Alibaba-Boss Jack Ma
Alibaba-Boss Jack Ma
Kursverluste, Streit mit der chinesischen Aufsichtsbehörde und der US-Börsenaufsicht SEC wegen gefälschter Produkte, und bescheidenere Töne von Alibaba-Gründer Jack Ma. Solche Schlagzeilen wirken beruhigend. Ist der E-Commerce-Gigant aus China also doch keine Gefahr für die Händler in Europa und den USA?
Vorsicht: Das Riesenreich von Jack Ma wird sich von solchen Details kaum bremsen lassen.  Schon jetzt blickt Alibaba von oben auf Amazon herab. Nicht auszuschließen, dass der chinesische Konzern sogar bald das Online-Auktionshaus eBay schluckt.



Die Alibaba Group zu überblicken, das ist gar nicht mal so einfach. Von E-Commerce-Plattformen für den B2B- und B2C-Handel über einen Payment-Dienst, soziale Netzwerke und ein mobiles Betriebssystem bis hin zur eigenen Logistik-Abwicklung ist alles dabei. Alibaba vereint quasi das Angebot von Amazon, eBay, Google, PayPal und mehr. 

Dabei fing alles recht klein an. Im Jahr 1999 hat Jack Ma, ehemaliger Englisch-Lehrer, das Unternehmen mit 17 Mitstreitern gegründet. Alibaba.com sollte den chinesischen Markt für die ganze Welt öffnen. Die B2B-Handelsplattform vermittelt chinesische Händler mit Online-Händlern rund um den Globus. Der Grundstein für die heutige Alibaba Group mit inzwischen rund 34.000 Mitarbeitern wurde gelegt. 

E-Commerce zum Quadrat

Jetzt, 16 Jahre nach der Gründung, ist Alibaba.com nur ein Teil des chinesischen Konzerns. Da wäre zum Beispiel 1688.com. Das ist ebenfalls eine Großhandels-Plattform, allerdings speziell für China. Aber auch im B2C-E-Commerce hat sich Alibaba breit aufgestellt. Allen voran sind hier Aliexpress und Taobao zu nennen. Hinter Aliexpress verbirgt sich sozusagen das Pendant zu Amazon, während Taobao das eBay für China ist. Weil Alibaba gerne das Klonen von bewährten Konzepten vorgeworfen wird, soll an dieser Stelle auch Juhusuan erwähnt werden. Juhusuan bietet täglich neue Sonderangebote - ähnlich wie Groupon - und setzt dabei zusätzlich auf die Masse: Je mehr Kunden ein Produkt bestellen, desto günstiger wird es. Günstig soll es ja sowieso immer sein. Preissuchmaschinen liegen deshalb stetig im Trend - und auch Alibaba hat dafür eine Lösung parat: eTao sucht die günstigsten Preise, natürlich vorwiegend bei den eigenen Alibaba-Portalen. Dazu gehören außer den Genannten auch noch Tmall.com und 11Main. Letzteres ist ein Shop, mit dem der Konzern versucht, in den USA Fuß zu fassen. 

Beeindruckende Zahlen 

China allein (dort liegt der Marktanteil am Online-Handel bei rund 80 Prozent) ist eben nicht genug, wenn die Wachstumskurve nicht abflachen soll. Noch ist davon jedoch keine Rede. Die Zahlen sehen ordentlich aus. Schon im Jahr 2002 - drei Jahre nach der Gründung - arbeitet Alibaba profitabel. Einen heftigen Schub hat das Unternehmen von Jack Ma dann wiederum drei Jahre später erhalten. Yahoo investierte 2005 eine Milliarde Dollar in Alibaba und bekam dafür 40 Prozent der Anteile (2012 verkaufte Yahoo die Hälfte seiner Anteile zurück an Alibaba jmit sattem Gewinn). Im Herbst 2014 folgte dann ein großer, entscheidender Schritt: der Gang an die Börse. Und damit wurde Alibaba über Nacht nach Apple, Google und Microsoft zum viertwertvollsten Tech-Unternehmen der Welt.

Im vierten Quartal 2014 betrug der Umsatz 4,2 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von 40 Prozent. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, obwohl Analysten eigentlich noch mehr erwartet haben. 964 Millionen Dollar blieben als Gewinn hängen - ein Minus von 28 Prozent, das vor allem hohen Investitionen in das Mobile-Geschäft geschuldet ist. Bis zum Jahr 2025 peilt Alibaba laut Gründer Jack Ma einen Umsatz von 470 Milliarden Dollar an. Ambitionierte Ziele.  Zum Vergleich: Amazon kann im gleichen Zeitraum mit 29,33 Milliarden Dollar zwar einen deutlich höheren Umsatz verzeichnen, aber der Gewinn bleibt mit gerade mal 214 Millionen Dollar weit hinter jenem von Alibaba. Google kam im vierten Quartal auf 18,1 Milliarden Dollar Umsatz und 4,8 Milliarden Dollar Gewinn.

