Auch nach dem Ende des Bio-Booms wächst der Biohändler und -hersteller Alnatura zweistellig. Im kommenden Jahr will das Unternehmen 13 neue Märkte eröffnen.

Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH erlöste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2009/10 (Stichtag 30. September) einen Umsatz von 399 Millionen Euro, was einer Steigerung von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.

"Es hätte mehr werden können, aber wir sind mit der Entwicklung zufrieden", kommentierte Prof. Dr. Götz E. Rehn, Gründer und Geschäftsführer von Alnatura, die Zahlen auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens am heutigen Mittwoch in Frankfurt am Main.

Lieferprobleme verhageln bessere Umsätze

Eine bessere Umsatzentwicklung wurde laut Rehn insbesondere durch Lieferprobleme verhindert. Das neue Verteilzentrum in Lorsch (Odenwald) habe Startprobleme gehabt, die zu Engpässen in der Warenversorgung führten.

"Der große Hype im Bio-Markt ist vorbei", urteilt der Geschäftsführende Alleingesellschafter von Alnatura über die Situation im Gesamtmarkt, der seiner Prognose zur Folge in diesem Jahr dennoch in Deutschland um rund 4 Prozent auf insgesamt 6 Milliarden Euro zulegen wird. "Die Zuwächse aus den Boom-Jahren 2008 und 2007 sind jedoch vorbei. Wohin der Kunde künftig tendiert, wissen wir nicht".

Alnatura erzielt seine Umsätze in derzeit 56 eigenen Filialen und in den rund 6.000 Niederlassungen der Handelspartner dm-drogeriemarkt, tegut, Budnikowsky, Hit (Dohle), Globus und Cactus (Luxemburg). Rund 1.000 Bio-Lebensmittelartikel bietet der Hersteller an. Zusätzlich gibt es ein Textil- und ein Naturkosmetik-Sortiment.

Ende 2010 will das Unternehmen aus Bickenbach sein Filialnetz auf 59 Standorte erweitern. Zwei Eröffnungen in München und eine in Bonn sind geplant. Im nächsten Jahr sollen 13 neue Standorte hinzukommen unter anderem in Frankfurt am Main (Westend), Hamburg, Freiburg, Tübingen und Berlin. Zwei Filialen (Ludwigshafen, Mühlheim-Kärlich) wurden in diesem Jahr "mangels Begeisterung bei den Kunden" geschossen.

Effizientere Logistik, höhere Personalkosten

Flächenbereinigt konnte Alnatura ebenfalls Umsatzzuwächse verzeichnen, allerdings nicht in zweistelliger Höhe, wie Rehn auf Nachfrage einräumte. "Unser Umsatzziel ist in erster Linie, möglichst viel Sinn zu stiften und dabei müssen wir natürlich wirtschaftlich handeln", erklärte der Anthroposoph Rehn die Kurzfassung seiner Unternehmens- und Lebensphilosophie.

Foto: Alnatura
Foto: Alnatura
Zum Ergebnis macht das Unternehmen keine Angaben. Durch das neue Logistikzentrum dürften jedoch erhebliche Effizienzgewinne realisiert worden sein. Rehn sprach von 20 Prozent Einsparungen bei den Transportwegen. Von Lorsch aus versorgt Alnatura seit März 2010 das eigene Filialnetz und die Partner-Stnadorte zentral, soweit kein lokaler Großhändler oder Erzeuger die Belieferung aus der Nähe gewährleisten kann. Alnatura arbeitet mit vier regionalen Bio-Großhändlern zusammen, im kommenden Jahr soll ein fünfter hinzukommen.

Die Personalkosten sind bei Alnatura demgegenüber laut Rehn gestiegen. Das Unternehmen zahlt "aufgrund des öffentlichen Drucks" seit Oktober 2010 den jeweiligen Landestariflohn als Gehaltsuntergrenze. "Zuvor galt bei uns bundesweit der Grundsatz: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, jetzt zahlen wir regional unterschiedliche Gehälter", so Rehn, dem das Thema Lohnpolitik noch immer sichtlich Unbehagen bereitet. Im März dieses Jahres war der Biohändler durch einen Bericht der "taz" in die Schlagzeilen geraten, weil er teilweise Löhne unter Tarifniveau zahlte.