Die Politik nimmt die Eigentümer des angeschlagenen Konzerns Arcandor immer stärker in die Pflicht. Ein Spitzengespräch im Wirtschaftsministerium brachte keine Ergebnisse.

Die Zukunft des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor ist auch nach einem Spitzentreffen in Berlin weiter offen. Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba sagte nach einem gut zweistündigen Gespräch am Freitag, es seien verschiedene Lösungsansätze besprochen worden. Dazu gehöre auch ein mögliches Zusammengehen mit dem Metro-Konzern und eine Fusion des Warenhausgeschäftes als auch ein Alleingang von Arcandor.

Die Eigentümer seien bereit, einen Beitrag zu leisten, sagte Otremba, ohne Details zu nennen. Über eine Brückenfinanzierung für Arcandor werde weiter beraten. Am Gespräch in berlin nahmen Arcandor- und Metro-Spitzenmanager sowie Vertreter der Eigentümer, Gläubiger und Banken teil.

Stärkere Beteiligung gefordert

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erwartet laut seiner Sprecherin stärkere Beiträge der Eigentümer bei der Sanierung des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor.

Damit steht er nicht allein: Der Ruf nach einer Kapitalerhöhung und einer stärkeren Beteiligung der beiden Haupteigentümer von Arcandor wird immer lauter. Die Familie Schickedanz und die Privatbank Sal. Oppenheim halten zusammen etwa 60 Prozent am Handels- und Touristikkonzern.

Scharfe Kritik der Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ebenfalls bereits deutlich gemacht, dass für sie vor allem eine privatwirtschaftliche Lösung wünschenswert sei. „Wenn man anders als bei Opel reiche Eigentümer und gute Gläubiger hat, dann kann man nicht einfach zum Staat rennen und sagen, nun soll mal der Staat helfen, sondern dann müssen die erstmal versuchen, sich selber zu helfen", sagte Merkel.

Die Eigentümer hätten aus Sicht der Kanzlerin Mittel und auch Möglichkeiten, um dem Unternehmen zu helfen, betonte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Die Bundesregierung erwartet, dass die Eigentümer mit einem „substanziellen Beitrag" deutlich machen, dass sie an die Zukunft von Arcandor glauben.

Finanzminister Steinbrück mahnt

Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) mahnte, Eigentümer und Manager von Arcandor in die Pflicht zu nehmen. Es gebe mehrere Bausteine, die bei einer möglichen Stützung des Unternehmens zu prüfen seien, sagte er am Freitag im nordrhein-westfälischen Langenfeld (Rheinland).

Hierzu gehörten neben den Eigenbeiträgen der Großaktionäre Schickedanz und Sal. Oppenheim auch das unternehmerische Konzept für eine mögliche Fusion zwischen Karstadt und Kaufhof, das noch im weiteren Verlauf zwischen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und seinem Metro-Vorstandskollegen Eckhard Cordes auszuarbeiten sei.

Arcandor hat bei der Bundesregierung einen Notkredit über 437 Millionen Euro beantragt. Das Geld soll aus der staatlichen Rettungsbeihilfe kommen und die Liquidität für die nächsten sechs Monate sichern.