Offenbar hat Amazon beim Einsatz von Leiharbeitern die Arbeitsagentur ausgetrickst. Die Behörde wettert nun gegen das Versandunternehmen. Die Leiharbeitsfirma fühlt sich hingegen auf der sicheren Seite.

Turbulente Tage bei Amazon. Der Internet-Versandhändler Amazon trennt sich angesichts der anhaltenden Kritik am Umgang mit Leiharbeitern von einem weiteren Dienstleister. Die Firma war unter anderem für die Unterbringung der in der Weihnachtszeit eingesetzten Zeitarbeiter im Feriendomizil Seepark im hessischen Kirchheim verantwortlich. Der in Leipzig sitzende Dienstleister wollte sich am Dienstag nicht zu dem Thema äußern. Es liege noch keine Kündigung vor, erklärte eine Sprecherin.

Zuvor hatte sich Amazon bereits von einem Sicherheitsdienst getrennt, der auch in dieser Anlage Leiharbeiter überwachte und einem Bericht der ARD zufolge schikanierte und gängelte. Ob Amazon seit der Ausstrahlung des Fernsehbeitrags vor einer Woche in Deutschland Umsatzeinbußen hinnehmen musste, war am Dienstag nicht zu erfahren. Amazon ließ entsprechende Anfragen zunächst unbeantwortet.

 

"Amazon wollte die Leute nicht einstellen"

Die für das Amazon-Logistikzentrum in Bad Hersfeld zuständige Arbeitsagentur sieht sich von den Verantwortlichen des Unternehmens getäuscht. Man sei bei der Vermittlung von 68 Saisonarbeitskräften aus Spanien stets davon ausgegangen, dass diese bei Amazon direkt eingestellt würden, erklärte die Agentur Bad Hersfeld-Fulda. Wie die Beschäftigten habe man erst zwei Tage vor Arbeitsantritt erfahren, dass eine Zeitarbeitsfirma zwischengeschaltet werden sollte.

"Amazon wollte die Leute nicht einstellen", sagte Agenturchef Waldemar Dombrowski der Nachrichtenagentur dpa. Die Agentur habe ihren Unmut darüber in Gesprächen mit dem Unternehmen deutlich gemacht und werde in Zukunft auf Einhaltung der Spielregeln bestehen. Andererseits seien die Spanier in korrekte Beschäftigungsverhältnisse bei der Zeitarbeitsfirma vermittelt worden und hätten diese Verträge auch freiwillig abgeschlossen.

Beschwerden wegen der in einer ARD-Reportage stark kritisierten Unterbringung seien nicht an die Agentur herangetragen worden. Man habe im Vorjahr sehr gute Erfahrungen mit der Saisonarbeit bei Amazon gemacht.

Trenkwalder fühlt sich zu Unrecht beschuldigt

Der Personaldienstleister Trenkwalder weist Vorwürfe im Zusammenhang mit der Behandlung von Leiharbeitern bei Amazon zurück. Das Unternehmen sei nach einer ARD-Dokumentation einer behördlichen Sonderprüfung unterzogen worden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. "Die Prüfung des Zolls hat zu keiner Beanstandung geführt. "Die Prüfung der Bundesagentur für Arbeit hat die öffentlich vorgebrachten Anschuldigungen nicht bestätigt", heißt es in der Stellungnahme. Zudem habe man 2012 nur einen kleinen Teil der Mitarbeiter für das Amazon-Weihnachtsgeschäft gestellt.