Bonuszahlungen für mehr Platz im Stall: Bauern sollen sich besseren Tierschutz künftig honorieren lassen können. Supermarktketten wollen dafür einen Millionen-Fonds füllen. Naturschützern reicht das nicht.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat geplante Bonuszahlungen des Handels für bessere Haltungsbedingungen von Schweinen und Geflügel begrüßt. "Der Erfolg der Initiative wird davon abhängen, wie die Kriterien für mehr Tierschutz konkret aussehen werden und wie viele Landwirte sich beteiligen", sagte Schmidt der Nachrichtenagentur dpa. Die Ernährungsbranche und große Einzelhandelsketten wollen Anfang 2015 ein neues Anreizsystem starten. Freiwillig teilnehmende Bauern sollen für zusätzliche Tierwohlleistungen - etwa mehr Platz im Stall - Zahlungen aus einem Fonds erhalten, den der Handel mit bis zu 195 Millionen Euro speist.

Beteiligt sind nach Angaben des Bauernverbands und des Prüfsystems QS als Koordinator die großen Supermarktketten, die für 90 Prozent des Marktes stehen. Eine Sprecherin des Discounters Lidl sagte der dpa, Ziel seien bessere Bedingungen in der konventionellen Tierhaltung über gesetzliche Vorgaben hinaus. Aldi Süd erklärte, dem Tierwohl diene ein ernsthaftes Bemühen von Tierhaltern, Lieferanten und Handel, gemeinsam Kriterien festzulegen und überwachbar zu machen.

Aldi Nord betonte, dass die Zahlungen unabhängig vom jeweiligen Marktpreis für Fleisch seien. Ein Edeka-Sprecher hob hervor, dass das Thema Tierwohl in der gesamten Prozesskette verankert werden solle. Die Metro-Gruppe erklärte, für fairen Wettbewerb und ein nachhaltig funktionierendes System sei wichtig, dass alle Handelsunternehmen, die Industrie und Lieferanten die Finanzierung gemeinsam schulterten.

Tierschützern geht die Initiative nicht weit genug

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte die Initiative als unzureichend und mahnte eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für die Haltungsart an. Dies gäbe tiergerecht wirtschaftenden Bauern auch einen fairen Marktzugang, weil Verbraucher diese Leistungen auf dem Fleischprodukt direkt erkennen könnten.

Minister Schmidt sagte: "Verbraucher, die sich mehr Tierschutz oder regionale Herkunft wünschen, sind immer öfter auch bereit, hierfür mehr Geld auszugeben." Er begrüße, dass es Wahlmöglichkeiten gebe, so dass Verbraucher bewusste Kaufentscheidungen treffen könnten.

In Supermärkten gibt es auch weitere Initiativen für mehr Tierschutz, etwa ein Siegel des Tierschutzbunds für Hühner- und Schweinefleisch. Bewertet werden dafür etwa Haltungsbedingungen wie der Platz für ein Masthuhn oder Mastschwein, Transportzeiten sowie Betäubungsmethoden