Nach und nach finden Versandtöchter des ehemaligen Arcandor-Konzerns neue Besitzer. So geht nicht nur der erfolgreiche Versender Baby-Walz an einen amerikanischen Multichannel-Spezialisten.

Das einstmals stolze Arcandor-Imperium liegt in Trümmern - doch zwischen den ganzen Scherben glänzen einige Perlen, die vor allem zur bisherigen Versandhandelstochter Primondo gehören. Sechs davon hat sich nun der amerikanische Finanzinvestor The Carlyle Group gesichert, ein Spezialist für Multichannel. Es sind das Versandhaus Baby-Walz, Planet Sports, Bon’A Parte, Elégance, Mirabeau and 50 Prozent Anteile an Vertbaudet Deutschland.

Gut ein Jahr nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften ist damit die Auflösung von Primondo weit vorangekommen.

Ursprünglich wollte der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg Primondo mit dem Flaggschiff Quelle als Ganzes verkaufen. Doch der Plan scheiterte, nach einem dramatischen Hin und Her war am 19. Oktober 2009 klar: Der Fürther Traditionsversender wird abgewickelt, Tausende verlieren ihren Arbeitsplatz. Nur die Markennamen "Quelle" und "Privileg" überleben - unter dem Dach des Konkurrenten Otto.

Goldstück Baby-Walz

Für andere Unternehmensbestandteile gibt es eine Zukunft. So wird der Shoppingsender HSE24 an die französische Beteiligungsgesellschaft Axa Deutschland Private Equity verkauft, vier regionale Unternehmer übernehmen die KüchenQuelle. Der Foto-Dienstleister Orwo sichert sich die Vermögenswerte der Foto-Quelle, und auch der technische Kundendienst Profectis findet einen Abnehmer.

In kräftige Arme kann sich der Universalversender Neckermann retten - der Finanzinvestor Sun Capital Partners übernahm vor wenigen Wochen auch die zuvor noch zu Primondo gehörenden 49 Prozent.

Als Goldstücke gelten einige der Spezialversender, die gemeinsam mit Quelle in der Tochtergesellschaft Primondo Speciality Group zusammengefasst waren. Von dem nun verkauften Bündel ist das schwäbische Traditions-Unternehmen Baby-Walz, das für den Versand sowie in mehr als 80 Filialen rund 1.700 Mitarbeiter beschäftigt, der größte Umsatzbringer.

Damit bleiben nur noch einige wenige Primondo-Bestandteile wie das Versandhaus Peter Hahn, das Atelier Goldner Schnitt und vor allem der Ökotextilien-Spezialist Hessnatur übrig. Die Spezialversender kontrollliert letztlich der Karstadt-Quelle-Pensionsfonds; sie waren zur Sicherung der Altersvorsorge früherer Arcandor-Mitarbeiter an den Mitarbeitertrust verpfändet worden.

Wachstumsmarkt Versandhandel

Ein Verkauf könnte gutes Geld bringen, denn der Versandhandel boomt: "Allgemein geht es der Branche sehr gut, und sie macht ein gutes Wachstum auch in diesem Jahr", erklärt Christin Schmidt vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels. Olaf Roik, E-Business-Experte im Handelsverband Deutschland (HDE), sekundiert: "Der Versandhandel ist ein wichtiger Bereich des Einzelhandels in Deutschland."

Gut 29 Milliarden Euro werden in diesem Jahr voraussichtlich im Versandhandel erlöst, das sind rund 7 Prozent aller Einzelhandelsumsätze. Triebkraft ist in der zurückliegenden Dekade vor allem das Geschäft im Internet gewesen. "Hier haben wir eine extrem dynamische Entwicklung erlebt, die den Versandhandel insgesamt noch befeuert hat", erläutert Roik. Mehr als die Hälfte aller Fernkäufe würden inzwischen über das Netz abgewickelt.

Rund 50.000 Händler bieten dort dem HDE zufolge bereits ihre Waren feil. Darunter sind Branchenriesen wie Amazon, Otto oder Weltbild, große Herstellershops wie Esprit und H&M, zahlreiche Spezialisten, die in den letzten Jahren besonders stark zugelegt haben, sowie sehr viele mittelständische Unternehmen.

Auch die Turbulenzen rund um die Quelle-Pleite haben dem Versandgeschäft nicht geschadet. Experten zufolge gab es weder einen Rückgang des Gesamtvolumens noch eine spürbare Verschiebung hin zu bestimmten anderen Anbietern. Und es soll weiter aufwärtsgehen. Von "dem anhaltenden Wachstumspotenzial" zeigen sich auch die Baby-Walz-Käufer überzeugt: "Deutschland ist der größte Homeshopping-Markt in Europa. Der deutsche Versandhandelsmarkt wächst zwischen 2010 und 2015 voraussichtlich um 4 Prozent", sagt Gregor Boehm, Managing Director von Carlyle Europa.