Milch, Käse und Fleisch: Was amerikanische Onlinekunden bei Amazon schon kaufen können, soll in wenigen Monaten auch in Deutschland möglich sein.

Amazon ist das größte Onlinekaufhaus Deutschlands. Textilien, Elektronikartikel, Bücher - immer mehr Deutsche bestellten ihre Waren über dieses Portal. Jetzt will das Unternehmen eine weitere Branche aufmischen: den Lebensmittelhandel. Hier ist der Versender bisher zwar schon aktiv, es gibt etwa Kaffee, Gummibärchen und Nudeln - nun soll dieses Engagemet stark ausgeweitet werden. Unter dem Namen "Amazon fresh" will der Onlinehändler in diesem Sommer frische Lebensmittel anbieten, schreibt die "Bild"-Zeitung. Start sei September, berichtet das Blatt.

Demnach verhandele Amazon aktuell über Lagerflächen für vier Standorte. Auch werde Personal gesucht, das dann beim Mutterkonzern in den Vereinigten Staaten speziell für dieses Segment geschult werde. In den USA läuft bereits das Angebot "Amazon fresh", über das Kunden nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Milch und Käse bestellen können. "Bild" schreibt, dass das Sortiment in Deutschland ähnlich ausfallen werde. Auch Fleisch soll es geben.

"Lebensmittelhandel ist online-fähig"

Lebensmittelhandel online ist beileibe keine Erfindung von Amazon. Rewe liefert bereits aus, zudem gibt es Anbieter wie MyTime (mit dem Amazon kooperiert), Die Bringmeister (zu Tengelmann gehörend), food.de und der zur Deutschen Post DHL gehörende Online-Supermarkt Allyouneed.com.

Noch ist das Segment nicht bedeutend, aber das könnte sich bald ändern. "Auch der Lebensmittelhandel ist onlinefähig, erfordert jedoch extrem hohe Vorlaufinvestitionen, um aus der Nische herauszukommen. Zu beobachten sind die Vorreiter in den USA und in England", sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub unlängst der "Lebensmittelzeitung".

Gestützt wird Haubs Prognose von einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Schon 2020 werde wohl auch im Lebensmittelhandel jeder zehnte Euro per Mausklick ausgegeben.

Karsten Schaal, Gründer von food.de, ist entsprechend optimistisch. "Innerhalb des letzten Jahres haben wir unseren persönlichen Lieferdienst für frische Lebensmittel von den anfänglichen zwei Städten Berlin und Leipzig (2012) auf nun insgesamt 31 Städte ausgeweitet. Damit ist food.de bundesweit in allen Ballungsgebieten verfügbar." Das Bestreben von Amazon zeige, dass bei Verbrauchern die Skepsis gegenüber der Frischelieferung des Supermarkteinkaufs zurückgehe.