Schade, dass der milliardenschwere Börsengang von Alibaba jetzt doch noch auf sich warten lässt. Der chinesische E-Commerce-Riese will offenbar noch mehr Zeit bekommen, um auf eine 8 Milliarden Euro schwere Kreditlinie zugreifen zu können. Dies soll bis Ende 2014 dauern, wie das Wirtschaftsblatt berichtet.  Dabei hätte doch ein IPO dafür gesorgt, dass man deutlich mehr über den Konzern erfahren hätte, der in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist und sich ständig durch Akquisitionen verstärkt.

So wurde erst Anfang dieser Woche bekannt, dass Alibaba rund 360 Millionen Dollar in ein Logistikunternehmen stecken will, das gemeinsam mit Haier betrieben wird, dem Weltmarktführer für Haushaltsgeräte. Mit dem Joint Venture Goodaymarkt bekommt Alibaba laut Onlinehändler News Zugriff auf eine Infrastruktur, über die Haushaltsgeräte auch in die ländlichen Gebiete geliefert werden können. Goodaymart verfügt über 2800 Vertriebsstandorte und über 17.000 Servicefilialen. Auf dieses Netzwerk haben künftig auch die auf den Marktplätzen von Alibaba vertretenen Händler Zugriff.

Noch ist Alibaba mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 4,1 Milliarden Dollar ein vergleichweise kleiner Konkurrent von Amazon (61 Milliarden Dollar) oder Ebay (14 Milliarden Dollar). Aber der Warenwert, der auf Alibaba-Plattformen gehandelt wird, ist mit 171,2 Milliarden Dollar bereits fast dreimal so hoch wie bei Ebay, analysiert die Wirtschaftwoche: "Wächst Chinas E-Commerce-Markt weiter wie bisher, dürfte das Volumen 2020 größer sein als das der USA, Japans, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands zusammen." Zurzeit wächst der chinesische Markt um rund 120 Prozent pro Jahr. Chairman und Gründer Jack Ma, der immer noch 7,4 Prozent der Anteile hält, gibt sich selbstbewusst und hat die Devise ausgegeben, dass Alibaba bereits 2015 Walmart als größten Händler der Welt überholt haben wird. 

Schon seit dem vergangenen Jahr beobachten die internationalen E-Commerce-Riesen und natürlich etailment das Wachstum von Alibaba mit Erstaunen. Denn der Gigant schafft es, sehr viele Ebenen des digitalen Lebens in China zu besetzen: Er betreibt nicht nur Handelsplattformen, sondern mit Aliyan ein eigenes Betriebssystem für mobile Endgeräte an, ist am chinesischen Twitter-Pendant beteiligt, besitzt Online-Dienstleister, die den Händern beim Marketing helfen, und hat mit Alipay ein Bezahlsystem wie PayPal im Programm. Bislang versucht Alibaba in erster Linie, sich den vielversprechenden chinesischen Markt zu sichern. Von dort aus dürfte dann aber die internationale Expansion zunächst in die asiatischen Nachbarländer folgen. Das dürfte nicht zuletzt Yahoo freuen, das eine Milliarde Dollar in Alibaba investiert hat und ein Viertel der Anteile hält. "Für Yahoo wird Alibaba zum Rettungsring", spöttelte die Wirtschaftswoche. Der Wert der Aktien, der auf 24 Milliarden Dollar geschätzt wird, stützt den Wert der Yahoo-Aktien.

Bunte Welt: Taobao.com
Bunte Welt: Taobao.com


Hier nochmal die wichtigsten Säulen der Alibaba-Welt im Überblick:

Taobao

Das chinesische Pendant zu Ebay startete 2003 und wurde erfolgreich, weil Käufer hier im Gegensatz zu Ebay die Ware erst bezahlen müssen, wenn sie sie auch erhalten haben.

Tmall.com
Auf dieser Plattform sind rund 70.000 chinesische und internationale Markenartikler und Onlinehändler mit eigenen Shops vertreten.

Alibaba.com
B2B-Plattform für den internationalen Handel. Auch in Deutschland nutzbar, aber stiefmütterlich betreut. Text aus dem Übersetzungscomputer ("Frau Rock" statt "Damenrock")

Alipay
Payment-System nach dem Vorbild von PayPal

Aliyun
Eigenes mobiles Betriebssystem, im Sommer 2012 gestartet

Yue Bao
Plattform, über die private Geldgeber bei Unternehmen investieren können   


Und die wichtigsten etailment-Meldungen über Alibaba 2013:

Mai: Alibaba beteiligt sich an Sina Weibo, einem chinesischen Twitter-Klon.

Mai: Alibaba plant Same-Day-Delivery in ganz China. 16 Milliarden Dollar dürfte das Vorhaben verschlingen.

September: Taobao wird auch in Singapur eröffnet. Dies könnte der Beginn der internationalen Expansion sein.

Oktober: Alibaba investiert 50 Millionen Dollar in Quixey, eine Suchmaschine für Apps.

Oktober: Der Konzern kauft sich bei Shoprunner ein, einem amerikanischen Lieferservice-Startup, das als Service-Alternative zu Amazon-Prime gilt.

Oktober: Alibaba eröffnet ein Büro in San Francisco, um sich dort nach vielversprechenden Investments im E-Commerce und neuen Technologien umzusehen.

November 2013: Alibaba kündigt an, 82 Millionen Dollar zu investieren und Händler dafür mit einem kostenlosen Smartphone beglücken, wenn sie ein Starter-Paket für Online-Stores auf Taobao buchen.