Insbesondere kleine und mittlere Handelsunternehmen klagen über eine drastische Verschlechterung der Finanzierungssituation. Doch es gibt interessante Alternativen zum Bankschalter.

Die Zahlen ergeben auf den ersten Blick ein düsteres Bild: Knapp die Hälfte aller Handelsunternehmen beklagt in der aktuellen Befragung der KfW-Bankengruppe eine Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen. Mehr als ein Viertel der Händler berichtet sogar von Schwierigkeiten, überhaupt noch einen Kredit zu bekommen - selbst zu ungünstigen Konditionen.

"Denjenigen, die bereits von einem Ende der Krise reden, sei ein genauer Blick in die Umfrageergebnisse empfohlen", mahnt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer im Handelsverband Deutschland (HDE). "Die Krise hat jetzt erst so richtig Fuß gefasst. Das Damoklesschwert einer Kreditklemme schwebt nach wie vor über den deutschen Unternehmen."

Zu Schwarzmalerei sieht der Verbandschef dennoch keinen Anlass: "Es ist nicht das fehlende Vertrauen der Banken in die Branche, das zu Ablehnungen von Kreditanträgen führt", betont Genth im Expertengespräch, zu dem die Redaktion von Der Handel Anfang Juni nach Frankfurt geladen hatte. Die Ursache der Schwierigkeiten sei häufig das konkrete Vorhaben, die Eigenkapitalschwäche oder die mangelnde Transparenz des Unternehmens.

Ein heterogenes Bild

Auch Gerd-Christian Hesse zeichnet ein differenziertes Bild der Lage: "Eine ganze Reihe von unseren Mitgliedern hat in den vergangenen Monaten Finanzierungen beantragt und ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht", sagt der Generalbevollmächtigte der Expert AG. "Die Banken schauen sehr viel genauer auf das konkrete Projekt und die Bonität der Unternehmen."

Der Finanzexperte der Verbundgruppe aus dem Elektrohandel rät mittelständischen Händlern dringend, an ihrer Eigenkapitalbasis zu arbeiten. "Nicht alles, was der Steuerberater an Optimierungsvorschlägen unterbreitet, ist auch gut für das Unternehmen", warnt Hesse.

In Zeiten hypernervöser Banken und Finanzmärkte sind eine gute Bonität und eine solide Eigenkapitalquote fraglos der Schlüssel zum Fremdkapital. Doch woher nehmen? "Die Handelsbranche hat traditionell eine Eigenkapitalschwäche, und in den vergangenen fünf Jahren konnten die wenigsten Unternehmen Erträge zurücklegen", beschreibt Genth das Dilemma.

Öffentliche Mittel

Quelle: KfW/HDE; Grafik: Der Handel
Quelle: KfW/HDE; Grafik: Der Handel
Die öffentlichen Konjunkturpakete und die Kreditprogramme der staatlichen KfW Bankengruppe sowie der Landesförderbanken sind daher nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle für Handelsunternehmen, die eine Finanzierung stemmen wollen.

Den besten Überblick über die mehr als 230 Förderprogramme der Europäischen Union, des Bundes und der Länder gibt die vom Wirtschaftsministerium betriebene Internetseite www.foerderdatenbank.de. Dort lässt sich nach Region und Vorhaben differenziert der passende Weg zu staatlichen Finanzmitteln finden - vom Mikrokredit bis hin zur millionenschweren Kapitalbeteiligung.

Oftmals muss jedoch die Hausbank mit ins Boot geholt werden, was nicht immer einfach ist, wenn Aufwand und Ertragsaussichten aus Sicht der Bank nicht in Einklang zu bringen sind oder die Bonität des Unternehmens nicht überzeugt. Denn obwohl die meisten öffentlichen Kreditprogramme mittlerweile mit Haftungsfreistellungen für die Banken ausgestaltet sind, scheuen viele Institute das kleinste Risiko.

Die Bürgschaftsbanken

In puncto Bonität können jedoch die Bürgschaftsbanken der Länder eine Hilfestellung bieten. Auch sie erhalten Mittel aus dem Konjunkturpaket "Wirtschaftsfonds Deutschland". Die öffentlichen Bürgschaftsbanken überprüfen konkrete Vorhaben auf ihre Plausibilität und stellen durch eine Bürgschaft die notwendige Sicherheit für die Finanzierung durch die Hausbank bereit.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres wurde auf diese Weise bundesweit ein Kreditvolumen von rund 570 Millionen Euro ermöglicht. Mehr als 2.800 kleine und mittlere Unternehmen erhielten Bürgschaften und Garantien über insgesamt 398 Millionen Euro - eine Steigerung von 23 Prozent gegenüber dem Rekordvorjahr.

Eigenkapitalprogramme

Einige Landesförderbanken wie die NRW Bank und die bayrische LfA haben darüber hinaus in den vergangenen Monaten Eigenkapitalprogramme aufgelegt oder nachgebessert. "Mittelstandskapital", heißt etwa das Förderprodukt der LfA, es soll kleinen und mittleren Unternehmen in Bayern bessere Möglichkeiten geben, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Der zinsgünstige Förderkredit besitzt Mezzanine-Charakter, sodass er von Kreditgebern als wirtschaftliches Eigenkapital anerkannt wird.

Foto: S-UBG
Foto: S-UBG
"Die Firmen verbessern damit ihre Bonität und haben größere Chancen bei Kreditverhandlungen mit der Hausbank", erläutert Michael Schneider, Vorstandsvorsitzender der LfA. Um an das Mittelstandskapital zu kommen, müssen die Unternehmen keine Sicherheiten stellen. Zwei Drittel des Kreditrisikos trägt die LfA, ein Drittel übernimmt die Hausbank. Die Höchstsumme für das Förderprodukt beträgt 200.000 Euro.

Wenn diese Summe nicht ausreicht oder die jeweilige Landesförderbank kein vergleichbares Programm zur Verfügung stellt, steht noch der Weg zu den Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) der Länder offen. Als neutrale Kapitalgeber beteiligen sich diese Gesellschaften langfristig, bis zu 15 Jahren, an Unternehmen. Die Höhe der Beteiligung kann bei 50.000 Euro starten und bis zu 2,5 Millionen Euro betragen.

"Eigenkapital ist in aller Munde, aber noch nicht in jeder Bilanz", sagt Horst Gier schmunzelnd, Vorstand der S-UBG AG, einer Beteiligungsgesellschaft von sechs Sparkassen in der Region Aachen. Gier betreibt das Beteiligungsgeschäft seit 20 Jahren, die S-UBG ist aktuell bei rund 40 Unternehmen als Kapitalgeber mit im Boot.

Lesen Sie im zweiten Teil in welchen Fällen, die Aufnahme von Beteiligungskapital durch Handelsunternehmen in Betracht kommt und welche Alternativen zum Betriebsmittelkredit insbesondere kleinen Unternehmen offen stehen.

Hanno Bender

Dieser Artikel erschien in der Juli/Augustausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Ein kostenloses Probeexemplar erhalten Sie hier.