Trotz Finanzkrise haben die Verbraucher mehr Geld in der Tasche, sagt der Chef des DIW. Selbst die Inflationsrate soll zurückgehen.

Gute Nachrichten für den Einzelhandel: Bis zum Jahresende dürfte der Inflationsdruck der vergangenen Monate spürbar nachlassen - mit entsprechenden Folgen für die Kaufkraft der Konsumenten.

Besonders sinkende Energiepreise kämen den Geldbeuteln der Verbraucher zugute, sagte der Konjunktur-Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Christian Dreger, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Dieser Rückgang ist ein erhebliches Konjunkturprogramm", betonte Dreger.

Hoffungen auf Weihnachtsgeschäft

Dreger erwartet während der letzten Monate einen stetigen Rückgang der Inflationsrate - auf etwa 2,4 bis 2,5 Prozent bis Dezember. "Dann bleibt dem Verbraucher allmählich auch mehr Geld in der Tasche."

Zwar läge der Preisauftrieb immer noch deutlich über der Warnschwelle der Europäischen Zentralbank (EZB), die von Preisstabilität bei Teuerungsraten knapp unter 2 Prozent spricht. Gemessen an den Spitzenwerten des laufenden Jahres - 3,3 Prozent im Juni und Juli - ist der Trend aber deutlich nach unten gerichtet.

Das könne auch dem Einzelhandel Hoffnungen für das Weihnachtsgeschäft machen, meint Dreger: "Ende diesen Jahres merkt der Verbraucher den Zuwachs bei der Kaufkraft." Diese Prognose äußerte schon vor Wochen auch der Magdeburger Volkswirtschaftler Professor Dr. Horst Gischer in derhandel.de. Diesen Optimismus teilten auch Einzelhändler.

Psychologie heute

Allerdings seien auch psychologische Momente dafür verantwortlich, ob der Verbraucher dies auch in zusätzliche Einkäufe ummünzen.

Gründe für das nötige Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft gibt es laut Dreger derzeit genug: Die Beschäftigungsperspektiven hätten zugenommen, im Aufschwung seien 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen worden und es gebe derzeit keine Anzeichen für eine Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Kräftige Lohnerhöhungen, um die Konjunktur angesichts der Finanzkrise anzukurbeln, hält Dreger für "ein zweischneidiges Schwert". Das Einkommen der Beschäftigten steige zwar, ebenso aber auch die Kosten der Unternehmen. "Am Ende gibt es dann mehr Lohn für weniger Leute."

Staat soll nicht sparen

Auch Vorschläge, wie etwa die umstrittene Steuerbefreiung beim Kauf eines umweltfreundlichen Autos, lehnt Dreger ab. Dann würden mehr Autos gekauft oder zumindest mehr Auto gefahren. "Das führt dann vor allem zu einer höheren Klimabelastung."

Dreger fordert vom Staat vielmehr, beim öffentlichen Haushalt nicht restriktiv vorzugehen. "Der Staat darf wegen der Krise nicht zusätzlich sparen."

dpa, Steffen Gerth