Nur wenige Tage nach Bekanntwerden der schlechten Arbeitsbedingungen für Leiharbeiter bei Amazon hat der Versandriese gehandelt. Die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Wachdienst wurde beendet.

Es ist für ein Unternehmen nie gut, wenn es selbst von der großen Politik mit Argwohn beobachtet wird. Am Wochenende hatte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte um Amazon eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit dem Versender zusammenarbeitet, mit einem Lizenzentzug gedroht.

Schon diesen Montag hat Amazon gehandelt.  Fünf Tage nach der Ausstrahlung der ARD-Dokumentation über Schikanen für Leiharbeiter bei Amazon stellt der Versender die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst H.E.S.S. (Hensel European Security Services) ein.

"Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber von rund 8.000 festangestellten Logistikmitarbeitern hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung - und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten", teilte Unternehmenssprecherin Christine Höger auf Anfrage von sueddeutsche.de mit.

Logistik, kein Einzelhandel

In der TV-Dokumentation vom vergangenen Mittwoch (13.) wurden über Schikanen des Sicherheitsdienstes berichtet. Erwähnt wurde auch, dass einige Mitarbeiter von H.E.S.S. Textilien der Marke Thor Steinar getragen haben. Diese ist beliebt in der rechtsextremen Szene.

Die Gewerkschaft Verdi kämpft derweil um höhere Löhne für die fest angestellten Beschäftigten des von Amazon. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld in Hessen hätten erste Gespräche mit dem US-Unternehmen stattgefunden, berichtete der Frankfurter Verdi-Sekretär Bernhard Schiederig am Montag. Man fühle sich stark genug, einen Tarifvertrag durchzusetzen.

Verdi verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Daraus würden sich deutlich höhere Stundenlöhne ergeben. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche. Für das Unternehmen sind die Jobs in den Versandzentren Logistiktätigkeiten. "Wir ordnen diese nicht dem Einzelhandel zu", hatte  Unternehmenssprecherin Höger schon vor einiger Zeit zu derhandel.de gesagt.