Viel mehr als reiner E-Commerce

Die Umsatzzahlen der Konzerne lassen sich allerdings nur schwer miteinander vergleichen, weil Alibaba derzeit noch weitestgehend auf China begrenzt ist und in so viele Geschäftsbereiche hineinragt. Die vielen E-Commerce-Plattformen sind nämlich lange nicht alles.

Während im westlichen Teil der Welt vor allem PayPal im Online-Bezahlwesen den Markt bewegt und im Bereich Mobile Payment Google, Apple, Samsung und viele kleinere Startups um Marktanteile kämpfen, macht Alibaba in China das gleiche wie immer: sich ausbreiten und eine Quasi-Monopolstellung einnehmen. Mit Alipay bietet der Konzern eine umfassende Payment-Lösung an. Sowohl das Bezahlen im Web, als auch Mobile Payment oder die Kreditvergabe, wie sie hier beispielsweise Kreditech digitalisieren will… Alipay ist zur Stelle und ist damit der größte E-Payment-Anbieter in China. Und die Liste ist noch nicht am Ende: Auch im Cloud Service (Aliyun) und in Sachen Logistik (China Smart Logistics) ist Alibaba nicht untätig. Mit Alitrip ist außerdem eine Online-Reiseportal vorhanden.

Ein noch nicht arg erfolgreiches, aber erstrebenswertes Betätigungsfeld ist der Smartphone-Sektor. Damit ist nicht die Hard-, sondern die Software gemeint. Mit Laiwang hat Alibaba einen Konkurrenten zu WhatsApp und den in China stark vertretenen Messenger-Dienst WeChat ins Rennen geschickt. Außerdem hat Alibaba kürzlich 590 Millionen Dollar in den Smartphone-Hersteller Meizu investiert mit dem Ziel, das eigene Betriebssystem Yun OS besser am Markt zu positionieren. Noch ist die Smartphone-Software nämlich auf einer zu vernachlässigen Anzahl an Geräten installiert. Zwar gehört auch Meizu nicht zu den führenden Herstellern (besonders Xiaomi ergattert sich mehr und mehr Marktanteile), aber die Kombination aus Meizu und Yun OS scheint für beide Partner vielversprechend zu sein. 

Ach ja, das Geschäft von Uber lässt Alibaba natürlich auch nicht unangetastet. Kuaidi Dache heißt die Taxi-App, die bislang allerdings nicht gerade durch Erfolg aufgefallen ist. Stattdessen liefert sich Alibaba hierbei einen erbitterten Preiskampf mit Tencent. Das Unternehmen bietet nicht nur ebenfalls eine Taxi-App an, sondern konkurriert auch in weiteren Geschäftsfeldern mit Alibaba. Die große Überraschung kam dann vor rund einer Woche, als beide Technologie-Konzerne eine Kooperation bekannt gaben. Die Taxi-Order-Apps werden also zusammengelegt und sollen Uber den Markt versperren.

Lässt sich eBay von Alibaba einverleiben?

Satt wird Jack Ma also so schnell nicht. Der Einstieg mit 11Main in den USA gilt vielen Beobachtern zufolge nämlich nur als erster Fuß in der Tür. Schon wird gemutmaßt, Alibaba könnte das das Online-Auktionshaus eBay übernehmen, wenn die Abspaltung von Paypal vollzogen wird. Der Analyst Paulo Santos hat diese Spekulationen Anfang des Jahres nochmals angeheizt und zahlreiche Gründe mitgeliefert. Dazu gehören vor allem ein sehr ähnliches Geschäftsmodell von eBay und Alibabas Taobao und eine schnell zu vollziehende internationale Expansion. In der Tat scheint es nicht sehr unwahrscheinlich, dass dieser Deal zustande kommt. Damit hätte Alibaba dann endgültig den Fuß im E-Commerce-Markt außerhalb Asiens.  

Chancenlos wäre Alibaba im westlichen Markt und damit auch hierzulande sicherlich nicht - trotz der großen Konkurrenz. In China hatte eBay gegen Alibaba auf Dauer keine Chance. Anders als eBay verlangte Alibaba keine Gebühren.

Billigware mag zwar vor allem in China gut funktionieren und Alibaba in diese Höhen verfrachtet haben, aber auch andere Argumente sprechen für den Online-Riesen. Der lässt großen Marken nämlich seit langem außerordentlich viel Gestaltungsspielraum auf seinen Plattformen. eBay und Co ziehen da mit Mühen nach. Auch mobil ist Alibaba schneller unterwegs als große Teile des Marktes, macht inzwischen fast jeden dritten Dollar Umsatz mobil. Auch da würden Alibaba und eBay gut zusammenpassen. Der Markplatz pocht immer wieder auf sein starkes Wachstum im mobilen Handel.