Tue Gutes und rede darüber. So hält es auch Aldi Nord. Der Discounter hat sein Filialnetz kräftig renoviert, und das zahlt sich aus. Die Flächenproduktivität ist deutlich gestiegen.

Bilanzzahlen von Aldi gehörten bisher zu den Geheimnissen der deutschen Wirtschaft. Doch in der Discounter-Branche scheint das Ende der Verschwiegenheit angebrochen. Erneuerung steht an.

Nicht nur, dass die Billigheimer immer mehr Marken listen, neuerdings werden auch die Läden derart modernisiert, dass die spröde Sachlichkeit von einst bald Vergangenheit ist. In Offenau nahe Heilbronn lässt sich etwa ablesen, wie Lidl-Märkte künftig aussehen können - hohe Decken und Wände, mehr Licht, mehr Platz, alles schicker.

Und jetzt das: Aldi Nord veröffentlicht erstmals Zahlen. Das ist ein historisches Ereignis, was auch dafür stehen kann, dass Discounter nicht mehr wie Geheimbünde agieren können, um im Wettbewerb mit den starken Supermärkten von Rewe und Edeka zu bestehen. Im laufenden Jahr habe sich der Umsatz im Gesamtunternehmen im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent verbessert, sagte Kay Rüschoff, Geschäftsführer Marketing und Kommunikation von Aldi Nord, dem "Handelsblatt". Ein Grund für die Wende sei der Umbau der Märkte. "Seit dem Jahr 2012 haben wir alle Filialen in unserem Netz modernisiert", sagte Rüschoff.

Mehr Filialen, aber weniger Umsatz als Aldi Süd

Der Nettoumsatz von Aldi Nord in Deutschland in diesem Jahr dürfte damit laut Bericht von 12,3 auf fast 12,7 Milliarden Euro steigen. Im vergangenen Jahr war Aldi Nord im deutschen Markt nur um 1,7 Prozent gewachsen. Lidl hatte im zurückliegenden Geschäftsjahr, das im Februar endete, ein Umsatzplus von 9,5 Prozent auf 64,6 Milliarden Euro erzielt. Das Ergebnis war sogar noch stärker angestiegen, wie Vorstandschef Sven Seidel vor einiger Zeit mitteilte. 

Aldi Nord ist wirtschaftlich komplett getrennt von Aldi Süd, hinkt aber bei der Flächenproduktivität der Schwester deutlich hinterher. Daher musste gehandelt werden. 2.339 Filialen hat Aldi Nord (inklusive Ostdeutschland), und jede, die modernisiert wurde, schafft nun laut Manager Rüschoff 437.000 Euro Umatz im Monat - ein Anstieg um 19 Prozent. In der Summe erzielen sämtliche Läden im Schnitt 5,2 Millionen Euro Umsatz. Im Vergleich: Der Umsatz in der deutlich kaufkräftigeren Region von Aldi Süd wird auf etwa 7,5 Millionen Euro geschätzt - bei 1.858 Filialen.

Testen, was Kunden wollen

Aldi Nord hat im vorigen Jahr 50 Märkte geschlossen, die sich nicht mehr gerechnet hatten, zehn neue wurden eröffnet. 2017 will das Unternehmen in Essen mit dem Bau einer neuen Zentrale beginnen. Und es wird ausprobiert, was Kunden heutzutage von einem Discounter wollen. "Wenn sich Innovationen bei Tests in einzelnen Märkten oder Regionen bewähren, dann werden sie direkt und schnell im ganzen Filialnetz eingeführt", erklärt Marketingchef Rüschoff im "Handelsblatt". Die Flächengröße der neuen Läden soll künftig bei 1.000 bis 1.200 Quadratmeter liegen.

Auch beim Sortiment ordnet sich Aldi Nord neu, Markenartikel werden in überschaubaren Mengen gelistet. Eigenmarken bleibe aber das Kerngeschäft des Unternehmens, betonte Rüschoff. Immerhin sind jedoch rund 7 Prozent der insgesamt 1.200 Artikel Markenartikel.

Im deutschen Lebensmittelhandel tobt ein harter Preiskampf. Nach Angaben von Konsumforschern hatten Supermärkte 2015 ihren Marktanteil spürbar vergrößert - zulasten der Discounter. Bei den Discountern führt in einer "Handelsblatt"-Statistik Lidl mit 26,6 Prozent Marktanteil die Branche an, Aldi Süd hat 21,2 Prozent, Netto 18,1 Prozent - Aldi Nord kommt auf Rang vier mit 16,1 Prozent Anteil.