Harry Gottlieb, City Market, 1943, Metropolitan Museum of Art
Harry Gottlieb, City Market, 1943, Metropolitan Museum of Art
Allerorten machen lokale Marktplätze die Rettungsboote für den stationären Handel klar. Das schauen sich die Big Player Amazon und eBay nicht tatenlos an und locken nun in ihre Arche.

Amazon als Retter des lokalen Handels? Unter der Schlagzeile “Amazon Prime Now Adds Local Stores In Manhattan” mausert sich Amazon zum Nahversorger, der Prime-Kunden mit den Produkten aus der Nachbarschaft versorgt.

"Now, we are expanding the service to include delivery from local stores. So whether you’re ordering diapers and a big-screen television from Amazon, fresh produce from D’Agostino, a chef-made prepared meal from Gourmet Garage or cupcakes from Billy’s Bakery, we will get all of the items right to your door in lightning-fast speeds”, verspricht Amazon und nimmt damit Anlauf, um lokalen Marktplätzen, aber auch Instacart und Shopwings das Wasser abzugraben. Das Konzept ergänzt das Programm Amazon Home Services mit dem Amazon lokale Dienstleister vermittelt.

Lokale Händler umwirbt auch eBay. Beispielsweise im Rahmen seiner Click & Collect-Option, der sich vor allem große Ketten angeschlossen haben.
Damit nicht genug: Über die Plattform ebaylocal.com (ehemals eBay Now) können Kunden in den USA Produkte lokaler Händler suchen, die Ware per Same Day Delivery zustellen lassen oder per Click & Collect abholen. Das Konzept würde Anbietern wie Atalanda, Locafox oder Simply Local in die Parade fahren.

Das Konzept lässt sich noch mit einem anderen Spin versehen. Wie Internet World erfahren hat,bringt eBay ab Herbst Händler aus Mönchengladbach unter der Website “Mönchengladbach auf Ebay” gemeinsam online.  Hinter dem Projekt steht unter anderem das eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein. Auf der Plattform sollen sich die Händler auch mit eigenen Profilen vorstellen können. Obendrein will eBay den Teilnehmern das Tool Inventorum, ein iPad-Kassensystem mit eBay-Integration, anbieten. eBay kann außerdem zum Start wohl mit seinem Händler-Fundus wuchern. Immerhin nutzen schon heute mehr als 400 gewerbliche Händler aus Mönchengladbach eBay als Vertriebskanal.

Da dürften die Regale voller wirken als beispielsweise bei der "Online City Wuppertal", wo sich gerade lustlose Händler verabschieden und Überzeugungstäter sehen müssen, wie sie die Attraktivität der Plattform bei den Kunden der Stadt steigern. Für manch einen ist das auch eine Frage der Investitionsbereitschaft und des langen Atems. Unkenrufen von der "Offline-City" begegnet Marktplatz-Berater Andreas Haderlein denn auch bei Location Insider mit dem Gleichnis von Spreu und Weizen.

Doch wenn sich solche lokale Modellen halten wollen, werden sie mit bescheidenen Etats, wie sie die Händler aus städtischen Werbegemeinschaften gewohnt sind, gegen die finanzmächtigen Global Player nicht lange behaupten können. Dann lieber das Geld gleich in die Weihnachtsbeleuchtung investieren. Ist ja auch ganz schön.