Insbesondere kleine und mittlere Handelsunternehmen klagen über eine drastische Verschlechterung der Finanzierungssituation. Doch es gibt interessante Alternativen zum Bankschalter.

"Für Handelsunternehmen kommt eine solche Beteiligung in Betracht, wenn ein deutliches qualitatives Wachstum beabsichtigt ist", erläutert Gier im Gespräch mit Der Handel. Die Gründung einer Franchiseschiene oder den Start eines Onlineshops nennt der Banker als denkbare Anlässe. Frühestens jedoch ab einem Eigenkapitalbedarf von 500.000 Euro fängt man bei der S-UBG mit dem Nachdenken an.

Von den standardisierten Mezzanine-Programmen der letzten Jahre hält Gier ebenso wenig wie von den neuen "Mittelstands-" und "Eigenkapitalfonds", die die Deutsche Bank oder die Commerzbank in Zusammenarbeit mit der KfW jüngst aus der Taufe hoben. "Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen sind eine sehr persönliche Angelegenheit, das funktioniert nicht als Geschäft von der Stange", urteilt Gier.

Abseits der Bank

Einen ebenso unkonventionellen wie unbürokratischen Weg zu Fremdkapital eröffnet die Internetplattform Smava. Wer Geld benötigt, kann sich und sein Vorhaben im Internet vorstellen, einen Zinssatz anbieten und warten, bis sich genügend Geldgeber finden, die bereit sind das Projekt mit einem Teilbetrag zu finanzieren. Vor drei Jahren ging Smava an den Start und wurde zunächst mit Skepsis beäugt, da die Tagesgeldzinsen damals hoch und Bankfinanzierungen günstig waren (siehe auch Der Handel 5/2007).

Inzwischen wurden nach Unternehmensangaben Kredite im Volumen von 32 Millionen Euro über die Plattform vermittelt - 15 Millionen davon allein im Jahr 2009. "Wir profitieren davon, dass immer mehr Menschen es gewohnt sind, ihre Geldgeschäfte online abzuwickeln", erläutert Alexander Artopé, einer der drei Gründer und Mitgeschäftsführer von Smava, im Gespräch mit Der Handel.

Natürlich profitiere das Portal auch von der Zinsentwicklung und der aktuellen Zurückhaltung der Banken: "Die Finanzkrise ist im Kern eine Vertrauenskrise. Auch aus diesem Grund wenden sich immer mehr Menschen von den Banken ab und suchen andere Investitions- oder Finanzierungswege", schlussfolgert Artopé.

Rund ein Drittel der Kreditnehmer von Smava sind Selbstständige mit einen gewerblichen Finanzierungsvorhaben. Die durchschnittliche Höhe eines solchen Darlehns beträgt 11.500 Euro. Mitte März 2010 verdoppelte das Vermittlungsportal zudem den maximalen Kreditbetrag auf nun 50.000 Euro. Der Zinssatz für Kreditnehmer beträgt im Schnitt effektiv 9 Prozent, die privaten Anleger kommen auf eine durchschnittliche Rendite von 7,3 Prozent. Die Absicherung der Geldgeber erfolgt über Anlegerpools.

Foto: Smava
Foto: Smava
"Wir benötigten 5.000 Euro für eine Erweiterung des Lagers und den Ausbau des Sortiments", schildert Yuliana Heisch ihre Kreditsuche.  "Die Hausbank wollte so viele Unterlagen, dass wir das gar nicht weiter verfolgt haben", erinnert sich die Inhaberin von Mikroparty, einem Onlineshop für Heimtextilien und Haushaltsware für privaten und gewerblichen Bedarf. Bei Smava genügte die Einreichung der Einnahmen-Überschussrechnung (EÜR) der letzten zwei Jahre. "Dann gab es noch einmal eine telefonische Nachfrage zur aktuellen Entwicklung, und wir konnten unser Vorhaben auf der Plattform vorstellen."

In weniger als zwei Tagen fanden sich genügend Geldgeber für das kleine Unternehmen. "Von der Idee bis zur Auszahlung der Kreditsumme hat es keine zwei Wochen gedauert", bilanziert die Händlerin. Bei der nächsten Finanzierung über das Portal will sie allerdings etwas länger mit dem Zinssatz pokern. Denn die Kreditkonditionen ergeben sich bei Smava aus Angebot und Nachfrage.

Hanno Bender

Dieser Artikel erschien in der Juli/Augustausgabe des Wirtschaftsmaganzins Der Handel. Ein kostenloses Probeexemplar erhalten Sie hier.

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