"Hunger und Durst" statt Benzin und Öl: Die Aral-Tankstellen sollen künftig noch mehr Verpflegungsstation für den Kraftfahrer sein, als Versorger für dessen Auto. Ab 2011 werden die Shops verändert.

Eigentlich ist es nicht überraschend, dass Aral seit der Havarie der Ölbohrplattform im Golf von Mexiko keineswegs unter einem spürbaren Kundenboykott leidet. Mag die Konzernmutter BP wegen dieser Katastrophe weltweit stark in der Kritik stehen - die Deutschen tanken weiterhin bei Aral, wie Unternehmenssprecher Detlef Brandenburg versicherte.

Aber was heißt schon tanken? 60 Prozent der Erträge erzielten Aral-Tankstellenpartner  im Jahr 2009 nicht mit Benzin und Schmierstoffen - sondern im Shop.

"Ohne diesen Bereich ist heute keine Tankstelle mehr wirtschaftlich zu betreiben", sagte Anja Schreck, Leiterin Shopgeschäft bei Aral, als das Unternehmen in Frankfurt die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr sowie das erste Halbjahr 2010 bekannt gab.

Alkohol verkauft sich schlechter

Rund 2.500 Tankstationen firmieren unter dem blau-weißen Araldach, 1.360 Partner gehören zum gesellschaftseigenen Netz. Und diese Betriebe erzielten mit ihren Shops im Jahr 2009 einen Außenumsatz von rund 1,53 Milliarden Euro - 1,4 Prozent weniger als im Jahr davor.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres liegt der Außenumsatz der Shops "leicht über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres", wie Schreck betonte.

Im vergangenen Jahr sind in den Aral-Shops die besonders die Bereiche Food Service (PetitBistro), Heißgetränke, Erfrischungsgetränke, Autopflegeprodukte und Tabak gewachsen. "Diese Entwicklung setzte sich auch im ersten Halbjahr 2010 fort", sagte Schreck.

Überdurchschnittlich gut wuchs auch 2009 das Segment Heißgetränke - hier stieg der Nettoumsatz um 11,9 Prozent auf 34,8 Millionen Euro. "Damit haben wir hier sechs Jahre in Folge ein zweistelliges Wachstum", betonte die Leiterin des Shopgeschäfts.

Rückläufig dagegen ist der Alkoholverkauf. Schwächer laufen auch Süßwaren und vor allem Lebensmittel.

Stark getroffen wurde Aral vom Verbot in Baden-Württemberg, wo seit 1. März nach 22 Uhr in Tankstellen, Kiosken und Supermärkten kein Alkohol verkauft werden darf. "Drastisch" seien die Absätze dort zurückgegangen, sagte Anja Schreck, auch das Zusatzgeschäft (Knabberwaren) sei davon betroffen. "Der Händler vor Ort muss jetzt das Beste aus den anderen Sortimenten herausholen."

Eine warme Mahlzeit an der Tankstelle

Aral befürchtet aber nicht, dass auch andere Bundesländer dieses Alkoholverkaufsverbot kopieren werden. Trotzdem setzt das neue Shop-Konzept von Deutschlands größtem Tankstellenbetreiber Schwerpunkte auf andere Sortimente.

Schon im kommenden Jahr will Aral beginnen, sein sechs Jahre altes Shop-Konzept zu modernisieren. Der Bereich "Food" (2009 mit einem Umsatzrückgang um 1,6 Prozent auf 169,8 Millionen Euro) wird dabei deutlich stärker gewichtet.

Schon 2009 führte Aral hier Kaffee aus nachhaltiger Produktion ein. Künftig soll der Menü-Gedanken forciert werden, wie es Matthias Pape formulierte, Leiter Food Service bei Aral. Zudem soll das Angebot von warmen Snacks ausgebaut werden.
 
Die Tankstellen wollen damit die Umsätze auch außerhalb der Hauptumsatzzeiten von "Food" steigern: das ist bisher zur Frühstückszeit zwischen 6 und 10 Uhr.

Pape glaubt auch daran, dass der Bereich "Frische" bei Aral eine Chance hat. "In den Ballungszentren werden wird hier dranbleiben", betonte er, sagte aber auch, dass die Investitionen in diesem Segment bescheiden ausfallen würden.

Kraftfahrer sollen von den Motiven "Hunger und Durst" geleitet werden, um bei Aral zu stoppen, sagt Anja Schreck. Snacks, Backwaren, guter Kaffee sowie eine gestärkte Impulskaufzone sollen den Kunden vergessen lassen, dass er eigentlich nur gekommen war, um zu tanken.