Die meisten deutschen Handelsimmobilien wurden noch in den siebziger Jahren gebaut. Energiesparen war damals noch nicht das große Thema. Das rächt sich jetzt, zeigt eine Studie.

Eine der großen Sorgen von Einzelhändlern sind die Kosten für Energie. Aus gutem Grund, denn die meisten Immobilien der Branche sind sehr alt, die Bausubstanz ist aus energetischer Sicht problematisch. So lautet das Fazit der Studie  "Energieeffizienz im Einzelhandel. Analyse des Gebäudebestands und seiner energetischen Situation", verfasst vom EHI Retail Institute im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

In Deutschland gibt es demnach 660.000 bis 690.000 Verkaufsstellen des erweiterten Einzelhandels (inklusive Bäckereien, Metzgereien, Friseurbetriebe, Autohäuser). Daraus lässt sich auf eine Gesamtzahl von 504.000 bis 528.000 Handelsgebäuden schließen, heißt es in der Studie weiter. Während 18 Prozent der Gebäude reine Nichtwohngebäude (NWG) sind, handelt es sich bei 82 Prozent um mischgenutzte Gebäude, in denen sich gewerbliche Einheiten und Wohneinheiten befinden.

Noch vor 1978 gebaut

Das Problem: Fast 81 Prozent aller Handelsgebäude wurden vor 1978 erbaut, also bevor die baulichen Vorgaben der ersten Wärmeschutzverordnung wirksam wurden. Von den NWG wurden bereits 38 Prozent mindestens nach den Vorgaben der ersten Wärmeschutzverordnung errichtet, bei den mischgenutzten Gebäuden trifft dies nur auf 15 Prozent zu, hat das EHI herausgefunden.

Bei einer solch alten Bausubstanz verwundern die relativ hohen Energiekosten nicht. Denn 2013 lagen die Energiekosten der 250 umsatzstärksten Vertriebslinien des Handels durchschnittlich zwischen 1,3 und 1,7 Prozent des Nettojahresumsatzes, schreibt das EHI weiter. Bei einer durchschnittlichen Gewinnmarge von 1,5 Prozent entsprechen die Jahresenergiekosten damit in dieser Gruppe in etwa 100 Prozent des Gewinns.

Nur Büroimmobilien sind schlechter

Im Vergleich aller gewerblich genutzten Immobilien in Deutschland haben die Handelsgebäude nach den Büroimmobilien den zweithöchsten Energiebedarf, teilt das EHI mit. Der Bereich Kältetechnik stellt im Food-Handel den größten Energieverbrauch dar, gefolgt von Beleuchtung und Klimatisierung.

Bei Nonfood-Händlern ist Beleuchtung der größte Kostentreiber und Klimatisierung belegt Rang zwei. Darüber hinaus wird besonders im Bereich Heizenergie das Potenzial zur Energieeinsparung bisher selten genutzt.