassige Leute zu finden.

Welcher Typ Führungskraft wird heute im Handel gesucht?
Es gibt eine Renaissance der zupackenden Manager. Ein großer Lebensmittelfilialist zum Beispiel hatte vor vielen Jahren noch auf die typischen Weiße-Kragen-Manager gesetzt - gut geschulte Leute von Beratungsunternehmen wie McKinsey. Diese Typen wurden längst von Machern abgelöst. Von einem anderen Auftraggeber bekomme ich gesagt, dass man Leute brauche, die mitdenken - besser noch vorausdenken können.

Wie beeinflusst der Bereich E-Commerce Ihre Arbeit?
Hier gibt es ein regelrechtes Gezerre um Fachkräfte. Ein Profi im Onlinehandel kann sich heute die Jobs aussuchen. Große Chancen haben auch die Leute, die mittelständische Betriebe davon überzeugen können, sich in den sozialen Netzen zu engagieren.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob sich jemand für den Job eignet, für den Sie eine neue Kraft suchen?
Ich merke nach drei Minuten, ob jemand für die Aufgabe geeignet ist. Er muss für den neuen Job regelrecht brennen, ich will das Weiße in seinen Augen sehen. Wenn er aber wissen will, ob es dort auch Essensmarken für die Kantine gibt, dann breche ich das Gespräch schnell ab.

Zur Person
Dirk Friederich ist Managing Partner und Einzelhandelsexperte bei der Bad Homburger Personalberatung Boyden International. In einer Wahl des TV-Senders "Bloomberg" sowie dem Magazin "Business Week" schaffte es Friederich unter die besten 100 Headhunter der Welt.

Interview: Steffen Gerth

Dieses Interview ist in der Juni-Ausgabe von Der Handel erschienen.
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