Stolz präsentierte Amazon letzte Woche die Amazon Collections, eine Art visueller Merkliste mit Seiten-Layout im Pinterest-Stil. Erstaunlicherweise bleibt Amazon auf dem halben Weg stecken. Andere machen es besser.

Merklisten und Wunschzettel sind toll. Nicht nur für die Nutzer sondern vor allem für die Shopbetreiber. In neun von zehn Fällen werden Merkzettel als besondere Mehrwertleistung versprochen, wenn sich ein User bei einer Website registriert.  Merklisten zeigen die Präferenzen und manchmal auch die Wünsche der Kunden und liefern dem Shopbetreiber bestes Material zur Personalisierung und für die nächste, passendere Empfehlung.

Es lohnt sich also, das Thema Merkzettel wiederzubeleben. Und eben das hat Amazon soeben in den USA getan. Das System nennt sich Collections – die klassischen Wunschlisten gibt es weiterhin – und residiert als Menüpunkt ganz unten im persönlichen Konto (nur auf Amazon.com).

Die gefüllten Amazon-Pinnwände sehen nett aus, können aber nicht viel
Die gefüllten Amazon-Pinnwände sehen nett aus, können aber nicht viel

Wer Collections zum ersten Mal startet hat ja noch keine eigene Sammlung angelegt und wird auf bestehende Sammlungen verwiesen. Dort sieht man ungefähr, wie das dann später aussieht, wenn man Dinge gesammelt hat. Es sieht aus wie Pinterest – aber nur fast. Doch dazu gleich.

Will man seine erste Sammlung anlegen, dann muss man erst mal durch die Tiefen des Amazon-Universums wühlen. Bei Technik wird man eher selten fündig. Bei Fahrrad und Outdoor auch nicht. Aber da, in der Abteilung Mode bei einem hübschen Türkis-farbenen Schal, da ist er, der Button „Add to collection“.

Ein Button? Wie langweilig. Nach dem Klick erscheint ein Popup-Fenster, in dem man die Aktion bestätigt und eventuell noch eine Zusatzbeschreibung ergänzt. Dann kommt ein weiteres Popup, wo man die Wahl hat zur eigenen Collection oder einer anderen zu wechseln. Oder man schließt das Fenster und macht dort weiter, wo man aufgehört hat.

Nicht alle Produkte sind schon mit dem “Add to collections”-Button ausgestattet
Nicht alle Produkte sind schon mit dem “Add to collections”-Button ausgestattet

Das hat Amazon ganz schön umständlich gemacht. Den Rest auch. Klickt man auf eines der Vorschaubildchen in der Kollektionsübersicht, öffnet sich nicht die zugehörige Produktansicht sondern die Collection. Da muss man dann nochmal auf das Produkt klicken und kommt zur normalen Produktseite. Ansonsten kann man mit den Collections auch nichts machen - außer Löschen.

Da hätte Amazon mal lieber bei Wayfair abgeguckt. Die Heimeinrichter richteten schon vor einem halben Jahr ihr Shop-Pinterest ein. Gewünschte Artikel werden per Drag-and-drop in die Fußleiste gezogen. Die Boards lassen sich als Ganzes („Style“) via Social Media weiterleiten, man kann die Produkte miteinander vergleichen und direkt aus dem Board in den Warenkorb legen. Das funktioniert insgesamt besser, sieht hübscher aus und macht auch hinsichtlich des PR-Effekts mehr her, wie man ja hier soeben lesen konnte.

Hübsch und functional zeigt sich die Board-Funktion bei Wayfair
Hübsch und functional zeigt sich die Board-Funktion bei Wayfair