eBay leidet, Amazon auch. Die Aktie stürzt ab, trotz Gewinnsteigerung im dritten Quartal. In Deutschland ist das Unternehmen aber zuversichtlich.

Die Finanzkrise vermiest dem weltgrößten Onlinehändler Amazon das Weihnachtsgeschäft. Der US-Konzern musste seine Umsatzprognose für das Jahr 2008 deutlich senken. Dabei gab es im dritten Quartal noch satte Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Die Anleger ließen die Amazon-Aktie abstürzen.

Für 2008 erwartet Amazon nun ein Umsatzplus zwischen 24 und 31 Prozent auf 18,46 bis 19,46 Milliarden Dollar. Bisher hatte der Online-Händler 30 bis 35 Prozent Zuwachs erwartet. Die Aktie fiel im Handel an der New Yorker Börse an diesem Donnerstag um rund fünf Prozent auf 47,50 Dollar. Zeitweise lag das Minus bei mehr als zwölf Prozent.

Schlechtes Weihnachtsgeschäft erwartet

Das Schlussquartal mit der umsatzstarken Weihnachtssaison ist für Amazon traditionell wichtig. Angesichts der drohenden Rezession in den USA und der wirtschaftlichen Schwäche in anderen Hauptmärkten wagte Amazon für das Vierteljahr nur eine sehr vage Prognose. Der operative Gewinn werde zwischen 145 und 305 Millionen Dollar ausfallen.

Dies wäre im schlimmsten Fall ein Ergebniseinbruch um 46 Prozent im Jahresvergleich, im besten Fall ein Plus von 13 Prozent. Der Umsatz soll zwischen 6 und 7 Milliarden Dollar liegen - das wäre ein Plus von 6 bis 23 Prozent. Im dritten Quartal kletterte der Gewinn bei Amazon dagegen noch kräftig um 48 Prozent auf 118 Millionen Dollar (92 Mio Euro).

Finanzkrise beeinflusst die Geschäfte

Der Umsatz legte angetrieben von einem starken internationalen Geschäft um 31 Prozent auf 4,26 Milliarden Dollar zu, wie Amazon am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte.

Das Wachstum habe sich zum Ende des dritten Quartals parallel zu den Störungen auf dem Finanzmarkt abgeschwächt, sagte Amazon-Finanzchef Tom Szkutak. Amazon habe zwar erneut auch von Währungseffekten profitiert, jedoch nicht mehr so stark wie ursprünglich erwartet.

In Deutschland, einem der wichtigsten Märkte für Amazons internationales Geschäft, setzt das Unternehmen trotz des vorsichtigen Ausblicks auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. "Wir sehen uns wohl gerüstet für das vierte Quartal", sagte Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur. In der aktuell schwierigen Marktsituation sei Amazon gut aufgestellt. "Ich bin zuversichtlich. Man muss sich nur auf die Kunden konzentrieren und die Füße auf dem Boden halten."

Amazon erzielt mittlerweile fast die Hälfte seiner Umsätze im Ausland. Das deutsche Online-Angebot feiert in diesen Tagen gerade sein zehnjähriges Bestehen.

Auch eBay schwächelt

Vergangene Woche gab das Internet-Auktionshaus und Amazon-
Konkurrent eBay erstmals sinkende Einnahmen in seinem Kerngeschäft. eBays düstere Prognosen für das vierte Quartal wurden von vielen Beobachtern als Vorbote für eine drohende Rezession gewertet. Ob wirklich eine Rezession vor der Tür stehe, darauf könne es vorerst keine generelle Antwort geben, schätzt Kleber. "Es gibt derzeit keine Transparenz darüber, was da draußen passiert."

Diese ungewisse Situation erfordere einfach entsprechend konservative Prognosen, betont der deutsche Amazon-Chef. "Allerdings war das Jahr 2001 auch nicht gerade ein Sensations-Jahr, dennoch waren wir daraus gestärkt herausgekommen."

E-Book-Lesegerät erfolgreich

Neben dem Bau eines zweiten Versandzentrums in Bad Hersfeld, in dem künftig auf 95.000 Quadratmetern Ware gelagert und von dort aus bundesweit ausgeliefert wird, startete der einstige Online-Buchhändler in Deutschland erst kürzlich neue Produkt-Angebote wie Markenmode, Kosmetik, Artikel aus dem Baumarkt sowie die Kategorie Automobil.

Zu Amazons neuem E-Book-Lesegerät Kindle sagte Kleber: "Wir sind sehr zufrieden mit den Abverkäufen, und die Verleger honorieren es, indem sie Inhalte zur Verfügung stellen."

Amazon veröffentlichte bisher keine Zahlen zum Absatz des Readers für elektronische Bücher, der in den USA derzeit 359 Dollar kostet. Wie bei vielen Produktkategorien gehe es dem Unternehmen auch beim Kindle nicht um kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg, sondern um langfristige Strategien, sagte Kleber. Ein Termin für die Markteinführung des Kindle in Deutschland wurde bisher nicht genannt. Amazon führte das Lesegerät auf der Frankfurter Buchmesse aber jüngst Verlagen vor.