Die IT-Tochter des insolventen Handelskonzerns Arcandor wird unter eigener Flagge, aber mit altem Namen weitergeführt. Karstadt bleibt zunächst weiter der größte Kunde.

Die IT-Tochter der insolventen Arcandor-Gruppe ist gerettet: Dies bestätigte Jörg Bornheimer, der Beauftragte des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, auf einer Pressekonferenz heute in Essen. Die Geschäfte der früheren Itellium Systems & Services GmbH werden am Essener Standort fortgeführt, alle 260 Arbeitsplätze dort bleiben erhalten.

Die neue Itellium Services GmbH wird von den beiden Investoren Jens-Uwe Holz, ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung von HP sowie früherer Deutschland-Geschäftsführer von EDS, und Uwe Brückner, Geschäftsführer der bisherigen Itellium, geleitet.

Insolvenzverwalter von Konzept überzeugt

"Ich bin davon überzeugt, dass das Unternehmen mit dieser Geschäftsführung eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat. Das Konzept ist in allen Aspekten überzeugend", erläuterte Bornheimer. "Wir haben alle notwendigen Verträge unterzeichnet, so dass Itellium sofort durchstarten kann. Ich freue mich, dass wir damit rund 260 qualifizierte Arbeitsplätze in Essen gesichert haben."

Der Standort Nürnberg, von dem der Kunde Quelle mit rund 240 Mitarbeitern von Itellium betreut wurde, wird jedoch zum 31. Januar 2010 geschlossen. Der Standort Frankfurt wurde ebenfalls geschlossen: Von den zehn ehemaligen Itellium-Mitarbeitern, die sich dort um Neckermann.de gekümmert haben, wurden sieben von Neckermann übernommen.

Die Warenhaus-Tochter Karstadt bleibe auch weiterhin der größte Kunde der ehemaligen Arcandor-IT-Tochter: "Ohne eine funktionierende IT ist ein Warenhauskonzept nicht überlebensfähig", betonte Bornheimer. Zudem habe die ehemalige Arcandor-Tochter so auf absehbare Zeit die Sicherheit, verlässliche Umsätze zu erwirtschaften.

"Ein Rohdiamant"

In der Geschäftsführung übernimmt Holz die Verantwortung für die Bereiche Vertrieb, Marketing und die Entwicklung neuer Produkte. Brückner leitet die Produktion und den kaufmännischen Bereich.

"Wir sehen in Itellium einen Rohdiamanten, den es zu veredeln gilt. Daher investieren wir, um uns laufend zu verbessern und so wachsen zu können", begründet Holz sein Engagement bei dem IT-Dienstleister. "Itellium ist am Markt eingeführt, in der Branche bekannt und der Name ist positiv belegt. Das Unternehmen hat aus meiner Sicht hervorragende Chancen."

Dreijahresplan: Verdopplung des Auftragsvolumens

Auch Brückner gab sich optimistisch, dass die Kunden - neben der bisherigen Mutter Arcandor sind dies auch beispielsweise Wehmeyer sowie das Marburger Kaufhaus Ahrens - mitziehen werden: "Wir führen bereits Erfolg versprechende Gespräche mit aktuellen und potenziellen Kunden, die unternehmenskritische Geschäftsprozesse mit Mitteln der modernsten IT-Technologie dauerhaft optimieren wollen", versicherte Brückner. "Auch während der Insolvenzphase haben wir Aufträge hinzugewonnen."
 
Das ehrgeizige Ziel der "Neuen": Innerhalb von drei Jahren wollen die beiden Geschäftsführer das Auftragsvolumen von Itellium verdoppeln. Da die Manager keine Umsatz- oder Kundenzahlen angeben,  wollen sie sich an der Verdopplung der Mitarbeiterzahl messen lassen.

Über Itellium

Itellium ist ein für einen sowohl auf mittelständische Unternehmen als auch auf Konzerne ausgerichteten IT-Dienstleister. Das Portfolio des Unternehmens umfasst IT-Beratungs-, Implementierungs- sowie Betriebs- und betriebsnahe Dienstleistungen wie Schulung und Wartung im ERP-Umfeld, insbesondere in der Warenwirtschaft, Disposition und Logistik sowie SAP for Retail und Filiallösungen.

Darüber hinaus realisiert Itellium sogenannte Business-Intelligence-Anwendungen und E-Commerce-Lösungen für seine Kunden. Letzteres Geschäft ist nach dem Verlust der Versender Quelle.de und Neckermann.de jedoch derzeit nur noch eine Randaktivität. Die Kunden stammen aus dem Einzelhandel, Intellium will aber auch weiteren Uenrtehmen aus Branchen mit "komplexer Supply Chain" wie dem Großhandel und der Fertigungsindustrie gewinnen.