Nach Leipzig wird Amazon seit heute Morgen auch wieder in Bad Hersfeld bestreikt. Verdi sieht "Bewegung" beim Onlineriesen, richtet sich aber auf einen längeren Arbeitskampf ein. 

Nach dem jüngsten Streik beim Internet-Versandhändler Amazon in Leipzig haben auch die Mitarbeiter am bundesweit größten Standort Bad Hersfeld erneut die Arbeit niedergelegt.

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi beteiligten sich am Freitag rund 600 Beschäftigte der Frühschicht an dem Arbeitskampf. Geplant sei auch, dass die Spätschicht die Arbeit niederlegt.

Verdi wollte zudem nach Angaben einer Sprecherin auch für den Samstag zum Streik aufrufen. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das US-Unternehmen will sich dagegen an der Bezahlung in der Logistikbranche orientieren. Der Tarifstreit sei festgefahren, sagte die Verdi-Sprecherin.

"Entscheidung für Weihnachtsgeld unabhängig von Streiks"

Eine nochmalige Aufforderung von ver.di, Tarifverhandlungen aufzunehmen, habe Geschäftsführer Armin Cossmann abgelehnt, erklärte Verdi. Amazon sehe derzeit zu wenige Gemeinsamkeiten mit ver.di, wird Cossmann zitiert.

Die für Amazon zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke, sieht aber dennoch Bewegung. "Zwar gibt es nach wie vor keine Bereitschaft mit ver.di zu verhandeln, aber Amazon bewegt sich. Gestern wurde in Mitarbeiterversammlungen angekündigt, dass Amazon ein Weihnachtsgeld zahlen will. Allerdings ist dies weder in Höhe des tariflichen Weihnachtsgeldes noch begründet sich daraus ein Rechtsanspruch."
 
Amazon-Sprecherin Ulrike Leikeb hatte gestern betont, die Entscheidung zur Zahlung des Weihnachtsgeldes habe nichts mit dem Streik zu tun. Sie sei "im Rahmen der jährlichen Gehaltsüberlegungen" getroffen worden.

Verdi kündigt "langen Atem" an

Bernhard Schiederig, Verhandlungsführer von Verdi in Hessen, stellt sich auf einen längeren Arbeitskampf ein: "Wir werden unterschiedliche Streik- und Arbeitskampfformen entwickeln, einen langen Atem haben und für den Arbeitgeber unberechenbar bleiben. Amazon als größter Online-Versandhändler kann sich auf Dauer nicht einer branchenüblichen Bezahlung entziehen."

In Bad Hersfeld arbeiten mehr als 3.300 Menschen, in Leipzig sind es rund 2.000. Dort hatten sich am Donnerstag nach Gewerkschaftsangaben etwa 470 Mitarbeiter von Früh- und Spätschicht an dem Ausstand beteiligt.

Amazon sprach dagegen von "weniger als 350 der Mitarbeiter des betroffenen Logistikzentrums", die für die beiden Schichten am Donnerstag eingeplant waren. Der Streik habe keine Folgen auf den Versand an Kunden gehabt, hieß es bei dem Unternehmen.

Zuletzt war Mitte Juni an beiden Amazon-Standorten in Leipzig und Bad Hersfeld gestreikt worden. Amazon ist der weltgrößte Online-Versandhändler. Er hat in Deutschland acht Versandlager und rund 9.000 Mitarbeiter. Ein neuntes Logistikzentrum soll 2013 im brandenburgischen Brieselang entstehen.

DH mit Material von dpa