Amazon hat südamerikanische Staaten gegen sich. Es geht um neue Möglichkeiten von Domainnamen im Internet. Was für den Onlinehändler gutes Marketing wäre, will nicht nur Brasilien nutzen, um für eine Region zu werben.

Der Onlinehändler Amazon streitet mit mehreren südamerikanischen Staaten um die Internetendung .amazon: Im Zuge der Vergabe neuer sogenannter Top-Level-Domains (TLDs) durch die Organisation zur Verwaltung der Namen im Internet ICANN will sich das nordamerikanische Unternehmen diese Endung sichern.

Wenn Amazon die Internetendung zugesprochen bekommt, könnte der Händler beliebige Seiten und Shopadressen vor diese Internetendung setzen. So könnte der Onlinehändler beispielsweise seine Lesegeräte für elektronische Bücher Kindle unter www.kindle.amazon verkaufen, Kategorie-Shops wie etwa www.LCD-Fernseher.amazon einrichten oder Herstellern und Händlern einen eigenen .amazon-Shop einrichten, wie www.dm.amazon oder www.microsoft.amazon.

Allerdings haben sich mehrere südamerikanische Staaten unter der Führung Brasiliens zusammengetan und beanspruchen die Domain-Endung für sich. Über das Government Advisory Committee (GAC) der ICANN haben nun Brasilien und Peru Widerspruch gegen die Vergabe von .amazon an den Onlinehändler eingelegt, berichtet das Internetportal Tech Week Europe.

Schutz der Amazonas-Region weltweit publik machen

Die beiden Länder vertreten demnach auch die Interessen von Bolivien, Ecuador, Guyana und Argentinien, die selbst keine Mitglieder in dem Komittee sind. Sie wollen verhindern, dass Amazon exklusive Rechte an der Internetendung erhält, weil diese angesichts des offensichtlichen öffentlichen Interesses dazu genutzt werden soll, das Bewusstsein für die Notwendigkeit des Schutzes der Amazonas-Region in Südamerika weltweit zu stärken und die Belange der Gegend bekannter zu machen.

Formal argumentieren die Staaten dabei mit dem Markenrecht, auf das sich der Onlinehändler bei der Registrierung gestützt hatte. Denn der Begriff sei beispielsweise auch Namensbestandteil der "Amazon Cooperation Treaty Organization" (ACTO), in der sich die Anreinerstaaten des Flusses zusammengetan haben, um die Entwicklung des Amazonasbeckens voranzutreiben.

.app, .talk, .drive wecken Begehrlichkeiten

Mitte des Jahres hatte ICANN die Bewerbungen um die neuen Top Level Domains veröffentlicht und damit den Auftakt für einen Wettstreit um die Adressendungen im Internet gestartet. Internetunternehmen wie Amazon und Google hatten in 21 Fällen dieselben Endungen beantragt, etwa .app, .talk oder .drive.

Gibt es mehrere Anwärter auf eine Internetendung, sollen sich die Kandidaten laut Icann untereinander einigen. Schaffen sie das nicht, will die die Organisation die Adressen unter den jeweiligen Kandidaten versteigern. Insgesamt wurden 231 Domainendungen mehrfach gewünscht.

Für den Adressenvergeber Icann kann das noch zum einträglichen Geschäft werden: Jede Bewerbung um einen Namen hat die Bewerber mindestens 185.000 Dollar gekostet. Die Gebühr soll Medienberichten zufolge nicht zurückgezahlt werden, selbst wenn der Antrag erfolglos ist.