Alain Visser, Vizepräsident von General Motors Europe, fordert im Gespräch mit derhandel.de eine Fortsetzung der staatlichen Förderung für die Automobilindustrie.

So viel  Eintracht zwischen Politik und Wirtschaft war selten: "Wir danken der Bundesregierung ausdrücklich für die Einführung der Umweltprämie. Sie wurde außergewöhnlich rasch und unbürokratisch umgesetzt und zeigt im Markt ihre Wirkung", lobt Alain Visser, für Opel zuständiger Vizepräsident von General Motors Europe.

Für die noch vor wenigen Wochen als Bittsteller ins Sachen Staatsbürgschaft nach Berlin gereisten Rüsselsheimer ist die sogenannte "Abwrackprämie" schon wenige Tage nach Inkrafttreten am 14. Januar 2009 ein voller Erfolg. Die Verkäufe an Privatpersonen seien im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 50 Prozent gestiegen.

Nachfrageboom, Kurzarbeit wird zurückgefahren

Besonders die Nachfrage nach den Kleinwagen Agila (plus 100 Prozent) und Corsa (plus 70 Prozent) legte dermaßen zu, dass die angekündigte Kurzarbeit in den Werken Eisenach und Saragossa bereits zurückgefahren wurde. "Die Bestellungen aus Deutschland werden derzeit vorgezogen", verdeutlicht Visser und fügt an: "Die Abwrackprämie hat einen regelrechten Boom ausgelöst. Unsere Händler berichten von einem Besucheransturm in den Showrooms wie schon seit Jahren nicht mehr."

1,5 Milliarden Euro hat die Bundesregierung als Fördermaßnahme zur Verfügung gestellt. Bei 2.500 Euro für den Erwerb eines höchstens ein Jahre alten Fahrzeugs von einem Händler oder Hersteller bei gleichzeitiger Verschrottung eines mindestens neun Jahre alten Wagens reicht das Geld, nach Abzug der Verwaltungskosten, rechnerisch für knapp 600.000 private Antragsteller.

Opel-Manager will Verlängerung der Umweltprämie erreichen

Wie viele Autos letztlich bis zum Ablauf der Frist am 31. Dezember 2009 geordert werden, vermag auch Visser nicht zu prognostizieren, doch für den Opel-Manager steht im Gespräch mit derhandel.de schon jetzt fest: "Wir werden eine Initiative zur Verlängerung der Umweltprämie starten!"

Visser ist damit der erste Vertreter der Automobil-Industrie, der sich aus der Deckung wagt und die Fortsetzung reklamiert. Weitere Amtskollegen dürften folgen, sodass der mächtige Verband der Automobil-Industrie (VDA) sicher schon bald in der Bundeshauptstadt vorsprechen wird. Schließlich droht den Herstellern nach dem Auslaufen der Förderung im Jahr 2010 wieder die Flaute - sollte die Konjunktur nicht nachhaltig anspringen. Die Politik dürfte dem Ansinnen der Automobilisten gar nicht so abgeneigt gegenüber stehen. Dem Bundesfinanzminister bringt jeder zusätzlich verkaufte Pkw schließlich eine ordentliche Stange Mehrwertsteuer ein.

Im ersten Schritt will Visser zunächst erreichen, dass die Prämie bereits gewährt wird, wenn der Kaufvertrag unterschrieben ist. Derzeit kann der Antrag erst gestellt werden, wenn das neue Fahrzeug auch tatsächlich zugelassen ist. Da einige Modelle aber längere Lieferfristen haben, sind viele Kunden verunsichert, ob sie bei Auslieferung ihres neuen Autos tatsächlich noch in den Genuss der staatlichen Unterstützung kommen.

Abwrackprämie als Exportschlager

Trotz der Nachfragebelebung im Kleinwagen-Segment und der guten Resonanz auf Opels neues Mittelklasse-Modell Insignia, für das seit dem Marktstart im November vergangenen Jahres rund 60.000 Bestellungen eingingen, dämpft Alain Visser die Euphorie: "Die Abwrackprämie in Deutschland hilft, aber sie ist ganz eindeutig nicht die Rettung aus der globalen Krise. In zahlreichen europäischen Ländern brechen die Märkte dramatisch ein. Dort streben wir mit unserer Lobbyarbeit eine ähnliche Lösung wie in Deutschland an."

Bernd Nusser