Für Arcandor läuft die Zeit ab: Der Konzern braucht binnen vier Wochen eine Entscheidung über eine Staatsbürgschaft. Der Antrag erfolgt bereits in der kommenden Woche.

„Bis zum 12. Juni müssen wir das Thema verabschiedet haben", sagte der Vorstandschef des Handels- und Tourismuskonzerns, Karl-Gerhard Eick, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Bis dahin muss das Unternehmen eine Einigung mit einem Banken-Konsortium über die Verlängerung einer Kreditlinie von 650 Millionen Euro erzielen.

Insgesamt stehen für dieses Jahr 960 Millionen Euro zur Refinanzierung an. Für die Sanierung gibt es in den kommenden fünf Jahren zusätzlich einen Finanzbedarf von 900 Millionen Euro.

Ist Arcandor systemrelevant?

Der Antrag auf eine Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro werde von den Hausbanken des Unternehmens voraussichtlich bis Ende kommender Woche vorgelegt, kündigte der Arcandor-Chef an.

„Wir wollen weder etwas geschenkt, noch wollen wir den Einstieg des Staates als Aktionär bei Arcandor oder sonstige Finanzspritzen", sagte Eick in einer Pressemitteilung. "Was wir anstreben, ist eine staatliche Bürgschaft, die die derzeit mangelnde Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte temporär ausgleicht."

Bei ersten Vorgesprächen habe man „positive Signale" erhalten, sagte Eick. Der Konzern erfüllt nach seiner Überzeugung alle für die Antragstellung notwendigen Kriterien und sei von volkswirtschaftlicher Bedeutung. Dass Arcandor nun Schwierigkeiten habe, Kredite zu verlängern oder neue zu erhalten, sei vor allem der Finanzkrise geschuldet. Arcandors Bitte um Staatshilfe wurde von Wilfried Hollmann, Präsident des Mittelstandsverbandes ZGV sowie vom Metro-Konzernchef Eckhard Cordes scharf kritisiert.

Warenhäuser als Kerngeschäft

Arcandor sei in den zwei Geschäftsjahren vor dem Stichtag am 1. Juli 2008 weder zahlungsunfähig noch überschuldet gewesen, betonte Eick. Der Stichtag ist bedeutsam, da Staatsgarantien nur für Unternehmen zur Verfügung stehen, die erst nach dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gekommen sind. „Wir hatten Ende September 2007 rund 700 Millionen Euro intaktes Eigenkapital, haben immer alle unsere Rechnungen, Mieten und Gehälter gezahlt", bekräftigte Eick.

Der Arcandor-Chef zeigte sich überzeugt, dass eine Sanierung der Warenhaustochter Karstadt gelingen kann. Das Warenhausgeschäft werde auch künftig Bestandteil des Konzerns bleiben und stehe nicht zum Verkauf. Für die drei Luxuskaufhäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München habe man bereits „viele Interessenten".

Nach Informationen von derhandel.de hat die Arcandor-Krise auch Auswirkungen auf die geplante Fusion der Handelsverbände HDE und BAG. Arcandor soll gegenüber den Verbänden eine Garantie über die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen im nächsten Jahr abgeben, um die Finanzen des geplanten gemeinsamen Verbandes abzusichern.