Eigentlich stimmt alles bei Amazon: Die Umsätze im zweiten Quartal sind gestiegen, und der E-Book-Reader "Kindle" ist ein Verkaufsschlager. Aber die Börse hat dem Onlinehändler einen schwarzen Tag bereitet.

Amazon hat trotz eines starken zweiten Quartals die Börse enttäuscht. Wegen kräftig steigender Ausgaben unter anderem für Marketing und Versandkosten brach die Aktie des größten Onlinehändlers der Welt am Donnerstag nachbörslich an der Wall Street um 15 Prozent ein.
 
Dabei sahen die Zahlen auf den ersten Blick sehr gut aus: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro). Der Gewinn legte um 46 Prozent auf unterm Strich 207 Millionen Dollar (160 Millionen Euro) zu.

Ralf Kleber, Chef von Amazon Deutschland, äußerte sich allerdings zufrieden mit dem zweiten Quartal. "Wir haben sehr gut im Mittelfeld unserer eigenen Erwartungen abgeschnitten", sagte er. Was an der Börse passiere, hänge oft von den eigenen Modellen der Analysten ab. Nachdem das Schlimmste in der Wirtschaftskrise überstanden zu sein scheine, sitzt das Geld der Kunden wieder lockerer, vermutet Kleber.

3.000 neue Mitarbeiter zu Weihnachten

Für Marketing, neue Lagerhäuser und eine Reihe neuer Produkte gab der Online-Einzelhändler rund 196 Millionen Dollar (152 Millionen Euro) aus. In Deutschland will das Unternehmen für das Weihnachtsgeschäft in Frankfurt und Leipzig je 3.000 Mitarbeiter einstellen.

Bei seinem Verkaufsschlager, dem elektronischen Lesegerät "Kindle", will sich Amazon mit deutlichen Preisnachlässen gegen die wachsende Konkurrenz behaupten. In den USA ist der Preis für das Gerät inzwischen von 250 auf 189 Dollar gefallen. Den modernisierten größeren Bruder "Kindle DX" gibt es für 379 statt 489 Dollar plus Steuern. Die Kunden griffen zu: In der ersten Jahreshälfte 2010 hat Amazon mehr als dreimal so viele Geräte verkauft wie ein Jahr zuvor.

Mehr E-Books als gebundene Bücher

In den Vereinigten Staaten liefert Amazon mittlerweile fast doppelt so viele E-Books aus wie gebundene Bücher - Gratisangebote nicht mal mit eingerechnet.
Amazon-Gründer und Unternehmenschef Jeff Bezos versuchte, die Börsianer davon zu überzeugen, dass seine Strategie richtig ist: "Wir sehen ein rasantes Wachstum beim 'Kindle'."

Abseits des des Lesegeräts brummte vor allem das Geschäft mit Elektronikartikeln. Mittlerweile setzt Amazon mit Digitalkameras oder Staubsaugern mehr um als mit Büchern, CDs und DVDs. Der wichtigste Markt ist immer noch Nordamerika, doch der Rest der Welt holt auf.

Lebensmittelhandel erntet Kritik

Seit 1. Juli vertreibt Amazon in Deutschland auch Lebensmittel. Inzwischen seien rund 50.000 verschiedene Artikel im Angebot, sagte Kleber. Zu den Produkten zählten auch Bio-Nahrungsmittel wie Nudeln, Reis oder Datteln.

Die Kritiken über das neue Angebot fallen allerdings schlecht aus. So bezeichnete die Hamburger Verbraucherzentrale den Lebensmittelkauf bei Amazon als wenig empfehlenswert. Die Ware Artikel des täglichen Bedarfs seien teuer, das Kaufverfahren wurde als umständlich und wenig transparent eingestuft, teilte die Verbraucherzentrale am Donnerstag mit. "Das Amazon-Lebensmittelangebot leidet unter Kinderkrankheiten und ist noch keine Alternative zum Supermarkteinkauf", sagte Armin Valet von der Verbraucherzentrale.

Gestern hatte bereits der große Amazon-Konkurrent Ebay gute Geschäfte und steigende Nutzerzahlen vermeldet. Zwischen beiden tobt ein Kampf um die Kunden. Amazon wuchs zuletzt deutlich schneller.