Aldi ist nach wie vor auf Platz eins, wenn es um den Markenwert von deutschen Handelsunternehmen geht. Doch die Beratungsfirma Interbrand bemängelt, dass der Discounter das Internet ignoriert.

Aldi musste zwar Federn lassen, ist aber in der Wertung der Markenberatung Interbrand nach wie vor die wertvollste Händlermarke in Deutschland: Den Markenwert des Discounters taxieren die Berater in der aktuellen Studie "Best Retail Brands 2012" auf umgerechnet rund 2,38 Milliarden Euro – das sind 11 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Als Grund für die schlechtere Einschätzung geben die Berater vor allem die fehlenden Onlineaktivitäten bei Aldi an.

Auf Platz zwei kommt in Edeka mit einem Markenwert von umgerechnet 1,08 Milliarden Euro. Der Lebensmittelhändler konnte im Vergleich zur vorigen Studie um 8 Prozent zulegen, weil die Berater die Markenkampagne und die begleitenden Maßnahmen zur Stärkung des Händlers als Lebensmittelexperten honorieren.

Lidl legt zu

Lidl folgt mit knapp 1,07 Milliarden Euro auf Platz 3 – und konnte in dem diesjährigen Ranking um satte 20 Prozent zulegen. Als Grund gibt Interbrand an, dass Lidl dem Konkurrenten Aldi in vielerlei Hinsicht auf den Fersen ist und beispielsweise bei der Kundenzufriedenheit in Führung liegt. Außerdem loben die Berater das Online-Engagement des Discounters.

Media Markt hat einen geschätzten Markenwert von 1,01 Milliarden Euro und stagniert damit auf Platz vier. Als positive Merkmale verbucht Interbrand die internationale Expansion im Jahr 2011 und die Pläne für den inzwischen gestarteten Onlineshop.

Kaufland auf Platz fünf

Auf Platz fünf landet Kaufland mit einem geschätzten Markenwert von umgerechnet 407 Millionen Euro und einem leichten Plus von 3 Prozent im Vergleich zur Vorjahresstudie. Eigentlich machen die Händler vieles richtig, aber nach Meinung der Berater sollten sie das auch besser in der Öffentlichkeit kommunizieren: Zwischen den Leistungen des Händlers und der Wahrnehmung der Marke klaffe noch eine große Lücke.

Um 12 Prozent ging der Markenwert unterdessen für Rewe hinauf: Mit 332 Millionen Euro liegt die Handelsgruppe auf Platz sechs. Neben dem City-Konzept "Rewe to go" und dem Lieferdienst beispielsweise in Frankfurt loben die Berater unter anderem auch das Engagement als Sponsor beim Fußball-Bundesligaclub 1. FC Köln und der Nationalmannschaft der Frauen.

dm Drogeriemarkt vor Schlecker

Platz sieben belegt dm. Der Drogeriemarktbetreiber legte um 14 Prozent zu und hat nach Meinung von Interbrand einen Markenwert von rund 309 Millionen Euro. Neben der Kundenzufriedenheit, bei der dm gut abschneidet, loben die Berater unter anderem  ausdrücklich den Auftritt des Händlers in dem Sozialen Netzwerk Facebook.

Mit 242 Millionen Euro rangiert der inzwischen insolvente Drogeriemarkt Schlecker auf Platz acht. Als Gründe für das Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahresranking nennen die Berater unter anderem das schlechte Image als Arbeitgeber, das im Vergleich zu den Konkurrenten schlechtere Einkaufserlebnis und die sich im Studienzeitraum abzeichnenden Zahlungsschwierigkeiten. Zudem bemängelt Interbrand die Kommunikationspolitik des Drogeriemarktbetreibers.

Obi und Netto

Auf Platz neun landet der Baumarktbetreiber Obi mit einem geschätzten Markenwert von umgerechnet rund 210 Millionen Euro. Das ist ein Prozent weniger als in der Wertung ein Jahr zuvor. Vor allem die Markenkampagne und der daraus folgende Bekanntheitsgrad von 97 Prozent der deutschen Bevölkerung imponiert den Beratern.

Netto Marken-Discount liegt mit einem Minus von 9 Prozent und einem Markenwert von knapp 209 Millionen Euro auf Platz zehn. Während sich 2010 die Integration der Plus-Märkte, die Netto von Tengelmann gekauft hatte, positiv auswirkte, konnte der Discounter 2011 nach Meinung von Interbrand keinen solchen Erfolg vorweisen.

Die Berater nennen als positive Eigenschaften, dass Netto versucht, sein Image insgesamt und als Arbeitgeber aufzupolieren sowie die ersten Schritte in Sozialen Medien. Doch ob die Bemühungen Erfolg haben, werde erst die Zeit weisen.