Der weltgrößte Onlinehändler Amazon will weiter aggressiv wachsen und seine Marktstellung behaupten. Das geht zu Lasten des Gewinns - und verärgert die Börsianer: Der Aktienkurs brach ein. 

Ausgerechnet Amazon rechnet im traditionell starken Weihnachtsquartal mit einem operativen Verlust bis zu 250 Millionen Dollar (rund 180 Millionen Euro). Nach der Prognose des weltgrößten Onlinehändlers bei der Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal brach der Aktienkurs an der Wallstreet nachbörslich um 12 Prozent ein, meldet die Nachrichtenagentur dpa.

Denn auch die Zahlen für das abgelaufene Quartal sorgten bei den Börsianern lange Gesichter: Amazon verdiente von Juli bis September nur noch 63 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es mit 231 Millionen Dollar fast viermal soviel. Analysten hätten zwar um Amazons kostspieligen Wachstumsdrang gewusst, doch hatten sie nicht mit einem derartigen Einbruch gerechnet, so dpa weiter.

Marktstellung verteidigen, Apple angreifen

Die Gründe für drohenden Verluste: Zum einen will Amazon seine Position als Nummer Eins im Onlinehandel mit allen Mitteln verteidigen – unter anderem mit günstigen Preisen.

Zudem wird Amazon immer mehr zum Konkurrenten für Apple: Weil Amazon auch künftig gute Geschäfte mit Inhalten wie Filmen und Musik machen will, hat der Konzern vor kurzem einen eigenen, vergleichsweise günstigen Tablet-Computer namens Kindle Fire auf den Markt gebracht. Der steht in direkter Konkurrenz zu Geräten von Apple: Weil iPad&Co. eigene Dateiformate haben, verdient der Computerhersteller mit für die Geräte passenden Inhalten und Anwendungen, den "Apps", viel Geld.

Die offensive Amazon-Strategie führt dazu, dass der Umsatz deutlich wächst: Im dritten Quartal stieg er im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf 10,88 Milliarden Dollar (etwa 8,17 Milliarden Euro). Allerdings geht das Wachstum zu Lasten des Gewinns: Von jedem Dollar, den Amazon einnimmt, blieb zuletzt nicht mal mehr ein Cent übrig.

Quersubventionierung des Kindle Fire vermutet

Experten schätzen, dass Amazon beim neuen Kindle sogar bewusst drauflegt, um – ähnlich wie Druckerhersteller bei den Tintenpatronen – mit den Inhalten später viel Geld zu verdienen. Der ab 15. November in den USA erhältliche Kindle Fire kostet mit 199 Dollar weniger als die Hälfte eines Apple iPad. Das einfachste Kindle-Lesegerät, das nur zum Lesen elektronischer Bücher taugt, gibt es schon für 79 Dollar.

In der Börsenmeldung zum dritten Quartal freut sich Firmengründer und Chef Jeff Bezos, dass die neuen Kindle-Modelle bei den Kunden so gut ankommen: Für den neuen, reinen E-Book-Reader Kindle seien in den ersten drei Wochen nach der Premiere schon doppelt so viele Bestellungen eingegangen wie für das Vorgängermodell bei dessen Premiere, sagte Bezos. "Und wie wir an den Vorbestellungen für den Kindle Fire sehen, müssen wir unsere Kapazitäten deutlich aufstocken und Millionen Geräte mehr bauen, als wir ohnehin geplant hatten."