Mit der Übernahme der Mehrheitsanteile an der Garant Schuh + Mode AG will die Verbundgruppe Anwr ihre Internationalisierung vorantreiben - und eine Antwort auf die Konzentration in der Branche geben.  

Die Anwr-Verbundgruppe aus dem Schuh- und Sporthandel hat, wie am Wochenende bekannt wurde, 70 Prozent der Anteile an der Garant Schuh + Mode AG übernommen.

"Durch die Bündelung der Stärken wollen wir unsere internationale Marktausrichtung ausbauen", erklärte Günter Althaus, Anwr-Vorstandsvorsitzender auf einer Pressekonferenz am Montag in Frankfurt am Main.

Künftig sollen die internationalen Aktivitäten der neuen Gruppe vom Düsseldorfer-Standort der Garant Schuh geführt werden. Matthias Grevener, Finanzvorstand der Anwr, wird hierzu von der Mainhausener Zentrale nach Düsseldorf wechseln.

Bündelung der Kräfte

Die Garant und ihre verbundenen Unternehmen Rexor (Schuhhandel), Fair Play (Sporthandel) und Goldkrone (Lederwaren) sollen künftig innerhalb der Anwr-Holding als Garant-Gruppe weiter eine eigenständige Position einnehmen und "auf Augenhöhe" nebeneinander agieren, wie die Vorstände beider Unternehmen auf der gemeinsamen Pressekonferenz betonten.

"Dies ist eine ideale Verbindung, und sie ist zu diesem Zeitpunkt auch erforderlich", sagte Althaus zur Übernahme. "Angesichts der Konzentration auf Seiten der Industrie und des Handels ist es nur folgerichtig, wenn auch auf Seiten der Kooperationen eine Bündelung stattfindet".

Der Handel müsse gemeinsam mit der Industrie eine Antwort auf die Vertikalisierung und die zunehmende Geschwindigkeit in der Branche finden. Mit Blick auf den Textilhandel habe der Schuhhandel diesbezüglich Aufholbedarf.

Drei eigenständige Verbundgruppen in Deutschland

"Unser Ziel ist, gemeinsam mit der Garant zu wachsen und die marktführende Kooperation in allen Länder zu werden, in denen wir tätig sind", erklärte Althaus.

Die Garant Schuh + Mode AG ist derzeit in 19 Ländern aktiv und erzielt 70 Prozent ihres Gesamtumsatzes von rund 741 Millionen im Ausland. Die Anwr-Gruppe erzielt demgegenüber 85 Prozent ihres Geschäftsvolumens von 5,8 Milliarden Euro in Deutschland.

Neben ihrer Rolle als Einkaufs- und Dienstleistungskooperation von Schuh- und Sporthändlern erbringt die Anwr über ihre Tochtergesellschaften DZB Bank und Aktivbank AG Finanzdienstleistungen - insbesondere die Zentralregulierung - für zahlreiche Verbundgruppen des Einzelhandels.

Künftig soll es in Deutschland drei eigenständige Schuhhandels-Verbundgruppen unter dem Dach der Anwr geben: Anwr, Rexor und Garant. Dazu wird die Garant eine eigene Gesellschaft in Deutschland gründen.

Für Österreich, Schweiz, Frankreich und den skandinavischen Ländern soll bis spätestens Mitte dieses Jahres entschieden werden, ob die Aktivitäten der Gruppen zusammengeführt werden oder nicht.

In den Niederlanden und Belgien soll es aufgrund der bereits erreichten Größe in jedem Fall bei den bisherigen eigenständigen Marktauftritten der beiden Kooperationen bleiben.

Gemeinsamn mit der Garant-Gruppe bündelt die Anwr nun 4.230 Schuhhändler (Anwr, Garant, Rexor, Quick Schuh, ESGE Garant), 1.195 Sporthändler (Sport 2000, Fairplay), 501 Fahrradhändler (BICO) und 435 Lederwarenhändler (Goldkrone) mit insgesamt rund 10.000 Fachgeschäften in 19 Ländern Europas.  

Pflichtangebot an Aktionäre steht aus

Den verbleibenden Aktionären muss die Anwr noch ein Pflichtangebot zur Übernahme der ausstehenden Anteile unterbreiten. Zum Zeitpunkt und zur Höhe dieses Angebots, dass auch Rückschlüsse auf den Kaufpreis zulassen wird, konnte Althaus noch keine Angaben machen.

"Die derzeitige Höhe unserer Beteiligung genügt auf jeden Fall, um unsere strategischen Ziele zu erreichen", sagt der Anwr-Vorstandsvorsitzende mit Blick auf das Pflichtangebot. Bereits seit der Insolvenz der Garant Schuh+ Mode AG im Jahr 2004 sei die Übernahme der Düsseldorfer Konkurrenz ein Überlegung im Hause der Anwr gewesen.

Auf die Frage, warum die neue Gruppe keinen neuen gemeinsamen Namen erhalte, erklärte Althaus: "Wir sind eine Kooperation für selbstständige Einzelhändler. In diesem B2B-Geschäft ist es nicht wichtig, einen eigenen Markennamen zu haben".