Dank der Abwrackprämie ist der Autoabsatz im vergangenen Jahr stark gestiegen. Doch für die Preise war der Bonus verheerend, klagt der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer.

Die Abwrackprämie hat dem Kraftfahrzeuggewerbe einen Schub geben. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz deutlich um 3,7 Prozent auf 134,4 Milliarden Euro, teilte der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) am Montag in Düsseldorf mit. Das gehe zum großen Teil auf den Neuwagenhandel mit Autos und Kombis zurück, bei dem ein Umsatzanstieg von 11,5 Prozent auf fast 60 Milliarden Euro erzielt wurde.

Auch die Rendite im Kfz-Gewerbe hat sich den Verbandsangaben zufolge verbessert - auf einen Durchschnittswert von über ein Prozent vor Steuern. 2008 sei der Durchschnittswert erstmals seit langer Zeit leicht im roten Bereich gewesen.


Die Zahl der Kfz-Meisterbetriebe ging allerdings 2009 trotz Abwrackprämie um rund 800 beziehungsweise 2 Prozent auf 38.300 zurück. Gleichzeitig nahm die Zahl der Mitarbeiter um knapp 6000 beziehungsweise 1,3 Prozent auf insgesamt 456.000 Männer und Frauen ab. "Der Trend zu weniger, aber größeren Unternehmen mit mehreren Betriebsstätten wird sich fortsetzen", sagte ZDK-Präsident Robert Rademacher. Heute habe ein Unternehmen im Schnitt zwei Betriebsstätten. In zehn Jahren werde der Durchschnittswert bei voraussichtlich 3,5 bis 4 Betriebsstätten pro Unternehmen liegen.

Die fetten Jahre sind vorbei

Das Kfz-Gewerbe müsse sich in Deutschland auf absehbare Zeit an einen Normalmarkt von etwa drei Millionen Pkw-Neuzulassungen pro Jahr und etwa 6 Millionen Pkw-Gebrauchtwagen-Käufe pro Jahr gewöhnen, sagte Rademacher. Dabei geht er von 5 bis 10 Prozent Schwankung nach oben und unten aus.

Bei neuen Nutzfahrzeugen sei bislang noch keine Marktbelebung erkennbar. 2009 war der Umsatz des Kfz-Gewerbes mit neuen Lastern stark um fast 40 Prozent auf knapp 4,4 Milliarden Euro eingebrochen. Dagegen legte 2009 der Lkw-Gebrauchtwagenhandel um 2,6 Prozent auf gut 3,3 Milliarden Euro Umsatz zu und war damit robust.

"Höhepunkt bei Preisnachlässen noch nicht erreicht"

Für Professor Ferdinand Dudenhöffer ist der deutsche Automarkt trotz oder gerade wegen dieser Zahlen in einer schlechten Verfassung. "Die Abwrackprämie hat die Preisstrukturen im Markt nachhaltig geschädigt", hat der Automobilexperte von der Universität  Duisburg-Essen festgestellt. 

Nach seiner Erkenntnis wird sich der Trend der höheren Preisnachlässe fortsetzen. "Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht", sagt Dudenhöffer vorher. "Dabei werden durch Leasingangebote mit bis zu 40 Prozent Preisvorteil bereits Wechsel auf die Zukunft gezogen." Mit diesen Rabattschlachten reagieren die Hersteller offensichtlich auf die sinkenden Verkaufszahlen. Schon im Januar brach der Absatz neuer Autos ein.

Fast 41 Prozent Rabatt

In seiner Preisstudie für Februar hat Dudenhöffer ermittelt, dass es im vergangenen Monat nur noch 248 Preisaktionen der Autohersteller (wie Sondermodelle, Sonderzinsen oder Eintauschprämien) gegeben hat - das sind 20 weniger als im Januar. Allerdings sind hier nur die Aktionen mit niedrigen Angeboten reduziert.

Die Zahl der Angebote mit großen Preisvorteilen steigt hingegen leicht an. So gab es im Februar beispielsweise 56 offene, also bundesweite, Aktionen mit Nachlässen zwischen 15 und 20 Prozent. Das ist eine Aktion mehr als im Januar. "In der Spitze lag der Preisvorteil bei 40,7 Prozent", schreibt Dudenhöffer. Hierbei handelt sich um eine Offerte von Peugeot.

Der französische Autobauer sei mittlerweile der rabattfreudigste Importeur, hat der Wissenschaftler festgestellt.  Schuld daran sei der neue Vertriebschef Jean-Marc Gales, der schon früher bei Opel stark auf Preisaktionen gesetzt habe.

Deutsche Hersteller sind weniger gr0ßzügig

Ausländische Hersteller sind generell rabattfreudiger als deutsche, hat der Autoexperte festgestellt. So hat es im Februar bei 20 offenen Preisaktionen einen durchschnittlichen Nachlass von 20 Prozent gegenüber den jeweiligen Listenpreisen gegeben. Rechnet man Ford zu den deutschen Autos, dann sind die 19,8 Prozent Nachlass für das Modell "Focus" im Februar der höchste Rabatt eines inländischen Autobauers.

Ansonsten halten sich die deutschen Autobauer laut Dudenhöffers Studie mit Preisnachlässen vergleichsweise zurück. Bei Volkswagen, das in diesem Jahr fünf neue Modelle vorstellen wird, gibt es in der Spitze 14,5 Prozent Nachlass bei einem Modell Fox für ein "All-Inclusive"-Angebot aus Finanzierung, Wartung und Garantie. Opel gewährt nur 13 Prozent für das Corsa-Sondermodell "111 Jahre Opel".

Steffen Gerth mit Material von dpa