Das, wofür Discounter wie Aldi früher standen, gilt immer weniger. Die einst schmucklosen Billigheimer setzen heute auf Einkaufsatmosphäre - und investieren sogar in Themen wie Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. 

Deutschlands Discount-Marktführer Aldi will nicht mehr nur mit günstigen Preisen, sondern auch mit seinem Engagement für Nachhaltigkeit und Umweltschutz punkten. Aldi Nord und Aldi Süd veröffentlichten an diesem Donnerstag zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte jeweils einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht. Darin stellen die Unternehmen ihre Bemühungen etwa um die Rückverfolgbarkeit von Nahrungsmitteln, um soziale und ökologische Standards in der Lieferkette, um Tierschutz oder Energieeffizienz vor.

So baut Aldi Nord zurzeit ein eigenes Team in Asien auf, um die sozialen Standards der Lieferanten im Fernen Osten zu überprüfen. "Wir wollen als Unternehmen wahrgenommen werden, das Verantwortung übernimmt", betonte der für das Thema verantwortliche Aldi-Nord-Geschäftsführer Rayk Mende.

Soziale Standards und weniger Schadstoffe

Zum Nachhaltigkeitsprogramm gehören bei Aldi Nord neben dem Angebot von Bio-Lebensmitteln auch Themen wie Bienenschutz, Lebensmittelspenden und Arbeits- und Sozialstandards bei der Produktion von Lebensmitteln.

Aldi Süd wiederum unterstützt mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung unterstützt die Detox-Kampagne, der Umweltschutzorganisation Greenpeace, um die Produktion von Schuhen und Bekleidung schadstoffärmer zu gestalten. Bis zum Jahr 2020 soll auf bestimmte Chemikalien in der Textil- und Schuhproduktion verzichtet werden.

Wettbewerb der Discounter

Allerdings ist Aldi nicht der erste Lebensmittelhändler, der die Öffentlichkeit regelmäßig über seine Bemühungen um nachhaltiges Wirtschaften informiert. Der Kölner Handelskonzern Rewe etwa veröffentlicht schon seit Jahren regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte. Auch Edeka und der Discounter Lidl informieren im Internet über ihre Bemühungen in diesem Bereich.

Bei Aldi und Lidl ist allerdings ein Strukturwandel zu erkennen. Beide liefern sich einen regelrechten Wettbewerb in der Neuausrichtung ihrer Märkte - die reine Discounterlehre wird immer mehr aufgeweicht. So führen beide Unternehmen immer mehr Marken, beide investieren zudem in die Neugestaltung ihrer Filialen. Bei Lidl ist ein verändertes Denken in der Öffentlichkeitsarbeit zu erkennen. Seit gut drei Jahren gibt es beim Discounter aus Neckarsulm eine eigene Abteilung dafür. Zum neuen Selbstverständis des Unternehmens gehört auch das Engagement bei der Musik-Großveranstaltung "Rock am Ring", wo Lidl seit 2015 eine eigene Filiale auf dem Festivalgelände betreibt, um sich einer jungen Zielgruppe zu präsentieren.