Nach dem Wirbel um die Arbeitsbedingungen bei Amazon will der Onlinehändler nun die Gründung von Betriebsräten an den deutschen Standorten fördern.

Der Internet-Versandhändler Amazon will die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Deutschland verbessern. Geschäftsführer Ralf Kleber sprach sich nach dem Wirbel um die Arbeitsbedingungen beim Unternehmen für mehr Betriebsräte aus.

"Ich finde Betriebsräte sehr gut, und ich ermuntere die Mitarbeiter in unseren Logistikzentren, Betriebsräte mitzugründen", sagte er "Spiegel Online". Im Logistikzentrum in Pforzheim laufen bereits die Vorbereitungen für die Wahl eines Betriebsrats.

Solche Gremien gibt es bereits in den Logistikzentren Bad Hersfeld, Leipzig und ganz neu in Graben bei Augsburg, wo für nächste Woche die konstituierende Sitzung anberaumt ist. Im Mai soll auch in Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) eine Arbeitsnehmervertretung gewählt werden.

Amazon war nach Berichten über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in die Kritik geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst getrennt. "Dass ein Sicherheitsdienst in der gezeigten Art und Weise unsere Mitarbeiter bedrängt, das ist nicht akzeptabel", sagte Kleber.

"Wir prüfen weitere Konsequenzen"

Der Amazon-Deutschlandchef kündigte weitere Schritte an: "Dass wir die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und mit einem weiteren Dienstleister beendet haben, war nur der Anfang. Wir prüfen, welche weiteren Konsequenzen wir noch ziehen werden."

Amazon hält aber dennoch an der Leiharbeit fest. "Wir brauchen Leiharbeiter, um das Saisongeschäft abzufedern, und wir haben den Anspruch, die Leiharbeiter genauso zu behandeln und zu bezahlen, wie unsere Stammbelegschaft", sagte Kleber. Der Prozentsatz der Leiharbeiter bei Amazon sei aber verschwindend gering.

Neben dem Wirbel um Leiharbeiter hat Amazon auch Ärger mit den Wettbewerbshütern. Das Bundeskartellamt hatte am Mittwoch angekündigt, die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler zu prüfen, die Waren über Amazon anbieten.

Kleber zeigte sich gelassen. Das Verfahren sei Amazon schon seit längerem bekannt. "Wir begrüßen das Verfahren, weil es endlich Klarheit in einer wichtigen Grundsatzfrage schaffen wird."