Spätestens im September will Amazon in Deutschland frische Lebensmittel an die Kunden liefern. Brot, Butter, Salat und Co sollen dann nach dem Vorbild von Amazon fresh in den USA mit einer Lieferflotte im Amazon-Branding bis an die Haustür kommen. Das berichtet die Bild-Zeitung unter Berufung auf Insider-Informationen.
Lieferflotte im Amazon-Branding
Lieferflotte im Amazon-Branding


Lebensmittel kann man schon heute bei Amazon über Drittanbieter einkaufen. Sogar frische Salatköpfe. Mit Amazon fresh aber wagt sich Amazon in eine neue Dimension vor, weil Amazon damit in das Same Day- oder zumindest Next  Day-Delivery-Geschäft mit Lebensmitteln einsteigt. Angedacht sind offenbar vier Lieferzentren im deutschsprachigen Raum.

Noch Ende 2013 hatte es Deutschland-Chef Ralf Kleber nicht so eilig. "Der Auftrag ist, dass wir uns auch darum kümmern müssen. Der Auftrag ist aber nicht unbedingt, dass wir uns morgen darum kümmern müssen", hieß es damals.

Zu erwarten ist, dass Amazon seinen Service zunächst in einigen Metropolen testet. Auch Amazon fresh in den USA  können derzeit nur Kunden im Raum Los Angeles, Seattle und San Francisco nutzen. Erwartet wird, dass Amazon fresh bis Ende 2014 in 40 US-Metropolen verfügbar sein könnte. 

Gefährlich wird der Einstieg von Amazon zunächst vor allem für die bestehenenden E-Food-Anbieter wie Rewe, Bringmeister, Mytime, Allyouneed und Co. Die haben sich zwar teilweise in den Großstädten schon recht breit gemacht, doch Amazon dürfte sich kaum um die Kosten scheren. Für den Online-Riesen ist E-Food nämlich auch ein Vehikel, um sich über den Wochenendeinkauf für den Kühlschrank alle sieben Tage wieder im Kopf der Konsumenten einzubrennen.
Und: Der Kunde tritt schlichtweg noch öfter mit Amazon in Interaktion, bestellt vielleicht zu Toilettenpapier und Milch noch ein Buch dazu. Da schlägt die Stunde der Mischkalkulation.

Wenn Amazon so seine Vormachtstellung im Relevant Set der Kunden betoniert, dann muss das aber alle Händler beunruhigen. Schließlich hat der bvh gerade festgestellt, dass die die Online-Markplätze immerhin für zwei Drittel des Umsatzes im E-Commerce stehen. Der Löwenanteil dürfte dabei schon jetzt auf Amazon entfallen. Anders gesagt: An Amazon führt womöglich kein Weg mehr vorbei, wenn man seine Kunden noch erreichen will. Denn der ist künftig sowieso ständig beim Online-Riesen.

Da sollte es auch nicht beruhigen, dass gerade einmal 6 Prozent der deutschen Internet-Nutzer überhaupt schon einmal frische Lebensmittel online eingekauft haben. Das kann sich schnell ändern und mit einer starken Marke wie Amazon könnte der Big Bang für E-Food sogar noch schneller kommen. Es könnte also noch untertrieben sein, was Ernst & Young gerade erst in einer Umfrage  herausgefunden hat. 36 Prozent der Verbraucher wollen nämlich laut dieser Umfrage in spätestens fünf Jahren Lebensmittel über das Internet bestellen. Bei den Familien liegt der Anteil sogar bei 64 Prozent.