Nach der Kritik an seiner Beschäftigungspolitik will Amazon mehr Mitbestimmung im Unternehmen fördern. Der Onlinehändler hat allerdings keine Lust, mit der Gewerkschaft Tarifverhandlungen zu führen.

Amazon will die Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Deutschland verbessern. Doch nicht um jeden Preis. Zwar sprach sich Geschäftsführer Ralf Kleber nach dem Wirbel um die Arbeitsbedingungen bei dem Onlineversender für mehr Betriebsräte im Unternehmen aus.

Eine Abfuhr erteilte das Unternehmen jedoch Verdi. Amazon wolle mit der Gewerkschaft nicht über einen Tarifvertrag verhandeln, teilte eine Sprecherin des Versenders am Donnerstagabend mit.

"Von Angriffen der Gewerkschaft enttäuscht"

"Von Verdis scharfen Angriffen und Anschuldigungen in den letzten Tagen sind wir enttäuscht", sagte die Sprecherin. Die Gewerkschaft hatte dem Unternehmen angesichts des Wirbels um den Umgang mit Leiharbeitern mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorgeworfen.

Verdi hatte zuvor mitgeteilt, Amazon wolle keine Tarifverhandlungen. Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago nannte dies "völlig unakzeptabel".

Er kritisierte nach einem Gespräch mit der Amazon-Geschäftsführung am Standort Leipzig: "In der aktuellen Lage muss Amazon doch alles für ein besseres Image tun. Dazu gehört, wer viel von seinen Beschäftigten hält, muss auch bereit sein, faire Arbeitsbedingungen tariflich zu vereinbaren."

Verdi will Annahme des Flächentarifvertrags

Die Gewerkschaft kämpft um höhere Löhne für die fest angestellten Beschäftigten des Versandhändlers. Verdi verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben.

Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche und sieht sich nicht als Einzelhandelsunternehmen. Amazon teilte mit, die Vergütung der Mitarbeiter liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik üblich sei.

Amazon war nach einem TV-Bericht über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in die Kritik geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst sowie von einem weiteren Dienstleister getrennt. In einer ARD-Dokumentation waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern am hessischen Amazon-Standort Bad Hersfeld gezeigt worden.

dpa