Nach den Azubi-Misshandlungsvorwürfen in Mahlberg hat Aldi Süd einen Ombudsmann eingeführt. Außerdem setzt der Discounter auf eine neue Führungsriege.

Der Discounter Aldi Süd zieht nach den Übergriffen auf Auszubildene Konsequenzen und bestellt erstmals einen Vertrauensanwalt für die Mitarbeiter. Dies schreibt die "Lebensmittel Zeitung" (LZ) in ihrer aktuellen Ausgabe. Diesen Ombudsmann können die Beschäftigten des Handelsunternehmens einschalten, wenn es Probleme gibt. Er biete "einen rechtlich geschützten Raum", erklärte die Aldi-Süd-Pressestelle auf Anfrage der "Lebensmittel Zeitung".

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" bereichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass der Ombudsmann seine Arbeit Anfang Oktober im Zentrallager im baden-württembergischen Mahlberg aufgenommen hat. Für die Angestellten könne es sinnvoll sein, "bei vermuteten Verstößen gegen Arbeitssicherheitsrichtlinien, bei Fehlverhalten von Vorgesetzten, Mobbing, Diebstahl oder Unterschlagung mit dem Vertrauensanwalt Kontakt aufzunehmen", zitiert das Magazin Aldi Süd.

Betriebsräte gebe es nicht. Der Vertrauensanwalt biete als neutrale Kontaktstelle einen "rechtlich geschützten Raum." Dem "Spiegel" zufolge bestreitet Aldi allerdings einen Zusammenhang zwischen dem Ombudsmann und den Vorkommnissen in Mahlberg.

Neue Führungskräfte sollen es richten

Aldi setzt laut "Lebensmittel Zeitung" im Zuge des Konflikts zudem auf neue Führungskräfte: Als Geschäftsführer leitet Wolfgang Frisch (35, bisher Prokurist in der Region Rheinberg) die betroffene baden-württembergische Gesellschaft Mahlberg, als neuer Logistikchef wurde nach LZ-Informationen Uwe Hans Egenberger (44, bisher Region Adelsdorf) nach Mahlberg versetzt.

Er ersetzt demnach Ludger Köhler, 51, der Aldi infolge des Skandals verlassen musste. Neben Köhler mussten der Bereichsleiter Logistik und zwei Stellvertreter gehen. Aldi wollte die Personalien auf Anfrage der LZ nicht bestätigen.

"Lange ein Führungsproblem in Mahlberg"

"Wie zu hören ist, gab es in Mahlberg lange ein Führungsproblem, weil der dortige Geschäftsführer – der inzwischen verstorbene Martin Bröker - krankheitsbedingt über mehrere Jahre ausgefallen war", schreibt die Zeitung, die wie Der Handel im Deutschen Fachverlag erscheint. Währenddessen habe der Geschäftsführer der Region Rastatt, Christof Hake, 45, zusätzlich die Geschäfte im 80 Kilometer entfernten Mahlberg übernommen.

In diese Zeit fielen demnach auch die Übergriffe auf Azubis. Selbst nach dem Tod Brökers im März dieses Jahres hatte Hake laut LZ neben Rastatt (Umsatz 2011: 513 Millionen Euro), fünf weitere Monate auch Mahlberg (Umsatz 2011: 406 Millionen Euro) zu leiten. Erst im August wurde Frisch als neuer Chef in Mahlberg bestellt.

Übergriffe bereits im Frühsommer 2012

Frisch war nur wenige Wochen im Amt, als der "Spiegel" berichtete, dass missliebige Azubis von Vorgesetzten im Mahlberger Lager mit Folie gefesselt und im Gesicht mit Filzstiften beschmiert wurden. Von den Übergriffen gibt es Videos. Aldi Süd bestätigte die Vorwürfe und gab dabei Hinweise, dass es mehrere Übergriffe gegeben haben könnte: Aldi schrieb, man bedauere "diesen Vorfall ... der sich nach unseren Recherchen zum Jahreswechsel 2012/2013 zugetragen hat."

Der im "Spiegel" dargestellte Fall trug sich aber im Frühsommer 2012 zu. Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung. "Die Ermittlungen dauern an", heißt es bei der Staatsanwaltschaft.