Seit Montag läuft am Amazon-Standort in Bad Hersfeld eine Urabstimmung. Verdi will die Kampfbereitschaft der Mitarbeiter ausloten. Das Ziel: Tarifliche Bezahlung.

Am größten deutschen Standort des Internet-Versandhändlers Amazon in Bad Hersfeld stehen die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaft Verdi ruft die 3.300 Mitarbeiter von diesem Montag an eine Woche lang zur Urabstimmung auf.

"Wir wollen uns bei unseren Verdi-Mitgliedern rückversichern, ob die Streikbereitschaft vorhanden ist", teilte Bernhard Schiederig, der Landesfachbereichsleiter Handel und Tarifverantwortlicher der Gewerkschaft, am Sonntag mit. "Es ist nicht akzeptabel, dass Amazon als der größte Online-Versandhändler keiner Tarifbindung unterliegt."

Die Geschäftsführung von Amazon habe den Tarifvertrag in einem Gespräch mit der Verdi-Tarifkommission zuletzt erneut abgelehnt, sagte Schiederig. Nun stünden die Zeichen auf Arbeitskampf. Mit einem Ergebnis der Abstimmung rechnet Verdi in der ersten Mai-Woche.

"Die harte Arbeit muss besser entlohnt werden"

Verdi fordert für die Beschäftigten tarifliche Arbeitsbedingungen auf dem Niveau der Einzel- und Versandhandelsbranche. "Die harte Arbeit im Lager muss besser entlohnt werden. Mit Tarif wäre der monatliche Verdienst für die größte Beschäftigungsgruppe der Kommissionierer und Packer 120 Euro höher", erklärt die vor Ort zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke.

"Wer über zwei Jahre bei Amazon arbeitet, erhält derzeit 1.872 Euro, nach Tarif wären es 1.985 Euro. Hinzu kämen Zuschläge für Mehrarbeit, Nacht- und Sonntagsarbeit sowie ein tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld."

Bei einer Urabstimmung am Standort Leipzig hatten
vor gut zwei Wochen 97 Prozent der teilnehmenden Verdi-Mitglieder für einen Streik votiert.